Deutschland « , erwiderte Garnmacher ; » ich wenigstens möchte wohl wissen , wie es im Jahr 1826 oder 1830 in Deutschland sein wird . Als ich die Erde verließ , war die Konstellation sonderbar . Es roch in meinem Vaterland wie in einer Pulverkammer , bevor sie in die Luft fliegt . Die Lunte glühte , und man roch sie allerorten . Die feinsten diplomatischen Nasen machten sich weit und lang , um diesen geheimnisvollen Duft einzuziehen und zu erraten , woher der Wind komme . Meinen Sie nicht auch , es müsse bedeutende Veränderungen geben ? « » Es wird heißen - auch in diesem Jahr , ist es geblieben wie es war « , antwortete ich dem guten Deutschen . » Um eine Lunte auszulöschen , bedarf es keine große Künste . Man wird bleiben wie man war , man wird höchstens um einige Prozente weiser vom Rathaus kommen . Sie wollen Ihr Vaterland in die Szene gesetzt sehen , um zu erfahren , wie es Anno 1826 dort aussieht ? Armer Herr ! da müßte ich ja zuvor noch fragen , was für ein Landsmann Sie sind . « » Wie verstehen Sie das ? « fragte der Baron unmutig . » Nun ? was könnte man Ihnen denn Allgemeines und Nationelles vorspielen , da Sie keine Nation sind ? Sind Sie ein Bayer , so müßte man Ihnen zeigen , wie man dort noch immer das alte ehrliche Bier , nur nach neuen Rezepten braut ; sind Sie Württemberger , so könnten Sie erfahren , wie man die Landstände wählte . Sind sie ein Rheinpreuße und drückt Sie der Schuh , so lassen Sie sich den eigenen Fuß operieren , denn an dem Normalschuh darf nichts geändert werden . Sind Sie ein Hesse , so trinken Sie ganz ruhig ihren Doppelkümmel zum Butterbrot , aber denken Sie nichts , nicht einmal ob es in der letzten Woche schön war und in der nächsten regnen wird ; sind Sie ein Brandenburger , so machen Sie , daß Ihnen die Haare zu Berg stehen , und hungern Sie , bis Sie eine schöne Taille bekommen - - « » Herr , Sie sind des Teufels ! « fuhr der Baron auf ; » wollen Sie uns alles Nationalgefühl absprechen ? Wollen sie - « » Stille ! Sie sehen , der Vorhang geht wieder in die Höhe ! « rief der Marquis ; » wie , was sehe ich ? das ist ja das Portal von Notre Dame ! das finde ich sonderbar . Wenn man von Frankreich etwas in die Szene setzen will , warum gibt man uns kein Vaudeville , warum nicht den Kampf der Kammer . « Die Glocken von Notre Dame ertönten in feierlichen Klängen . Chorgesang und das Murmeln kirchlicher Gebete näherte sich , und eine lange Prozession , angeführt von den Missionären , betrat die Bühne . Da sah man königliche Hoheiten und Fürsten mit den Mienen zerknirschter Sünder , den Rosenkranz in der Hand , einherschleichen ; da sah man Damen des ersten Ranges , die schönen Augen gen Himmel gerichtet , die à la Madonna gekämmten Haare mit wohlriechender Asche bestreut , die niedlichen Füßchen bloß und bar in dem Staube wandelnd . Das Publikum staunte ; man schien seinen Augen nicht zu trauen , wenn man die Herzogin D-s , die Comtesse de M-u , die Fürstin T-d im Kostüm einer Büßenden zur Kirche wandeln sah . Doch , als Offiziere der alten Armee , nicht mit Adlern , sondern mit heiligen Fahnen in der Hand , hereinwankten , als sogar ein Mann in der reichen Uniform der Marschälle , den Degen an der Seite , die Kerze in der Hand und Gebetbücher unter dem Arm , über die Szene ging , da wandte sich der Marquis ab , die Soldaten der alten Garde an unserer Seite , ballten die Fäuste und riefen Verwünschungen aus , und wer weiß , was meinen Acteurs geschehen wäre , hätte man faule Äpfel oder Steine in der Nähe gehabt . Das hohe Portal von Notre Dame hatte endlich die Prozession aufgenommen , und nur der Schluß ging noch über die Szene . Es war ein Affe , der eine Kerze in der Hand , und unter dem Arm eine Vulgata trug ; man hatte ihm einen ungeheuren Rosenkranz als Zaum um den Hals gelegt , an welchem ihn zwei Missionäre wie ein Kalb führten . Sooft er aus dem ruhigen Prozessionsschritt in wunderliche Seitensprünge fallen wollte , wurde er mit einer Kapuzinergeißel gezüchtigt , und schrie dann , um seine Zuchtmeister zu versöhnen : » Vive le bon Dieu ! vive la croix ! « So brachten sie ihn endlich mit großer Mühe zur Kirche , Orgel und Chorgesang erscholl , und der Vorhang fiel . » Haben Sie nun Genugtuung ? « sagte der Marquis zu dem Lord ; » was ist Ihr Skandal auf der Börse gegen diesen kirchlichen Unfug ? o mein Frankreich , mein armes Frankreich ! « » Es ist wahr « , antwortete Mylord sehr ernst , indem er dem Franzosen die Hand drückte ; » Sie sind zu beklagen . Aber ich glaube nicht an diese tollen Possen ; Frankreich kann nicht so tief sinken , um sich so unter den Pantoffel zu begeben . Frankreich , das Land des guten Geschmacks , der fröhlichen Sitten , der feinen Lebensart , Frankreich sollte schon im Jahr 1826 vergessen haben , daß es einst der gesunden Vernunft Tempel erbaute , und den Jesuiten die Kutte ausklopfte ? Nicht möglich , es ist ein Blendwerk der Hölle ! « » Das möchte doch nicht so sicher sein « , sagte ich . » Das Vaterland des Herrn Marquis gefiel sich von jeher in Kontrasten ; wenn einmal der Jesuitismus dort zur Mode wird , möchte ich für nichts stehen . « » Aber was wollten sie nur mit dem Affen in Notre Dame ? « fragte