Lippen ; » auf den Hügeln und Feldern um Florenz steht jetzt alles voll bunter Blumen , « fuhr sie langsam fort , die Hände um die Knie gefaltet , und sah ins Weite . Ein aufheulender Windstoß antwortete ihr . Sie schwiegen . Räder rollten schwer über den Hof . Pferdegestampf - Peitschengeknall . Dann Stimmen - die Konrads zuerst - eine fremde dann . Aber Norina war viel zu müde , als daß sie hätte hinausgehen und aus dem Flurfenster blicken mögen . Dann hörte sie noch ein Hämmern - wie von der Kapelle herauf - » Das Bild ? ! « rief sie Konrad voll freudigen Verstehens entgegen , als er nach geraumer Zeit zur Türe hereintrat . Er nickte lächelnd . » Dann - « und ihre Finger schlangen sich wie zum Gebet ineinander , » ist alles bereit für mein Kind ! « In der Kapelle brannten viele gelbe Kerzen , aber es schien , als zöge das Bild auf dem Altar alles Licht an sich , um dann wie durch sich selbst allein zu leuchten . Die wundervolle mütterliche Frau in dem schimmernden weißen Hemd , das die vollen nährenden Brüste ahnen läßt , dem schweren blauen Mantel darüber , der den breiten Schoß , die kraftvollen Knie deckt , ohne sie zu verhüllen , erfüllte den ganzen Raum in ihrer einfachen , beherrschenden Größe . Konnte sie in anderer Umgebung noch Maria sein , hier war ganz und allein Demeter - das Kindlein auf dem Schoß nichts als ein Symbol ihrer Fruchtbarkeit . Norina sprach kein Wort ; ihre Augen begegneten sich mit der Allmutter stillem , großem Blick . Sie fühlte ihn , wie sie keines Priesters Segen gefühlt haben würde . Dann erst sah sie die Menge der bunten Frühlingsblumen , deren Duft sich mit dem der Kerzen zu süßen Opfergerüchen mischte . Der ganze Altar war bedeckt mit ihnen . » Fiorenze , « flüsterte Norina , ihr Antlitz tief in die blühende Fülle pressend . Tränen hingen ihr in den Wimpern , als sie es wieder hob . » Du weinst ? ! « Konrad schlang besorgt den Arm um sie . Sie lächelte : » Vor Freuden . « » Und du fragst nicht einmal nach dem Künstler , dem wir dies Werk verdanken ? « meinte Konrad lächelnd , als sie die Kapelle verließen . » Die Kopie ist so glänzend , daß sie den Kopisten vergessen macht , « entgegnete sie , » immerhin : wer ist ' s ? « » Vittorio Tenda . « Überrascht blieb Norina stehen . » Vittorio Tenda ? ! « wiederholte sie und fügte mit dem Ton aufrichtigen Bedauerns hinzu : » Also ist er doch kein großer Künstler geworden ! « Fragend sah Konrad sie an . » Wer in einer Kopie mit keinem Strich sich selbst verrät , « erklärte sie , » kann doch ein Eigener nicht sein ! « » Vielleicht hast du recht , « sagte er , » aber ihm selbst mußt du es nicht verraten . « » Ihm selbst ? ! « Es klang wie ein Schrei . » Er bat mich , da er sowieso nach Berlin zu reisen gedachte , das Bild persönlich überbringen zu dürfen . « Sie betraten die Halle ; aus einem der tiefen Lederstühle erhob sich die Gestalt eines Mannes . Norina fuhr zusammen , den Fremden anstarrend wie eine Erscheinung , während sie sich schwer auf Konrads Arm stützte . » Kennst du ihn nicht mehr , Norina ? « sagte dieser , » Vittorio Tenda , der für dich Demeter-Maria malte . « Der Fremde verbeugte sich . Mit einem scheuen , flüchtigen Blick sah sie ihn an und schüttelte kaum merklich den Kopf . » Sie glauben mir nicht , gnädige Frau ? « klang eine Stimme wie der tiefe Alt einer Frau . » Ich danke Ihnen , « sagte sie mit einem leichten Neigen des Hauptes und wandte sich der Pforte zu . Konrad , erstaunt über ihre ablehnende Kühle , hielt sie sanft zurück . » Auch die Blumen , die dich so entzückten , sind von ihm , « erklärte er in zuredend-eindringlichem Tone . » Von Ihnen , wirklich von Ihnen ? « rief sie aus , und ihre Hand , weiß leuchtend im Kerzenlicht , streckte sich ihm entgegen . » Ich bin derselbe , ganz derselbe , der sie Ihnen einst gepflückt , dem Sie erlaubten , sie Ihnen zu schenken , « sagte er mit dem vollen Pathos des Italieners , der jedem Worte durch den Ton erst den Sinn verleiht . Dabei zog er ihre Hand sehr langsam an seine vollen , roten Lippen . Mit der Geste einer Königin ging sie an ihm vorüber , ohne ein weiteres Wort mit ihm zu wechseln . Am Abend bat sie den Gatten , auf ihrem Zimmer speisen zu dürfen . » Ich vertrage fremde Menschen nicht mehr , « sagte sie , beide Arme um seinen Hals legend , mit einem freien Blick in sein Gesicht ; » laß mich diese Tage ganz allein mit dir sein . « » Aber Abschied wird er doch von dir nehmen dürfen ? « meinte Konrad voll zärtlichen Dankes für dies Zeichen ihrer Liebe . » Abschied ? ! « sie atmete wie erleichtert auf . » Er mag kommen ! Ich fürchtete schon , du hieltest ihn länger zurück . « » Wie könnte ich ? ! « Und er küßte sie zärtlich auf die Augen , » wo wir - seiner warten , der uns vollenden soll ! « » Zur Dreieinigkeit , « ergänzte sie leise . Als Vittorio Tenda in ihr Zimmer trat , saß sie am Kamin , die schmalen Füße dicht an der Flamme . » Wie Sie frieren müssen ! « sagte er , lebhaft auf sie zutretend , statt aller Begrüßung . Sie zog die Füße zurück , warf