vor der Gesellschaft und hatt ' ihn früher umarmt als er sie . Wie gern sah er ins bekannte redliche Angesicht ! Mit Tränen hört ' er den Namen Bruder , da er heute eine Schwester verloren ! - - Die Ursache ihrer Erscheinung war diese : als der Direktor das letztemal bei der Ministerin war , hatte diese mit leichter verdeckter Hand seiner Tochter » zur Kenntnis des leeren Stadtlebens und zur Veränderung « - ihr Haus geöffnet , um künftig an seines für ihre klopfen zu dürfen . Er sagte , » er spedier ' ihr den weiblichen Wildfang mit Freuden « . Und da ihm in Blumenbühl Rabette Nein , dann Ja , dann Nein , dann Ja geantwortet und sie mit der Mutter noch vor Mitternacht eine Reichskammergerichts-Revision , einen Münzprobations-Tag über alles gehalten hatte , was ein Mensch vom Land anziehen kann in der Stadt : so packte sie dort auf und hier - ab . » Ach ich fürchte mich drinnen , « ( sagte sie zu Albano ) » sie sind alle zu gescheut , und ich bin nun so dumm ! « - Er fand außer dem Familienkleeblatt noch die Prinzessin und die kleine Helena aus Lilar , dieses schöne Medaillon eines schönen Tages für sein gerührtes Herz . Unbeschreiblich ergriff ihn Lianens weibliche Annäherung an Rabette , gleichsam als teil ' er sie mit ihr . Mit Leutseligkeit und Zartheit kam die Milde , die ohne Falsch und Stolz war , der verlegnen Gespielin zu Hülfe , auf deren Gesicht die angeborne lachende und beredte Natur jetzt sonderbar gegen den künstlichen Stummen-Ernst abstach . Karl war mit seiner gewandten Vertraulichkeit mehr imstand , sie zu umstricken als loszuwickeln ; bloß Liane gab ihrer Seele und Zunge schon durch den Stickrahmen freies Feld ; Rabette schrieb mit der Sticknadel zwar keine Zier- und Anfangsbuchstaben , aber doch eine gute Kurrenthand . Sie gab - das Gesicht gegen das brüderliche gewandt , um Mut davon zu holen - von dem gefährlichen Wege und Umwerfen einen deutlichen Bericht und lachte dabei , nach der Sitte des Volks , wenn es sein Unglück erzählt . Der Bruder war ihr auf Kosten der Gesellschaft selber die Gesellschaft und die Welt ; nach ihm allein strömte ihre Wärme und Rede hin . Sie sagte : sie könn ' ihn aus ihrer Stube » klavieren « sehen . Liane führte beide sofort darein . Wie reich und erhaben über Rabettens Ansprüche ans Stadtleben war das jungfräuliche Hospitium ausgestattet , von der Tulpe an - keiner blühenden , sondern einem Arbeitskörbchen von Liane , wiewohl jede Tulpe eines für den Frühling ist - bis zum Klavier , von dem sie gegenwärtig freilich nicht mehr verbrauchen kann als sieben Diskanttasten für einen halben Walzer ! Fünf mäßige Kleiderkästen - denn damit glaubte sie auszukommen und der Stadt zu zeigen , daß auch das Land sich kleiden könne - stellten ihm in ihren wohlbekannten Blumenstücken und Blechbändern gleichsam die alten Drucke ( Inkunabeln ) der ersten Lebenstage vor ; und heute erquickte ihn jede Spur der alten Liebes-Zeit . Sie ließ ihn seine Fenster suchen , aus deren einem der Bibliothekar einen soliden Blick auf einen Gassenstein heftete , um ihn immer zu treffen mit Anspucken . Hier einsam neben dem Bruder sagte Liane der Schwester das Wort der Freundschaft lauter und versicherte , wie sie sie erfreuen wolle und wie gut und wahr sie es mit ihr meine . O sehet in die Flamme der reinen religiösen schwesterlichen Liebe mit keinem gelben Auge des Argwohns ! Fasset ihr nicht , daß diese schöne Seele eben jetzt ihre reichen Flammen zerteile für alle Schwesterherzen , bis die Liebe sie zusammendrängt in eine Sonne , wie nach den Alten die zerstreueten Blitze der Nacht am Morgen sich zu einer dichten Sonne sammlen ? - Sie war überall Auge für jedes Herz ; wie eine Mutter vergaß sie nicht einmal die Kleine über Große ; - und sie goß - keiner streiche mir dieses kleine Beispiel weg - der kleinen Helena die Tasse Kaffee , die der Doktor verbot , halb voll Sahne , damit er ohne Kraft und Nachteil sei . Die ungeduldige Prinzessin hatte schon zehnmal nach dem Himmel geschauet , durch welchen bald Lichtstrahlen , bald Regensäulen flogen - bis endlich aus dem verzehrten Wolkenschnee das Blau in weiten Feldern wuchs und Julienne die erfreueten jungen Leute in den Garten zum Anstoß der Ministerin entführen konnte , die ungern Lianen dem Serein , fünf oder sechs Abendwind-Stößen und dem Waten durch das 1 / 19 Linie hoch stehende Regenwasser aussetzte . Sie selber blieb zurück . Wie war alles drunten so neu geboren , widerscheinend und liebkosend ! Die Lerchen stiegen aus den fernen Feldern wie Töne auf und schmetterten nahe über dem Garten - in allen Blättern hingen Sterne , und die Abendluft warf das nasse Geschmeide , die zitternden Ohrrosen aus den Blüten in die Blumen herab und trieb süße Düfte den Bienen entgegen . Die Idylle des Jahrs , der Frühling , teilte sein holdes Schäferland unter die jungen Seelen aus . Albano nahm die Hand seiner Schwester , aber er hörte mühsam auf ihre Berichte vom Hause . Liane ging mit der Prinzessin weit voraus und labte sich am offnen Himmel der Vertraulichkeit . Plötzlich stand Julienne mit ihr scherzend still , um den Grafen heranzulassen und zu fragen nach Briefen von Don Gaspard und nach Nachrichten von der Gräfin Romeiro . Er teilte mit erglühendem Gesicht den Inhalt des heutigen mit . In Juliennens Physiognomie lächelte fast Neckerei . Auf die Nachricht von Lindas Reise versetzte sie : » Daran erkenn ' ich sie ; alles will sie lernen - alles bereisen . - Ich pariere , sie steigt auf den Montblanc und in den Vesuv . Liane und ich nennen sie darum die Titanide . « Wie freundlich hörte diese zu , mit den Augen ganz auf der Freundin ! » Sie kennen sie