den , den man liebt , wird man mit Sorge erfüllt , und eben diese Sorge war es , die mich Sie seit der Zeit Ihres Aufenthalts im Kloster bis zur Ängstlichkeit beobachten ließ . Das Resultat dieser Beobachtungen brachte mich zu einer Überzeugung , die ich nicht aufgeben darf ! - Längst wollt ' ich Ihnen in dieser Hinsicht mein ganzes Herz öffnen , ich wartete auf einen günstigen Augenblick , er ist gekommen ! - Kreisler ! Entsagen Sie der Welt , treten Sie in unsern Orden ! « - So sehr sich auch Kreisler in der Abtei gefiel , so willkommen es ihm war , einen Aufenthalt verlängern zu können , der ihm Ruhe und Frieden gab , indem er seine rege künstlerische Tätigkeit in Anspruch nahm , doch überraschte ihn der Antrag des Abts auf beinahe unangenehme Weise , da er an nichts weniger mit wirklichem Ernst gedacht als , seine Freiheit aufgebend , sich unter die Mönche stecken zu lassen auf immer , wiewohl ihm manchmal schon solch eine Grille aufgestiegen und dies vom Abt bemerkt sein mochte . Ganz verwundert schaute er den Abt an , der ihn aber nicht zum Worte kommen ließ , sondern fortfuhr : » Hören Sie mich erst ruhig an , Kreisler , ehe Sie mir antworten . Wohl muß es mir angelegen sein , der Kirche einen tüchtigen Diener zu gewinnen , indessen verwirft die Kirche selbst jede künstliche Überredung und will nur , daß der innere Funke der wahren Erkenntnis angeregt werde , damit er zur hell lodernden Flamme des Glaubens aufleuchte und jede Betörung vernichte . Und so will ich nur das , was dunkel und verworren vielleicht in Ihrer eignen Brust liegt , entfalten , Ihnen selbst zur deutlichen Erkenntnis bringen . Darf ich zu Ihnen , mein Johannes , denn von den aberwitzigen Vorurteilen sprechen , die man in der Welt gegen das Klosterleben hegt ? - Immer muß den Mönch irgendein ungeheures Schicksal in die Klause getrieben haben , wo er , aller Lust der Welt entsagend , unter beständiger Qual ein trostloses Leben vertrauert . So wäre das Kloster der finstre Kerker , wo die trostloste Trauer um ewig verlornes Gut , die Verzweiflung , der Wahnsinn erfinderischer Selbstqual sich eingesperrt , wo abgehärmte bleiche Todesgestalten ein elendes Dasein hinschleppten und ihre herzzermalmende Angst aushauchten in dampfmurmelnden Gebeten ! « Kreisler konnte sich nicht eines Lächelns erwehren , denn er gedachte , als der Abt von abgehärmten bleichen Todesgestalten sprach , so manches wohlgenährten Benediktiners und vorzüglich des wackern rotwangichten Hilarius , der keine größere Qual kannte , als Wein zu trinken von schlechtem Gewächs , und nur die Angst , die ihm eine neue Partitur verursachte , welche er nicht gleich verstand . » Sie belächeln , « sprach der Abt weiter , » Sie belächeln den Kontrast des Bildes , das ich aufstellte , mit dem Klosterleben , wie Sie es hier kennen gelernt , und haben gewiß Ursache dazu . - Mag es auch sein , daß mancher , zerrissen von irdischem Leid , alles Glück , alles Heil der Welt für immer aufgebend , in das Kloster flieht , wohl ihm dann , daß die Kirche ihn aufnimmt und er in ihrem Schoß einen Frieden findet , der allein ihn über alles erlittene Ungemach trösten und ihn erheben kann über das verderbliche Geschick im weltlichen Treiben . Aber wie viele gibt es , die der wahre innere Hang zum andächtigen kontemplativen Leben in das Kloster führt , die , ungefügig in der Welt , jeden Augenblick verstört durch das Andringen aller kleinlichen Verhältnisse , wie sie sich nun einmal im Leben erzeugen , nur in selbstgewählter Einsamkeit sich wohl befinden . Dann gibt es aber andere , die ohne entschiedenen Hang zum klösterlichen Leben doch nirgends anders hingehören als eigentlich ins Kloster . - Ich meine diejenigen , die Fremdlinge in der Welt sind und bleiben , weil sie einem höheren Sein angehören und die Ansprüche dieses höheren Seins für die Bedingung des Lebens halten , so aber rastlos das verfolgend , was hienieden nicht zu finden , ewig dürstend in nie zu befriedigender Sehnsucht , hin und her schwanken und vergeblich Ruhe suchen und Frieden , deren offne Brust jeder abgeschossene Pfeil trifft , für deren Wunden es keinen Balsam gibt als die bittre Verhöhnung des stets wider sie bewaffneten Feindes . Nur die Einsamkeit , ein einförmiges Leben ohne feindliche Unterbrechung und vor allem das stete freie Aufschauen zur Lichtwelt , der sie angehören , kann das Gleichgewicht herstellen und sie im Innern eine überirdische Zufriedenheit fühlen lassen , die in dem wirren Treiben der Welt nicht zu erringen . - Und Sie - Sie , mein Johannes , gehören zu diesen Menschen , die die ewige Macht im Druck des Irdischen hoch erhebt zum Himmlischen . Das rege Gefühl des höhern Seins , das Sie ewig mit dem schalen irdischen Treiben entzweien wird , entzweien muß , strahlt mächtig heraus in der Kunst , die einer andern Welt gehört und die , ein heiliges Geheimnis der himmlischen Liebe , mit Sehnsucht in Ihrer Brust verschlossen ist . Die glühendste Andacht selbst ist diese Kunst , und , ihr ganz ergeben , haben Sie nichts mehr gemein mit einer buntscheckigen Welttändelei , die Sie von sich werfen mit Verachtung , wie der zum Jüngling gereifte Knabe das abgenutzte Spielzeug . - Entfliehen Sie für immer den aberwitzigen Neckereien hohnlächelnder Toren , die Sie , mein armer Johannes , oft gequält haben bis aufs Blut ! - Der Freund breitet die Arme aus , Sie zu empfangen , Sie einzuführen in den sichern Port , den kein Gewittersturm bedroht ! « - » Tief , « sprach Johannes , da der Abt schwieg , ernst und düster , » tief fühle ich die Wahrheit Ihrer Worte , mein ehrwürdiger Freund ! tief , daß ich wirklich nicht in eine Welt tauge , die sich mir gestaltet wie