dem Hotel Biron umlenken , da der Wagen durch den Ausbau des Palais von Gerüsten und Arbeitern am Weiterfahren gehindert ward ; und da die Frau Königin sich nach der Rückkehr übel befanden , so befahlen Sie uns , Madame Ihre Entschuldigungen zu bringen , und behielten allein Molina ( ihre spanische Kammerfrau ) bei sich . « Der König hörte gespannt und mit sichtlicher Unruhe zu . » Ich fürchtete das nicht , obwol man mir sagte , daß die ungebührlichen Bauanstalten vor dem Hotel Biron die Königin belästigt hätten . - Die strengsten Befehle sind gegeben , sie spurlos zu beseitigen . Ich werde die Königin heute noch besuchen und sehe Sie am liebsten in der Nähe meiner Gemahlin ! « » Vielleicht , « erwiederte Mademoiselle de Lesdiguères mit plötzlich verändertem Wesen und freudestrahlenden Augen , » erlauben Euer Majestät , daß ich mich sogleich zu meiner gnädigen Gebieterin begebe , sie auf diese Freude vorzubereiten ? « - » Thun Sie das , meine Liebe ! Ich weiß , Sie sind uns beiden ergeben , « erwiederte der König mit der huldvollsten Herablassung - und die junge Dame verneigte sich und war augenblicklich verschwunden . Es lag ein Schatten auf der Stirn des Königs , und Niemand wagte ihm zu nahen - als Henriette von England vortrat , und der König in demselben Augenblicke die Töne eines im Nebenzimmer beginnenden Concerts hörte . Mit der verbindlichsten Anmuth nahm er die Einladung der Prinzessin an und folgte ihr in die Zauberhallen , die sich vor ihm öffneten , und aus denen , hinter den vollsten Gebüschen von Orangen , Rosen und Myrten die hinreißendsten Gesänge und Musikstücke erklangen , die Jean Baptiste Lully mit seinem wohlgeübten Orchester aufführte , und von denen der König , der den Künstler zu seinem Kapellmeister und Liebling erhoben hatte , stets sich entzückt zeigte . Er war der Schöpfer der französischen Musik , der alle die damals angestaunten Wunder der Töne , Modulationen und Tempi ersann , wie sie vor ihm nicht existirt hatten . - Während dem führten in den anmuthigsten Windungen die schönsten Kinder , als Genien gekleidet , pantomimische Tänze zwischen den Gebüschen auf , welche in sinnvollen Gruppen , in leisem , flügelartigem Dahinschweben , wie personifizirte Töne , die Harmonieen des verborgenen Orchesters zu verstärken schienen . Es war kaum möglich , daß der König bei einem Feste gegenwärtig sein konnte , ohne irgend eine schmeichelhafte Beziehung für sich zu erfahren . Doch dies Mal war es schwer , sie zu entdecken ; denn das ganze reizende Schauspiel zog sich wie eine Chiffernsprache vor den Augen der Andern hin . Madame schien allein den Schlüssel dazu zu haben , und mit anmuthigen Worten und Mienen während der Dauer der Aufführung dem Könige die Erklärung zu geben . Alle Uebrigen sahen nur eine Pantomime . - Einmal zeigten sich die Wappen Englands und Frankreichs , beide , wie angedeutet war , auf französischem Boden ; dann schwebte der Genius der Gerechtigkeit herab und löste das englische Wappen vom französischen Boden , damit entfliehend . Das französische Wappen wuchs , und Genien umkränzten es . » Habe ich nicht Recht mit Dünkirchen ? « flüsterte der Marschall Tessé dem Herzoge von Rochefaucault zu - » die schlaue Prinzessin hat Seiner Majestät die Schlüssel von Dünkirchen übergeben , und nun muß die Gerechtigkeit das Wappen Englands vor den Augen des Königs von dem Boden Frankreichs fortschleppen ! « » Ja , « lachte der Herzog - » hier besiegt immer Einer den Andern - ich halte heute Fräulein von Lesdiguères für die Siegreichste in diesem Kreise ! « - » Das macht , weil sie eine schon halb überwältigte Festung vorfand , « fiel ihm der Marquis de Souvré ins Wort ; » ich möchte nicht derjenige sein , der die Befehle für die Ausstattung des Hotel Biron überschritt ! « » Sollen denn die Bevollmächtigten eines königlichen Willens , der selten den kleinsten Aufschub gestattet , auch bedenken , welche Veränderung ein solcher Wille in vier und zwanzig Stunden erleiden kann ? « sagte der Herzog von Rochefaucault . » Nun , « meinte Madame de Sablière , » die Nerven der Königin hätte ich mir abgehärteter gedacht . Die neue Herzogin von Lavallière wird ihr Hotel nur vier und zwanzig Stunden später beziehn , und Nichts wird unterbleiben , was hier eingeleitet ist . Wenn die Erschütterung vorüber , die Seine Majestät durch den Unfall der Königin erfahren , werden die Anstalten ihren alten Gang vorwärts gehn . « » Darunter wird Niemand mehr leiden , als Madame de Lavallière selbst , « bemerkte der Marquis de Souvré ; » in ihr möchte Seiner Majestät das größte Hinderniß zu besiegen haben . « Alles horchte auf und blickte den Marquis erwartungsvoll an . Jeder war überzeugt , er wisse mehr ; man wünschte , er theilte sich mit - doch schwieg er mit der überlegenen Miene , mit der er sich stets zu sichern schien , und geschäftig trat ein Kammerdiener von Madame an ihn heran und rief ihn zur Prinzessin . Der König hatte sich erhoben . Obwol das obige Gespräch nur flüsternd vorging und durch hunderte von Menschen vom Könige getrennt war , so schwieg dennoch augenblicklich Jeder , als er sich erhob , und sein königlicher Blick die Versammlung überflog . » Die Prinzeß de Lesdiguères hat gesiegt , « sagte der Herzog von Rochefaucault - » er nimmt Abschied von Madame und geht zur Königin ! « » O , « rief der Graf Guiche , » wie schwer mag es ihm werden , die einsam weinende Lavallière ohne Trost lassen zu müssen . Welche Widersprüche mögen sein edles , gefühlvolles Herz bewegen ! « » Sein Sie nicht zu gefühlvoll , Graf Guiche ! « lächelte der Herzog . » Solch ' hervorstechendes Mitgefühl richtet die Blicke auf Sie - man macht Folgerungen - man glaubt Sie zu verstehen - genug ,