herab von der Bank , und jubelnd umgab ihn die Menge ; die beiden Fürsprecher des Bundes wurden , ehe sie sich dessen versahen , gebunden und fortgeführt . Jetzt ergoß sich der Strom der Bürger vom Marktplatz zum obern Tor , hinaus über den breiten Graben der alten Stadt in die Turnieracker-Vorstadt , am Bollwerk vorbei zum Rotenbildtor . Die bündischen Knechte , die das Tor besetzt hielten , wurden schnell übermannt , das Tor ging auf , die Zugbrücke fiel herab und legte sich über den Stadtgraben . Dort hatten indessen die Anführer des Fußvolkes ihre besten Truppen aufgestellt , denn man wußte nicht genau , wie die Bündischen sich bei der Annäherung des Herzogs benehmen werden . Ulerich selbst hatte die Posten beritten . Vergeblich suchte Georg von Sturmfeder ihn zu überzeugen , daß die Besatzung von Stuttgart so schwach sei , daß sie ihnen nicht die Spitze bieten könne , vergeblich stellte er ihm vor , daß die Bürger ihn zurücksehnen , und willig ihre Tore öffnen werden ; der Herzog schaute finster in die Nacht hinaus , preßte die Lippen zusammen und knirschte mit den Zähnen . » Das verstehst du nicht « , murmelte er dem Jüngling zu ; » du kennst die Menschen nicht ; sie sind alle falsch , traue niemand als dir selbst . Sie drehen den Mantel nach jedem Wind ! - Aber diesmal will ich sie fassen ; meinst du , ich habe mein Land umsonst mit dem Rücken angesehen ? « Georg konnte diese Stimmung des Herzogs nicht begreifen . Im Unglück war er fest , sogar mild und sanft gewesen , hatte von manchem schönen Brauch gesprochen , den er einführen wolle , wenn er wieder ins Land komme , hatte selten Zorn über seine Feinde , beinahe nie Unmut über die Untertanen gezeigt , die von ihm abgefallen waren ; aber sei es , daß mit dem Anblick der vaterländischen Gegenden auch das Gefühl der Kränkung stärker als zuvor in ihm erwachte , sei es , daß es ihm unangenehm auffiel , daß der Adel und die Stände noch nichts hatten von sich hören lassen , er war , seit er die Grenzen Württembergs überschritten , nicht freudig , gehoben , erwartungsvoll , sondern ein stolzer Trotz blitzte aus seinen Augen , seine Stirne war finster , und eine gewisse Strenge und Härte im Urteil , fiel seinen Umgebungen , besonders Georg von Sturmfeder auf , der sich in diese neue Seite von Ulerichs Charakter nicht gleich zu finden wußte . Die Aufforderung an die Stadt mochte wohl schon seit einer halben Stunde ergangen sein ; bald war die Frist abgelaufen , die er ihnen gegeben hatte , und noch immer war keine Antwort da ; man hörte nur ein ängstliches Hin- und Herrennen in der Stadt , aus welchem man weder gute noch böse Zeichen deuten konnte . Der Herzog ritt zu den Landsknechten vor , die erwartungsvoll auf ihren Hellebarden und Donnerbüchsen lehnten . Die drei Ritter , welche sie führten , standen am Graben , und hielten durch ihre Anwesenheit die Knechte in Ruhe und Ordnung . Beim Schein des Mondes betrachtete Georg ängstlich Ulerichs Züge . Die Ader auf seiner Stirne war aufgelaufen , eine tiefe Röte lag auf seinen Wangen , und seine Augen brannten in düsterer Glut . » Hewen ! laß Leitern anschleppen « , sagte er mit dumpfer Stimme . » Der Donner und das Wetter ! es ist mein eigen Haus , vor dem ich stehe , und die Hunde wollen mich nicht einlassen . Ich laß noch einmal blasen , machen sie dann nicht sogleich auf , so schmeiß ich Feuer in die Stadt , daß ihre Käfigte zusammenbrennen . « » Bassa manelka , waz mich daz freut ! « sagte der lange Peter , der in der ersten Rotte neben dem Herzog stand , leise zu seinen Kameraden . » Jetzt werden Leitern beigeschleppt , wie die Katzen wir hinauf , mit den Hellebarden über die Mauer gestochen , daz die Kerl herunter müssen , mit den Büchsen drein gepfeffert , Canto cacramento ! « » Dat will ik meenen ! « flüsterte der Magdeburger , » und dann hinunter in die Stadt , angezündet an den Ecken , geplündert gebürstet ! da will ik man och bei sin . « » Um Gottes willen , Herr Herzog « , rief Georg von Sturmfeder , welcher die Reden des Herzogs und die greuliche Freude der Landsknechte wohl vernommen hatte ; » wartet nur noch ein kleines Viertelstündchen , es ist ja Eure eigene Residenzstadt . Sie beraten sich vielleicht noch . - « » Was haben sie sich lange zu beraten ? « entgegnete Ulerich unwillig ; » ihr Herr ist hier außen vor dem Tor und fordert Einlaß . Ich habe schon zu lange Geduld gehabt . Georg ' breite mein Panier aus im Mondschein , laß die Trompeter blasen , fordere die Stadt zum letztenmal auf ! Und wenn ich dreißig zähle nach deinem letzten Wort , und sie haben noch nicht aufgemacht , beim heiligen Hubertus , so stürmen wir . Spute dich , Georg ! « » O Herr ! bedenket eine Stadt , Eure beste Stadt ! wie lange habt Ihr in diesen Mauern gelebt , wollt Ihr Euch ein solches Brandmal aufrichten ? Gebt noch Frist . « » Ha ! « lachte der Herzog grimmig , und schlug mit dem Stahlhandschuh auf den Brustharnisch , daß es weithin tönte durch die Nacht ; » ich sehe , dich gelüstet nicht sehr in Stuttgart einzuziehen und dein Weib zu verdienen . Aber bei meiner Ungnade , jetzt kein Wort mehr , Georg von Sturmfeder . Schnell ans Werk . Ich sag , roll mein Panier auf , blast Trompeter , blast , schmettert sie auf aus dem Schlaf , daß sie merken , ein Württemberger ist vor dem Tor , und will trotz Kaiser und Reich in sein