wie vorhin : » Flieht , weil es noch Zeit ist . Der Oheim hat Böses gegen Euch im Sinne . Glaubt nicht , daß er sich in seinem Schlafgemach befindet . Vor einem Augenblicke verließ er mit dem Knechte , der die Leuchte trug , das Haus . Hinter der Thüre des Kellers lauschend , hörte ich , wie er zu dem Burschen sagte : Nimm Dich wohl in Acht , und leuchte vernünftig . Von des Cardinals Hause läufst Du , was Du kannst , zum Engel . « - Sorgfältig die Thüre schließend , gingen sie davon , Euch zu verrathen . - » Zu verrathen ? « rief Dagobert , aufspringend : » Der Bruder meines Vaters mich verrathen ? Zu welchem Endzweck das Bubenstück ? « - » Ach , Ihr wißt noch nicht , was geschehen ; « entgegnete Fiorilla mit steigender Besorgniß : » Wallradens Verständniß mit Sigmund ist vorbei . « Ohnmächtig wüthend zog sie von hier ab , verspottet von ihren Freiern und der Welt . Eures Oheims Glückstern ging schnell unter . Er , der den Papst verlassen um des Kaisers willen , wird von diesem schnöde behandelt , und seit des heil . Vaters Flucht , die Ihr , wie man allgemein behauptet , begünstigt , geben die Machthaber vor , in Euerm Ohm einen heuchlerischen Anhänger des Geflüchteten entdeckt zu haben . Die Cardinäle , den arglistigen Colonna an der Spitze , der zum Kaiser hält , wiesen den Flehenden von ihrer Thüre , und zu allem Unglück gelangte gestern an ihn die unwillkommne , die zermalmende Botschaft , daß sein Capitel , seines langen Ausbleibens und Geldverschwendens müde , einen Andern statt seiner erwählt , und diese Wahl zur Bestätigung an das Concilium bereits berichtet . Diese Kunde donnerte den Prälaten vollends nieder , und nun geht er hin zu dem Colonna , von dem er allein noch Hilfe erbetteln könnte , und verräth Euch , seinen Neffen , als den Entführer des Papstes ; in der Hoffnung .... - durch einen großen Schurkenstreich minder bedeutende wieder gut zu machen ; unterbrach sie Dagobert ungestüm : » Wohl bekomm ' s , ungetaufter Ehrenmann . Gut ausgedacht . Der Eine läuft zum Cardinal , mich anzugeben , der Andre zum Engel , um dort meine Habe zu verhaften . Zum Glück hat mir vom Teufel geträumt , und ich habe dem Ohm eine Nase gedreht . Meine Pferde stehen in einer Herberge vor der Stadt , und dahin eile ich jetzt . Vor dem Kaiser würde ich nicht Fersengeld geben ; aber das Concilium ist ein ander Ding . Ich habe Hussens Kerker gesehen , und damit genug gehabt . « » Wie aber entweiche ich ? Sie haben die Thüre verschlossen , sagst Du ? « - » Ich besitze noch einen Schlüssel , « antwortete Fiorilla zögernd und roth werdend , » von dem der Ohm nichts weiß . Mit diesem öffne ich Euch die Pforte . « - » Habe Dank , du listige Schlange ; « versetzte Dagobert , die Mütze aufstülpend , einen derben Zug aus dem Becher thuend , und Fiorillen die Hand reichend : » Gott segne Dich , und den glücklichen Buhlen , dem dieser Schlüssel wohl schon öfter hinter des ehrwürdigen Freundes Rücken das Pförtlein aufthat . Wie kann ich Dir vergelten ? « - » Durch einen kleinen Liebesdienst ; « erwiederte Fiorilla eilig , und dennoch verschämt : » Gestattet , daß ein junger Mensch Euch ein Stückchen Wegs begleite . Das junge Blut fürchtet sich , allein von dannen zu gehen , und dennoch .... « - » Und dennoch soll ihn der Ohm hier nicht finden ? « fragte Dagobert schelmisch drohend : » In des Himmels Namen - er komme . Ich bin schon einmal dazu bestimmt , der Begleiter von allerlei Menschen zu seyn , die dem Wetter nicht recht trauen , und selbst , wenn ich auf flüchtigen Füßen bin , muß ich noch immer einen Andern mit mir schleppen . Der feine Bube tummle sich indessen . Ich habe nun weder Ruh noch Rast . Käme der Ohm jetzt zurück , wär ' s sein Unglück und das Meine , und Beides hätte ich nicht gern auf dem Gewissen . « - » Eurer Zusage vertrauend , wartet der Knabe draußen ; « sprach Fiorilla : » bringt ihn ja gut dahin , wo er zu Hause ist . « - » Insofern sein Haus an meiner Straße liegt , und der Bube flink auf den Beinen ist , recht gern , weil dem Bäschen so viel an dem furchtsamen Milchbart liegt . Jetzt die Hand , Fiorilla , und die Wange . So ! Gott lohne Euch die Warnung , und lasse Euch glücklich und vernünftig werden . Lebt wohl . « - Schnell verließ er das Zimmer ; Fiorilla eilte mit dem Lichte voraus . Auf der düstern Treppe schloß sich der Günstling der Italiänerin , ein feiner Junge , aber wunderlich vermummt in einen , der Kleiderkammer des Prälaten entliehenen , weiten Rock , und eine Stirn und Wange verhüllende Kappe , an die Beiden an . Dagobert , mit seinem eignen Geschick beschäftigt , schenkte ihm nur einen flüchtigen Blick , und schritt rüstig zu der Pforte , deren Schloß Fiorilla ' s Schlüssel nur zu langsam für des Jünglings Ungeduld öffnete . Thränenden Blicks reichte die Schöne von Cesena dem Letztern die Hand , heftig schluchzend fiel sie dem Vermummten um den Hals , und Dagobert war schon ziemlich voraus , ehe sein Begleiter , dessen Schritt von dem langen Gewande gehindert wurde , ihn erreichte . » Spute Dich , Du verliebter Früh-in ' s-Holz ! « raunte Dagobert dem Keuchenden zu . » Weit ist noch der Weg bis vor die Stadt , wenn Du außerhalb derselben wohnst ? « - Der zur Seite Laufende nickte stumm , und Dagobert setzte sich wieder