hinaus : » Nächtlich dehnen sich die Stunden , Unschuld schläft in stiller Bucht , Fernab ist die Welt verschwunden , Die das Herz in Träumen sucht . Und der Geist tritt auf die Zinne , Und noch stiller wird ' s umher , Schauet mit dem starren Sinne In das wesenlose Meer . Wer ihn sah bei Wetterblicken Stehn in seiner Rüstung blank : Den mag nimmermehr erquicken Reichen Lebens frischer Drang . - Fröhlich an den öden Mauern Schweift der Morgensonne Blick , Da versinkt das Bild mit Schauern Einsam in sich selbst zurück . « Vierundzwanzigstes Kapitel Friedrich und Leontin vermehrten nun auch den wunderlichen Haushalt auf dem alten Waldschlosse . Der unglückliche Rudolf lag gegen beide und gegen alle Welt mit Witz zu Felde , sooft er mit ihnen zusammenkam . Doch geschah dies nur selten , denn er schweifte oft tagelang allein im Walde umher , wo er sich mit sich selber oder den Rehen , die er sehr zahm zu machen gewußt , in lange Unterredungen einzulassen pflegte . Ja , es geschah gar oft , daß sie ihn in einem lebhaften und höchst komischen Gespräche mit irgendeinem Felsen oder Steine überraschten , der etwa durch eine mundähnliche Öffnung oder durch eine weise vorstehende Nase eine eigene , wunderliche Physiognomie machte . Dabei bildeten die Narren , welche er auf seinen Streifzügen , die er noch bisweilen ins Land hinab machte , zusammengerafft , eine seltsame Akademie um ihn , alle ernsthaften Torheiten der Welt in fast schauerlicher und tragischer Karikatur travestierend . Jeder derselben hatte seine bestimmte Tagesarbeit im Hauswesen . Durch diese fortlaufende Beschäftigung , die Einsamkeit und reine Bergluft kamen viele von ihnen nach und nach wieder zur Vernunft , worauf sie dann Rudolf wieder in die Welt hinaussandte und gerührt auf immer von ihnen Abschied nahm . In Friedrich entwickelte diese Abgeschiedenheit endlich die ursprüngliche , religiöse Kraft seiner Seele , die schon im Weltleben , durch gutmütiges Staunen geblendet , durch den Drang der Zeiten oft verschlagen und falsche Bahnen suchend , aus allen seinen Bestrebungen , Taten , Poesieen und Irrtümern hervorleuchtete . Jetzt hatte er alle seine Pläne , Talentchen , Künste und Wissenschaften unten zurückgelassen , und las wieder die Bibel , wie er schon einmal als Kind angefangen . Da fand er Trost über die Verwirrung der Zeit , und das einzige Recht und Heil auf Erden in dem heiligen Kreuze . Er hatte endlich den phantastischen , tausendfarbigen Pilgermantel abgeworfen , und stand nun in blanker Rüstung als Kämpfer Gottes gleichsam an der Grenze zweier Welten . Wie oft , wenn er da über die Täler hinaussah , fiel er auf seine Knie und betete inbrünstig zu Gott , ihm Kraft zu verleihen , was er in der Erleuchtung erfahren , durch Wort und Tat seinen Brüdern mitzuteilen . - Leontin dagegen wurde hier oben ganz melancholisch und wehmütig , wie ihn Friedrich noch niemals gesehen . Es fehlte ihm hier alle Handhabe , das Leben anzugreifen . - Eines Tages , da sie beide zusammen einen ihnen bis jetzt noch unbekannten Weg eingeschlagen und sich weiter als gewöhnlich von dem Schlosse verirrt hatten , kamen sie auf einmal auf eine Anhöhe zwischen den Bäumen heraus zu einer wundervollen Aussicht , die sie innigst überraschte . Mitten in der Waldeseinsamkeit stand nämlich ein Kloster auf einem Berge ; hinter dem Berge lag plötzlich das Meer in seiner schauerlichen Unermeßlichkeit ; von der andern Seite sah man weit in das ebene Land hinaus . Es schien eben ein Fest in dem Kloster gewesen zu sein , denn lange , bunte Züge von Wallfahrern wallten durch das Grün den Berg hinab und sangen geistliche Lieder , deren rührende Weise sich gar anmutig mit den Klängen der Abendglocken vermischte , die ihnen von dem Kloster nachhallten . Leontin sah ihnen stillschweigend nach , bis ihr Gesang in der Ferne verhallte und die Gegend in dämmernde Stille versank . Dann nahm er die Gitarre , die hier überall seine Begleiterin war , und sang folgendes Lied : » Laß , mein Herz , das bange Trauern Um vergangnes Erdenglück , Ach , von dieser Felsen Mauern Schweifet nur umsonst dein Blick ! Sind denn alle fortgegangen : Jugend , Sang und Frühlingslust ? Lassen , scheidend , nur Verlangen Einsam mir in meiner Brust ? Vöglein hoch in Lüften reisen , Schiffe fahren auf der See , Ihre Segel , ihre Weisen Mehren nur des Herzens Weh . Ist vorbei das bunte Ziehen , Lustig über Berg und Kluft , Wenn die Bilder wechselnd fliehen , Waldhorn immer weiter ruft ? Soll die Lieb auf sonn ' gen Matten Nicht mehr baun ihr prächtig Zelt , Übergolden Wald und Schatten Und die weite , schöne Welt ? - Laß das Bangen , laß das Trauern , Helle wieder nur den Blick ! Fern von dieser Felsen Mauern Blüht dir noch gar manches Glück ! « Beide Freunde wurden still nach dem Liede und gingen schweigend nebeneinander wieder nach dem Schlosse zurück . Die abgefallenen Blätter raschelten schon unter ihren Tritten auf dem Boden , ein herbstlicher Wind durchstrich den seufzenden Wald und verkündigte , daß die fröhliche Sommerzeit bald Abschied nehmen wolle . Sie schienen beide besondern Gedanken und Entschlüssen nachzuhängen , die sie an jenem Platze gefaßt hatten . Als der Mond die alten Zinnen des Schlosses beleuchtete , trat Leontin auf einmal reisefertig vor Friedrich . » Ich ziehe fort « , sagte er , » der Winter kommt bald , mir ist , als läge das ganze Leben wie diese Felsen hier auf meiner Brust , und ein Strom von Tränen möchte aus dem tiefsten Herzen ausbrechen , um die Berge wegzuwälzen ; ich muß fort , ziehe du auch mit ! « - Friedrich schüttelte lächelnd den Kopf , aber im Innersten war er traurig , denn er fühlte , daß sich ihr Lebenslauf nun bedeutend und vielleicht auf immer scheiden werde . Leontin