sie unbehindert durchführte . Sie gab der Welt frohlockend das seltene Schauspiel der schönen Gewalt und der gewaltigen Schönheit , die da mit sich fortreißt wie die Windsbraut , was an ihrem Wege liegt , jede Blume entblättert , jeden jungen Stamm entwurzelt und , wenn sie ihn einen Augenblick getragen , zerschmettert hinwirft . Ein erhabenes Schauspiel ! bei dem die Walkyren in den Lüften jauchzen und der kleine Sinn sich bebend kreuzigt . Jede zerstörende Naturkraft – und dieses Weib war eine solche – hat eine schauerliche Poesie für den in Sicherheit geborgenen Zuschauer . Er bewundert , was er fürchtet , er weidet sich an dem Anblick dessen , was er als verderblich kennt . So verhielt sich auch die Einwohnerschaft der kleinen Stadt N * * * gegen die schöne Russin , seit sie mit ihrem kranken Gemahl dort ankam und ihr wildes Wesen trieb . Sie war für die deutschen Kleinstädter eine unerhörte Erscheinung , über die man sich nie beruhigen konnte , über die man beständig die Hände rang . Wenn aber das herrliche Weib auf seinem Renner durch die Straßen galoppierte , oder mit fester Hand seine vier nebeneinander gespannten Rosse lenkte , wie eine Viktoria auf dem Siegeswagen , dann konnte man sich doch nicht enthalten , an die Fenster zu stürzen , um den wundervollen Anblick zu genießen , und wer das einmal gesehen , der vergaß es nicht mehr . Kraft , Gesundheit , Schönheit schienen ihre Monopole und die festen Grundlagen ihres Glücks . „ Wer emanzipiert will sein , muß das Zeug dazu haben “ , pflegte sie zu sagen . „ Da es aber so Wenigen zu Teil ward , gibt es auch so wenige Emanzipierte . Wer es dem Manne nicht gleich tun kann , der soll sich ihm auch nicht gleich stellen wollen . Wer aber im Eise der Newa getauft ist , wie ich – der kann den ganzen Troß mit seinem Hochmut verlachen . “ In Rußland , wo sie in einer weniger gewissenhaften Gesellschaft eine Rolle spielte , boten ihr die von dem russischen Adel veranstalteten Reiterkaroussels besondere Gelegenheit , ihre Kraft und Gewandtheit in ritterlichen Übungen zu zeigen . Sie erschien dann meistens als Ischerkessin , 54 den stählernen Helm auf dem Kopf , im eng anschließenden , von Silberdraht geflochtenen Panzerhemd , das in der sonnenhell erleuchteten Reitschule sie mit einem strahlenden Glanz umgab . Und wenn sie so , den krummen Ischerkessensäbel an der Seite , die Pistolen im Gürtel , auf ihrem arabischen Hengste mit der flatternden Mähne in die Schranken ritt – da empfing sie ein nicht zu hemmender Beifallssturm . Sie wetteiferte mit den ritterlichsten Söhnen des moskowitischen Adels an Grazie und Leichtigkeit , mit der sie ihren Rappen tummelte , an Sicherheit , mit der sie die aufgestellten Türkenköpfe herabschloß , und an Kühnheit , mit der sie über die Barrièren setzte . – sie kannte keine Schwierigkeit und keine Furcht . Sie hatte die Gestalt und Kraft einer nordischen Gottheit und die wilde Glut einer Orientalin , was Wunder , daß vom Kaiser an bis zum letzten Leibeigenen herunter alles ihr bewundernd zu Füßen lag . Ihr Vater Alexei Fedorowitsch war ein armer , gänzlich roher Edelmann , der sich in den russischen Kämpfen gegen Napoleon durch Tapferkeit ausgezeichnet hatte und , nach einer schweren Verwundung invalid geworden , seine Pension auf dem Lande verzehrte . Eine kränkliche Aristokratin , die sich in Ermangelung von etwas Besserem zu ihm herab gelassen hatte , war die Verzweiflung seines Lebens gewesen . In der Erbitterung über die Plage , welche ihm die Gebrechlichkeit , Empfindsamkeit und Verzärtelung seiner Frau bereitete , tat er , als diese ihm ein Kind gebar , den Schwur , es im strengsten Gegensatze zu ihr zu erziehen . Lieber sollte es nicht leben , als ein Krüppel werden wie seine Mutter . Und den Anfang machte er damit , sein Töchterchen gleich den Kindern der gemeinen Stockrussen an Ostern im Eise der Newa taufen zu lassen . Die kleine Feodorowna hielt die Eisesprobe aus und dem entsprechend war die ganze Erziehung . Ihre Mutter starb wenige Tage nach dieser grausamen Taufe , die Angst um ihr Kind hatte der Kranken den letzten Stoß gegeben . So war der rauhe , ungebildete Vater Feodorownas einziger Lehrmeister und Pfleger . Er liebte sie in seiner Art und machte sie zur Genossin aller seiner männlichen Vergnügungen , wie Reiten , Pferde bändigen , Jagen und dergleichen mehr . Als sie kaum das sechzehnte Jahre erreicht , verheiratete er sie an einen reichen Gutsbesitzer der Gegend , der noch roher und geistloser , als er selbst , und für das Mädchen ein Gegenstand des Abscheus war . Als dessen Frau lebte sie auf einem einsamen Gute wie eine Leibeigene . Der Gatte war grausam , mißtrauisch und machte ihr die Ehe zur Hölle . Ihren wilden Gewohnheiten , an denen ihr junges Herz mehr hing als an irgend etwas in der Welt , mußte sie entsagen . Jede Ausgelassenheit , auch die harmloseste , war seiner mürrischen Gemütsart zuwider . Das lebenslustige Wesen , welches gewöhnt war , auf mutigem Renner über Steppen und Haiden dahinzufliegen , durfte kein Pferd mehr besteigen , mußte mit den Mägden beim trüben Tranlicht sitzen und spinnten oder Pilze putzen , bis der Gatte heimkam , um ihre stets verweigerten Zärtlichkeiten , wenn nötig sogar mit dem Kantschu , einzufordern . Ein Jahr ertrug sie diese Martern schweigend . Endlich vertraute sie sich einigen der benachbarten Edelleute an und bat um Hilfe in ihrer Not – doch sie fand keine Teilnahme , keinen Beistand . Man nannte sie verblümt eine Närrin , die ihr Glück nicht zu schätzen wisse , nannte den Gedanken an Scheidung ein Verbrechen und gab ihrem Manne vollständig Recht . In dieser Einsamkeit und Verlassenheit trugen Durst nach Liebe , und war es auch nur die ihres alten Vaters , Sehnsucht nach Freiheit und der