Zeit verstummen mußte . Der Schwäbische Bund war endlich doch mit seiner Rüstung fertig geworden . Unter dem Namen Herzog Wilhelms von Bayern führte Georg von Frundsberg eine große Übermacht gegen den Herzog Ulrich . Der große Frundsberg , an der Spitze einer geringeren Zahl , wäre schon des Siegs gegen Herzog Ulrich sicher gewesen , aber außer der Menge stand ihm der ganze Einfluß der Kronenwächter zur Seite , sie nannten ihn damals ihren Reichsfeldherrn und er wäre es auch geblieben , wenn sie ihm hätten erfüllen können , was sie ihm zugesagt hatten . Der Herzog Ulrich sammelte sein Volk in Blaubeuren und kamen viele Boten an Berthold und Grünewald wegen Beschleunigung der Rüstung , als Berthold gerade beschäftigt war , das der ganzen Stadt zur Taufe versprochene Fest einzurichten . Alle fröhlichen Anstalten wurden gehemmt , auch dem Meister Kugler abgeschrieben , der zur Taufe eintreffen wollte . Nun wurden die Rüstungen wieder durchgesehen und der Ehrenhalt trat als Waffenschmidt auf , weil in dem Jahre der Waiblinger Waffenschmidt gestorben war und die Witwe zu häßlich war , um sogleich einen jungen Mann für ihre Nahrung zu finden . Der Ehrenhalt beschaute die Bürgerwaffen , riß hier eine Schiene ab , dort schlug er eine ein , um den Bürgern zu beweisen , daß sie verloren gewesen , wenn sie mit so verrosteten Waffen ausgezogen wären . Unterdessen wurde mit Herzog Wilhelm verhandelt und was sehr seltsam , durch den herzoglichen Vogt Grünewald , der seinen alten Herrn gern einmal wieder sehen und ihm einige neue Liebeslieder vorsingen wollte . Der Herzog ließ der Stadt Reichsfreiheit versprechen , wenn sie ihre Streitkräfte mit ihm vereinigte . Der eifrige Berthold , durch Erziehung , Kränklichkeit , Reichtum und Bildung immerdar von der Masse der Bürger getrennt und nur in Geschäften mit ihnen bekannt , setzte voraus , daß ihre Gesinnung ganz mit der seinen übereinstimme , daß sie als eine Wohltat annehmen würden , was er für ein Glück erkenne . So kam ' s , daß er sich nicht einmal die Mühe gab , die Meinung der Zünfte über diese Angelegenheit zu erforschen , auch fehlte ihm dazu der gute Fingerling . Die Zunftmeister wunderten sich zwar über die langsame Rüstung , aber sie hatten gerade auch keinen Übermut zu diesem ganz unnützen , verderblichen Kriege , sie ließen es so gehen . Endlich hieß es , alles sei fertig , die ältere Mannschaft blieb zur Besatzung , Grünewald und Berthold sollten mit den andern zu Herzog Ulrich ausziehen . Anton war in dieser Zeit in der unbequemsten Lage , er wollte mitziehen und mußte sich doch vor dem Ehrenhalt verstecken , und wußte das bei Musterungen nicht anders zu bewerkstelligen , als durch eine scheinbar zufällige Färbung seines Gesichts , über die ihn die Leute zwar auslachten , die er aus der Unruhe jener Zeit erklärte , die nicht Zeit zum Waschen lasse ; zugleich steckte er eine Kugel in die eine Backe , als ob sie vom Zahnweh geschwollen wäre , so daß ihn Meister Sixt selbst zuweilen nicht erkannte . Als nun der Zug vor dem Rathause sich sammelte , die Weiber und Kinder die Tornister und Mantelsäcke weinend herbeischleppten , konnte er sich des Lachens nicht erwehren , ihm war so seelenglücklich zu Mute , daß seine Kugel ihm aus dem Mund in einen Suppennapf mit Klößen fiel , aus welchem ein Bürger eben sein letztes Mittagsmahl essen sollte . Der Bürger fing an zu essen und biß sich fast einen Zahn an der Kugel aus , die er für einen Kloß gehalten , es war die einzige Kugel , die bei diesem Zuge Schaden tat . Frau Anna war von allem unterrichtet und stellte sich daher nur traurig über diesen Auszug wegen der fremden Leute , die sie umgaben . Das Kind schmiegte sich an den ausziehenden , gerüsteten Berthold , hatte sein Haar gefaßt und wollte ihn gar nicht fortlassen , da weinten die Hebamme und die Mägde , und sie redeten unter einander , wenn es den Pflegevater schon so fest gehalten habe , so würde Anton sich nie von ihm haben losreißen können ; das hörte Anna , obgleich es leise gesprochen war , es fiel ihr schwer aufs Herz , sie dachte der Ähnlichkeiten nun erst recht , verstand manche Winke der Mutter . Ihr Stolz war tief gekränkt , obgleich sie nichts sagte und gar nicht tat , als ob sie etwas vernommen habe . Alles andre war ihr jetzt gleichgültig , sie sann darauf , wie sie diesen bösen Leumund falscher Zungen zerstreue , während der Zug vorüber zog . Sie glaubte in jedem , der hinauf blickte , Hohn und Spott zu erkennen , sie glaubte zu hören , wie sie über das Christuskind auf dem Bilde sprachen . Anton mußte fort aus der Stadt , das Bild mußte geändert werden , das stand ihr fest im Sinne und sie grübelte , wie das auszuführen sei mit einer Ungeduld , daß ihr Kind davon erkrankte . Viele der Streiter zogen nur mit angetrunknem Mute aus , dieser Mut sank aber , als sie ermüdeten , die Pferde schienen zu erlahmen , die Fußgänger ruhten sich oft . Der Ehrenhalt erzählte , nachdem Grünewald von einem Spähen zurückgekommen , es würden ihnen bald Stückkugeln über die Köpfe sausen , sie brauchten sich darum nicht zu bücken , denn das sei doch gewöhnlich zu spät , er erzählte von den bayerischen Reitern , wie die so genau zusammenritten , daß ihre Spieße wie eine große Säge glänzten , sie möchten sich gefaßt machen , sie ständen schon zwischen ihnen und dem Herzog . Da sonderten sich die Verzagten , einer sang mit bebender Stimme und wußte nicht , was er sang , ein andrer , der sonst eine schreckliche Stimme führte , konnte kaum so laut kommandieren , daß es seine Rotten hörten , ein Schuster unterhandelte laut mit Gott , daß er wohl ein Bein daran