Hirn denkt , obgleich ich überzeugt bin , daß er über alles , was das Herz empfindet , schweigt . Schmiegsam und beweglich , ist er gewiß nicht dazu bestimmt in die ewige Schweigsamkeit des Alleinseins hineingezwängt zu werden ; es ist ein Mund , der viel sprechen und oft lächeln sollte und eine warme Zuneigung für denjenigen hegen müßte , mit dem er spricht , dem er zulächelt . Jener Zug Ihres Gesichts ist ebenfalls günstig . » Gegen einen glücklichen Ausgang sehe ich nur einen einzigen Feind , und das ist die Stirn . Sie scheint zu sagen : » Ich vermag allein zu leben , wenn Selbstachtung und die Umstände von mir verlangen , daß es so sei . Ich brauche meine Seele nicht zu verkaufen , um Glück zu erkaufen . Ich besitze einen Schatz in meinem Innern , einen Schatz , der mit mir geboren wurde , der mich am Leben erhalten wird , wenn jedes fremde Glück mir fern bleiben sollte oder mir nur um einen Preis geboten wird , den ich nicht zu zahlen vermag . « Die Stirn erklärt weiter : » Meine Vernunft sitzt fest und hält die Zügel und sie wird nicht gestatten , daß die Gefühle sie fortreißen und in einen Abgrund stürzen . Die Leidenschaften mögen wild toben , Heiden wie sie sind ; und die Wünsche mögen allerlei eitle Dinge herbeisehnen – aber dennoch soll die Vernunft in jeder Streitfrage das letzte Wort behalten und die entscheidende Stimme bei jeder Beschlußfassung , Stürme – Erdbeben und Feuersbrunst mögen hereinbrechen , – ich werde dennoch mich stets der Führung jener leisen , schwachen Stimme anvertrauen , welche die Eingebungen des Gewissens zu deuten sucht . « » Gut gesprochen , Stirn ; deine Erklärung soll geachtet werden . Ich habe meine Pläne gemacht – ich glaube , daß es ehrliche und gerechte Pläne sind – und bei ihrer Ausarbeitung habe ich auf die Stimme des Gewissens , die Ratschläge der Vernunft gehorcht . Ich weiß , wie bald die Jugend schwindet und die Schönheit schwindet , wenn in dem Kelche , welchen das Glück uns bietet , auch nur ein Tröpfchen von Schande , ein Hauch von Gewissensqualen geträufelt ist ; und ich will keine Opfer , keinen Kummer , keine Zerstörung – das ist nicht nach meinem Geschmack , Ich will wohlthun , ich will erhalten – aber nicht vernichten – ich will Dankbarkeit ernten – nicht blutige Thränen auspressen , nicht einmal salzige . Ich will Lächeln , Liebkosungen , süße Worte ernten . – Nun ist ' s genug ! Ich glaube , ich tobe in einem köstlichen Delirium , Ich möchte diesen Augenblick bis in die Ewigkeit verlängern , aber ich wage es nicht . Bis zu diesem Moment ist es mir gelungen , mich zu beherrschen . Ich habe gehandelt , wie ich mir innerlich geschworen hatte , handeln zu wollen – was aber jetzt kommt , geht über meine Kräfte . Stehen Sie auf Miß Eyre , stehen Sie auf ! Verlassen Sie mich ! Das Spiel ist zu Ende gespielt ! « Wo war ich ? Wachte ich oder träumte ich ? Hatte ich das alles nur im Schlafe gehört ? Träumte ich noch immer ? Die Stimme der alten Frau war plötzlich verändert . Ich kannte ihre Sprache und ihre Bewegungen ebenso gut , wie ich mein eigenes Gesicht im Spiegel wieder erkannte – wie die Sprache meiner eigenen Lippen , Ich erhob mich , aber ich ging nicht . Ich sah sie an , dann rührte ich in den Kohlen , und nun blickte ich sie wieder an . Aber sie zog den Hut und die Binde noch tiefer ins Gesicht und gab mir wiederum das Zeichen , mich zu entfernen . Die Flammen des Kamins warfen ihren Schein auf die ausgestreckte Hand ; auf meiner Hut wie ich war , und fortwährend darauf bedacht , Entdeckungen zu machen , bemerkte ich augenblicklich diese Hand . Es war ebensowenig das welke Glied einer alten Frau wie meine eigene Hand es war : sondern eine runde , weiche , schön und kräftig geformte Hand ; ein kostbarer Ring blitzte an dem kleinen Finger , und indem ich mich verbeugte und den Edelstein betrachtete , erblickte ich ein Juwel , das ich schon hundertmal bemerkt hatte . Wiederum sah ich zu dem Gesicht empor , das nicht mehr von mir abgewandt war – im Gegenteil , der Hut war fortgeschleudert , die Binde zurückgeschoben – der Kopf neigte sich mir zu . » Nun , Jane , kennen Sie mich ? « fragte die teure , mir so wohlbekannte Stimme . » Nehmen Sie nur den roten Mantel ab , Sir , dann werde ich wohl – – « » Das Band hat sich zu einem festen Knoten verschürzt – helfen Sie mir . « » Zerreißen Sie es nur , Sir . « » Wohlan denn – fort mit dem Mummenschanz ! « Und Mr. Rochester warf seine Verkleidung von sich . » Aber Sir , welche seltsame Idee von Ihnen ! « » Indessen gut durchgeführt , nicht wahr ? Stimmen Sie mir nicht bei ? « » Mit den Damen ist Ihnen das Spiel gut gelungen . « » Mit Ihnen nicht ? « » Mir gegenüber hielten Sie den Charakter der Zigeunerin nicht inne . « » Welchen Charakter denn sonst ? Meinen eigenen ? « » Nein ; irgend einen , der mir unverständlich . Kurz und gut , ich glaube , daß Sie versucht haben , mich anzulocken oder vielmehr etwas aus mir heraus zu locken . Sie redeten Unsinn , um mich ebenfalls gedankenloses Zeug sprechen zu lassen . Das war nicht schön von Ihnen , Sir . « » Können Sie mir vergeben , Jane ? « » Das weiß ich nicht , bevor ich nicht über die ganze Sache nachgedacht habe . Wenn ich nach reiflicher Überlegung eingesehen , daß ich keine