hat der hochwürdige Herr Franzikop meinen Erbrechterbrief gesiegelt . Jetzt bin ich wer . Und kann mitreden . « Ernst sagte Malimmes : » Gott soll dir ' s geben , daß es bleibt ! « Er dämpfte die Stimme . » Sei fürsichtig , Bruder ! « » Es wird schon bleiben ! « nickte Mareiner mit ruhiger Heiterkeit . » Ich hab ein Zeichen . Krieg ist ein schieches Ding . Aber hinter dem Mist wachsen Blumen . Weißt , im reichen Hall drüben , im Geläger , da hat man Zeit gehabt und ist allweil beieinander gewesen . Und viel gebetet hat die Meinig auch . Da hat sich der heilig Zeno gnädig erwiesen . Jetzt weiß ich , warum ich Erbrechter bin . « Mareiner lachte froh . » Ich mein ' das gibt einen Buben . Bei uns im Haus hat ' s allweil Buben gegeben . « Ein Söldner des heiligen Zeno befahl dem Bauer : » Geh schanzen ! Oder du kriegst einen Merk . « » Ich geh schon , Mensch ! « sagte Mareiner freundlich . » Ich bin ein Williger und tu , was Recht ist . « Mit frohen Augen grüßte er den Bruder und gaukelte auf dem schwankenden Baum über den Bach hinüber . Als Malimmes den Gaul wandte , sah er , daß der Fürmann der Harnischreiter leis mit dem Sergeanten der Burghausener Spießknechte schwatzte . Die beiden wurden stumm , als sie merkten , daß sie dem Bauernsöldner auffielen . Im Weiterreiten fragte Malimmes : » Was hast du getuschelt mit dem ? « Der andere lachte . » Blas nit , was dich nit brennt ! « » Recht hast ! « murrte Malimmes . » Viel Feuer ist , von dem ein Stank aufgeht . Blast man hinein , so wird ' s noch ärger . « Er sah über den rauschenden Bach zum anderen Ufer hinüber , wo der glückliche Mareiner fleißig zimmerte . » Harnischer ? Weißt du , was Glück ist ? « » Was man im Sack hat . « » Nit wahr ist ' s ! Glück ist , was man glauben kann . « Das Wort spann sich weiter in den Gedanken des Malimmes . Immer sah er die frohen Augen des Bruders . Der glaubte ! Sein Erbrecht , sein Weib , sein keimendes Kind . Für den Mareiner gab es was anderes nimmer . Alles Gewesene war versunken für ihn . Keine Frage um die Landsnot , keine Frage nach dem Runotter ! Was ging den glücklichen Mareiner das Elend des Runotter an ? Da droben auf dem grünen Hügel lag das Grab des Jakob ; ein mächtiger Aschenhaufen mit schwarzen Balkenstrünken . Wie finstere Riesenhände mit gespreizten Rußfingern ragten die verkohlten Ulmen in das schöne Blau des Himmels . Kleine Vögel flatterten vergnügt um die schwarzen Äste . Und auf dem Aschenhügel keimte schon wieder das Grün , Unkraut und Gräser , alles durcheinander . Wer hatte den Samen dieses neuen Lebens ausgestreut ? Der Herrgott ? Oder die Raubleut des heiligen Peter ? Ein wirrer Lärm quoll über die Straße her . Der Hof des Leuthauses wimmelte von Bewaffneten , von kreischenden Dirnen und Gaunern . Der dicke Leutgeb mit dem Doppelkinn mußte seinen Wein im Hof unter den Bretterdächern ausschenken , denn in der großen Leutstube amtete Franzikopus Weiß mit zwei Schreibern , um die Pflegschaft des heiligen Zeno in der eroberten Ramsau einzurichten und die neuen Lehensregister , die Holdenbücher und Wehrlisten anzulegen . Scheue , Bauern gingen aus und ein . Boten kamen und rannten davon . Ein feines Staubgewirbel war in der Stubenluft , und scharf begrenzte Sonnenstrahlen fielen durch die kleinen Fenster herein . Der Brief , den Malimmes vom Hauptmann Grans überbrachte , schien den klugen Staatsmann des heiligen Zeno in schlechte Laune zu versetzen . Doch bevor Franzikopus zu Ende gelesen hatte , zeigte er schon wieder das Lächeln des Weisen , der überzeugt ist , daß er es mit einem Dummen zu tun hat . Gnädig ließ er sich in ein langes Gespräch mit Malimmes ein und stellte viele Fragen . Manchmal sagte Malimmes die Wahrheit , und das klang immer sehr unwahrscheinlich . Manchmal log er , und das hatte jedesmal einen Ton , der überzeugte . Franzikopus wollte den Söldner schon entlassen . Da fragte er plötzlich : » Kennst du den Fischbauer vom Hintersee ? « » Wohl , Herr ! « » Kann man glauben , was er sagt ? « Malimmes lachte . » Es kommt drauf an , was er redet . « » Wenn er sagt , eine Truhe mit Rechtsbriefen der Gnotschaft wäre verloren gegangen , er wüßte nicht , wie ? « Mit einer Treuherzigkeit , die schlecht gespielt war , beteuerte Malimmes schnell : » Da lügt er . Ganz sicher , Herr ! « » Du weißt doch , der Fischbauer ist Albmeister ? « » So ? « Malimmes machte verblüffte Augen . » Das ist mir neu . « Lächelnd tippte Franzikopus seinen Zeigefinger gegen den Küraß des Malimmes . » Wie man den Seppi Ruechsam erschlagen und den Fischbauer gewählt hat , bist du doch selber dabeigestanden . Warum lügst du ? « Malimmes wurde sehr verlegen . » In Gottes Namen , Herr , man ist doch ein Kind seiner Heimat , der man nicht schaden mag . « » Merk ich . Du kannst gehen . Die Antwort für den Hauptmann sollst du morgen haben . « Als Malimmes die Tür der Leutstube hinter sich zuzog , sprach er drei leise Worte : » So ein Hornochs ! « Draußen im Hofe sah er den Ältestmann der Gnotschaft stehen . Das Männlein war bleich und zitterte . Malimmes , im Vorübergehen , flüsterte : » Sag dem Fischbauer , er soll hocken bleiben , wo er hockt , der Fuchs ist irr in der Fährt . « Er trat zu