halb verwundert , halb spöttisch auf und trat unwillkürlich der Staffelei näher , als gelte es , profane Blicke von diesem Lieblingskind abzuwehren . » Ein ungeratenes ! « grollte die Baronin in unbeschreiblicher Erbitterung . » Frage Adelheid – « » Wie – eine Kunstkritik aus diesem Munde ? Du wirst begreifen , daß ich sie mir ganz entschieden verbitte ! « rief er mit vernichtendem Hohn , und sein Auge heftete sich durchbohrend auf die Stiftsdame , die sofort herangerauscht kam . Diese zwei Menschen waren Todfeinde , die sich im Grund ihrer Seele gegenseitig verabscheuten – davon zeugten die Blicke , mit denen sie sich maßen . » Bilden Sie sich nicht ein , Baron Schilling , daß ich mich je anstrenge , in die Technik Ihrer Kunst einzudringen – ich fühle mich zu anderem berufen , « sagte sie kalt – es waren die ersten Worte , die sie zu ihm sprach , seit er in das Atelier getreten war . Dieses dröhnende , sonore Frauenorgan klang machtvoll wie eine Predigerstimme an den Wänden hin . » Ich habe für die Korrektheit der Linien und die Schönheit des Kolorits wenig Verständnis ; es fesselt mich die bildliche Darstellung im Ausdruck , wie in ihren Motiven überhaupt sehr selten – nur eine verderbliche Tendenz , die der Pinsel zu verewigen sucht , vermag mich zu erregen ... Diese Abtrünnige hier « – sie zeigte auf die Gestalt der greisen Hugenottin – » trägt die Märtyrerglorie – « » Mit allem Recht . Oder soll ich dem Glaubensfanatismus einer Stiftsdame zuliebe die Weltgeschichte fälschen ? « » Als ob das nicht bereits die offenbarste Fälschung sei ? « rief sie , den Arm gegen das Gemälde ausstreckend , in ausbrechender Leidenschaftlichkeit . – » In jener heiligen Nacht , die man die Bartholomäusnacht nennt , war jede Hand , die die Waffe auf ein Hugenottenherz richtete , die strafende Hand Gottes selbst – « » Bitte , Fräulein von Riedt , – ich dulde nie , daß in dieser meiner stillen Werkstätte der Konfessionshader laut werde . « » Und entfesseln Sie ihn denn nicht selbst in geradezu verbrecherischer Weise ? ! « Er lachte hart und verächtlich auf . » Ach ja , in unserer Zeit ist jeder Künstler , jeder Denker ein Verbrecher , sobald er nicht vertuscht , sondern an der Wahrheit festhält und das wahrhaft Gute und Edle will – man beschuldigt ihn der aufdringlichen Tendenz , mag er sie gewollt haben oder nicht ... Aber ich habe bereits erklärt , daß ich mir Ihre kritischen Bemerkungen entschieden verbitte , mein Fräulein ! – Wo es Ihnen gelingt , den Fuß hinzusetzen , da wurzelt er auch sofort fest , wie eine verderbliche Schlingpflanze , und das Terrain ist erobert ! Auf diese Weise haben Sie sich in meinem Hause eingenistet und einen Frauenwillen unterjocht , der sonst an Starrheit nichts zu wünschen übrig läßt . Von diesem Gebiet habe ich mich zurückgezogen – ich überlasse es Ihnen . Ich mag keinen Besitz , den ich täglich , stündlich immer wieder dem bis zum Wahnwitz gesteigerten Fanatismus abringen muß ! Aber hier , um das edle Antlitz meiner Kunst , meiner Heiligen , der unermüdlichen Trost- und Freudenspenderin , sollen wir die Nachteulen und Fledermäuse ganz gewiß nicht flattern – « » Arnold ! « – Die Baronin stürzte auf ihn zu und ergriff mit beiden Händen den Arm des Sprechenden – es lag eine unbeschreibliche Angst in ihren Zügen . » Widerrufe , Arnold ! Du willst nicht sagen , daß du deine Kunst über dein Weib stellst , nein , das willst du nicht sagen ! « Er stand unbeweglich ; nur seine Augen streiften im ersten Moment hastig über die zwei hageren Hände , die seinen Arm umklammerten , als verlange es ihn , sie von sich zu schütteln . » Ich habe gesagt , was wahr ist , « versetzte er kalt . » Ich habe sie erwählt ! Sie zeigt und führt uns nach oben , – nie reißt sie mich hinab und zwingt mich , in die verhaßten dunklen Schlupfwinkel zu blicken , als da sind Verstellung , Lug und Trug , Herrschsucht und boshafte Laune in der weiblichen Seele . Nie hat sie sich als treulos erwiesen – « » War ich dir nicht treu ? « fuhr die Baronin auf . » Du pflegst eine Freundschaft gegen meinen Wunsch und Willen , die Unfrieden und Hader in unsere Ehe getragen hat . « Er zeigte auf die Stiftsdame , die mit untergeschlagenen Armen , die Lippen fest geschlossen , und kühne Herausforderung auf der Stirn , unverwandt die Augen auf ihn gerichtet hielt . – » Sie mag es widerlegen , wenn ich dich beschuldige , den Namen deines Mannes fort und fort durch gehässige Anklagen und Mitteilungen verunglimpft zu haben ! « Die Stiftsdame schwieg – sie war jedenfalls nicht fähig zu lügen . » Sind Sie so fehl- und sündenlos , daß Sie über jeder Anklage zu stehen vermeinen ? « fragte sie nach einem augenblicklichen Zögern ausweichend . Ein verächtliches Lächeln glitt über sein Gesicht . » Das sprach die Diplomatin , der gutgeschulte Klostersendbote ... Ich bin nicht fehl- und sündenlos – die Schillings sind gesunde Erdgeborene – und ich kann das Blut meiner Vorfahren nicht verleugnen . Sie waren samt und sonders keine lammfrommen , unterwürfigen Ehemänner – ich glaube nicht , daß wir auch nur einen einzigen Pantoffelhelden zu verzeichnen haben . Diese Unlenksamkeit mag mancher Schillingschen Ehefrau ein Dorn im Auge , ein Stein im Wege gewesen sein ; allein sie hat das stillschweigend verwunden , denn die Annalen unseres Hauses nennen nicht eine Treulose , die durch bösartigen Klatsch hinter dem Rücken ihres Mannes seine Ehre angegriffen hätte . « Er ging nach der Tür , durch welche er vorhin in das Atelier zurückgekehrt war , und öffnete sie weit ; dann verbeugte er sich leicht gegen die