Offenherzigkeit veranlaßt , und ihren Wunsch , sich ganz zu erklären . Der Graf sagte , daß der Herzog sein Schwager sei , den er aber nach den Briefen von dessen Frau für einen sehr rechtschaffenen strenggesitteten Mann halte ; der Ring sei ein Geschenk von dessen Vetter , dem Marchese P ... - Sie erzählte darauf mit Achselzucken , daß sie an seiner Rechtlichkeit zweifeln müsse . - Sie gestand , daß der Herzog sie ihrem Falle sehr nahe gebracht , wenn nicht der Eintritt Florios , des Flötenspielers auf einmal ihre ganze Leidenschaft ergriffen und bestimmt hätte . Er ist der Sohn eines reichen Kaufmanns und kam aus Neugierde mit andern Handlungsdienern , die Maschine zu sehen ; Arnika erblickte ihn aus dem Nebenzimmer und konnte sich nicht enthalten , zu ihm so artig , so witzig zu reden , wie sie seit der Zeit in ernsten Leiden ganz verlernt . Florio wurde ganz von ihrer Stimme ergriffen ; gleich darauf trat Divina herein und ihre Schönheit ergriff ihn mit gleicher Stärke ; er konnte nicht los und seine Liebe schmeichelte ihm , beide wären eins , ein und dieselbe , weil die stumme Schönheit immer erst dann in das Fremdenzimmer kam , wenn der unsichtbare Verstand zu reden aufgehört hatte . - » Mein werter Freund « , unterbrach sich hier Arnika , » warum müssen sich doch oft Geist und Körper , deren Zusammenhang mit einander den Weisesten selbst unbegreiflich , im Leben so oft getrennt sehen und nach einander schmachten ; mit welcher Sehnsucht betrachtete ich oft die schönen Züge unsrer Divina und soll ich aufrichtig sein , ich hätte gern aufgehört , geistreich zu sein , hätte ich recht schön dadurch werden können . « - Der Graf sagte ihr ernsthaft , daß er es für frevelhaft halte , bei einer angenehmen Bildung nach Schönheit zu verlangen ; denn mit gleichem Rechte würde dann die Schönheit nach Dauer streben und überhaupt der einzelne nach allem . - » Sie haben recht « , antwortete Arnika , » aber ich habe wohl ein Recht , zu vermissen , wodurch ich so viel verloren ; und dann mußte ich es sagen , wenn ich Ihnen ein Lied Florios mitteilen wollte , das er mir leise in die silberne Trompete des Glaskästchens an einem schönen Frühlingsabende sang , und das so laut mit tausend Lebenswellen an meinem Herzen widerschlug , als schiffte es darauf in die goldene Abendruhe . Das Lied entrollte seinem Selbstgespräche , er wußte nichts davon , nachdem er wohl zwei Stunden neben der stummen Divina gesessen , ohne es zu wagen , Liebe zu gestehen , ungeachtet er mit dem festen Entschlusse dazu angekommen . Die Uhr der Liebe Wie die Stunden rennen Mir an Liebchens Seit , Auf der Zunge brennen Lieb und Heimlichkeit ; Soll ich ihr bekennen , Was im Herzen brennt , Und wie soll ich nennen , Was sie noch nicht kennt ? Herz sei doch zufrieden , Sie still anzusehn , Würden wir geschieden , Müßtest du vergehn ; Schweige , noch hienieden Ward es nicht so schön , Daß in sel ' gem Frieden Zweie sich ansehn . Die Wonne meines Gefühls , überschwenglich wie nimmer wieder , mußte sich Luft machen ; ich sang ihm leise durch die Trompete zu , immer in dem Wahne , mir allein sei seiner Liebe Feuer gewonnen : Wie die Stunden schleichen Fern von ihm verbracht , Gib ein einzig Zeichen , Sternenhelle Nacht , Gib ein einzig Zeichen , Ob er wieder liebt , Frühling will verstreichen Und kein Zeichen gibt . Und die Sterne lachen Mich zum Hohne an , Und der Mondennachen Mir nicht helfen kann ; Ruhlos treibt der Nachen Durch die Sterne hin , Herz , auch du mußt wachen , Schlafen wär Gewinn . Herz , du könntest träumen Eine Fahrt so schön , Sähst zu sel ' gen Räumen In der Nacht Getön ; Nachtigall auf Bäumen , Dich versteh ich nun , Willst das Feld nicht räumen , Kannst darin nicht ruhn . « Kaum hörte Florio diese leisen Verse der Arnika zu Ende , rief er seine Liebe so laut aus , daß sie schaudernd davor erschreckte und ohne sich halten zu können , aus dem Nebenzimmer , wo sie immer verborgen gewesen , in die Versammlung und um den Hals Florios stürzte , wo sie halbohnmächtig liegen blieb . Florio taumelte ; es war die Stimme , die er liebte , aber nicht die Gestalt , nicht Divina , und wäre sie schöner gewesen , es war nicht Divina ; aber nur einmal kann dem Menschen diese Fülle der Liebe werden , er konnte sich ihr nicht offenbaren in diesen heiligen Augenblicken gänzlicher Hingebung , er hätte sie getötet . Aber nur diesen Abend konnte sich ihr scharfer Blick täuschen , sich ganz geliebt zu glauben ; er wollte sie ganz lieben , der stille Zwang in ihm wurde zu einem festen Eigensinne , ja zum Wahnsinne , ihr nie einzustehen , was sie bald lebendig fühlte . Der Schmerz über diese harte Scheidung des Schicksals , vielleicht auch schon früher die Veränderung ihrer anstrengenden Lebensweise als Kunstreiterin mit dem eingezognen Stubensitzen als unsichtbares Mädchen , nagten an der Rose ihrer Wangen . Der Herzog , besorgt um sie , wollte sie in andre Luft führen ; Florio reiste ihnen nach und flehte so lange , bis der Herzog ihm erlaubte mit zwei Maschinen , die er erfunden , einer fressenden Ente und einem scheinbaren Flötenspieler , der den Grafen den Abend getäuscht hatte , während Florio selbst im Nebenzimmer die Flöte blies , den wunderlichen Zug zu vermehren . Der Herzog aber , der sich von diesen sonderbaren Verhältnissen ein eignes Vergnügen erwartet hatte , fand jetzt nur langweiliges Sehnen in der Gesellschaft . Die dumme Divina fing an , den Florio ebenfalls lieb zu gewinnen : so kam ihr die Sprache , aber welche Sprache , welche