, besaßen wohlhabende Gemeinden schon zu frühen Zeiten ihre Glocken . Der Islam verhielt sich ablehnend , doch geduldete Christen durften ihre Glocken behalten . So war es also gar kein Wunder , daß auch die Dschamikun zwei besaßen , zu denen sie , wie ich später erfuhr , durch den Ustad auf ganz eigentümliche Weise gekommen waren . Es führte eine bequeme Treppe zu ihnen hinauf , so daß man also auch des Nachts ohne Besorgnis emporsteigen konnte . Von da aus , wo ich saß , konnte man den Eingang zu dem freien Platze sehen . Man verschloß ihn durch ein großes Thor , welches jetzt offen stand . Von diesem Platze aus stieg man die Stufen zu der Halle empor . Links führte ein Weg nach einer breiten , hohen Thür , deren starke Steinpfosten gewiß schon seit Jahrtausenden standen . Rechts ging man nach einem Garten , in welchem zwischen Obstbäumen Blumen und Gemüse gepflegt wurden . Dorthin beschloß ich , meinen ersten Spaziergang zu machen . Ich griff zum Stocke und stand auf . Die Beine zitterten zunächst ein wenig , und die Füße wollten lieber auf dem Kissen liegen bleiben . Aber sie mußten gehorchen , und als sie sahen , daß ich bei meinem Willen blieb , fügten sie sich in das Unvermeidliche . Ich kam über den ganzen Platz hinüber bis zur Garteneinzäunung , an der ich aber halten blieb , um auszuruhen . Nachdem ich dies gethan hatte , ging es weiter , in den Garten hinein . Er war sehr groß . Es gab da eine ganze Menge Beete , von deren Erträgnissen ein großer Haushalt bestritten werden konnte . Zwischen ihnen standen viele Bäume , welche Früchte trugen . In leidlicher Entfernung sah ich ein Weichselgebüsch , an welchem eine Bank stand . Dort wollte ich mich niedersetzen . Ich ging also hin . Hierbei kam ich an zwei nahe beieinander stehenden , persischen Erikan97 vorüber , welche so voller Früchte hingen , daß ihrer fast mehr als Blätter waren . Es war eine frühe , eigroße , köstlich blaurot gefärbte Pflaume ! Ja , köstlich ! ! ! Wenn ich hier erst ein und dann sogar drei Ausrufezeichen mache , so hat das seinen guten Grund . Obst geht mir über jede andere Speise . Ich esse da gewiß so viel , wie sogar meine vier Ausrufezeichen schwerlich vermuten lassen . Und Pflaumen ? Gar von dieser geradezu zum Stehlen einladenden Sorte ? Man würde staunen , wenn ich sagen wollte , wieviel ich da essen und aber auch vertragen kann . Ich sage es also lieber nicht . Das alles gilt aber nur vom Obste . In Beziehung auf andere Speisen sind die sogenannten Tafelfreuden für mich nichts als Tafelarbeiten . Ich weiß , und ich schmecke , was gut ist oder nicht ; ich kann sogar auch tadeln ; aber ich esse nicht , um zu essen , sondern weil ich leben bleiben will . Gekünsteltes oder Komplicirtes schiebe ich zurück . Ich will einfach essen , womöglich nur eine einzige Speise , aber gut . Das Zusammengesetzte ist keineswegs so zuträglich wie man denkt . Ich habe das an mir und tausend Andern erfahren . Wenn die Menschen doch wüßten , was die Art und Zubereitung der Nahrung für einen Einfluß , für eine Wirkung hat ! Doch , hierüber könnte man Bücher schreiben , und es würde doch vergeblich sein . Aber , daß ich jetzt als Sechzigjähriger mich körperlich und geistig noch genau so jung und arbeitsfreudig wie ein Zwanzigjähriger fühle , das habe ich wohl vorzugsweise dem Umstande zu verdanken , daß ich so einfach und so wenig wie nur möglich esse . Obst aber , so viel ich immer kann , das ganze Jahr hindurch . Nach dem Preise soll man da nicht fragen . Und Pflaumen ! Solche , wie grad hier - - - ! Da stand ich unter den Bäumen und schaute sehnsüchtig hinauf . Wem gehörten sie ? Wer war der Glückliche , der da pflücken oder gar schütteln konnte , ohne erst jemand fragen zu müssen ? Der Ustad ? Der Pedehr ? Weder der eine noch der andere war da . Es gab überhaupt im ganzen Garten keinen Menschen , an den ich eine Bitte hätte richten können . Was nun thun ? Soll ich ? Oder soll ich nicht ? Darf ich überhaupt ? Adam und Eva im Paradiese wußten wenigstens , daß sie nicht durften ; ich aber wußte nicht einmal das ! Doch wozu diese übermäßige Zartheit des Gewissens ! Bei solcher Art von Pflaumen ! Ich war ja Gast ! Und der Garten gehörte einem Orientalen , nicht einem abendländischen Besitzer , bei dem das Bäumeschütteln nicht mit zu den unveräußerlichen Rechten des bei ihm Aufgenommenen gerechnet wird ! Ich legte also beide Hände an den einen Stamm und - - - schüttelte . Hei ! Was gab das für einen Erfolg ! Es regnete förmlich Pflaumen auf mich nieder ! Das freilich hatte ich nicht gewollt ! Es hatten nur einige fallen sollen ; aber sie waren beinahe überreif , und in Anbetracht meiner jetzt noch so geschwächten Kräfte hatte ich mich zu energisch in das Zeug gelegt : Weit über die Hälfte der Früchte lagen nun jetzt unten . Ich stand da mit wohl demselben Gefühle wie jener Reiter , der sich links so kräftig auf das Pferd geschwungen hat , daß er rechts , auf der andern Seite wieder hinuntergefahren ist . Jedes Zuviel ist eben schädlich ! Aber da ich die herabgefallenen Pflaumen doch unmöglich wieder oben anheften konnte , so füllte ich mir die Taschen , ließ die andern liegen und ging dann nach der erwähnten Bank , um dort zu thun , was nun das beste war , nämlich meinen Raub genießen . Ich saß nun so , daß ich die beiden Pflaumenbäume nicht mehr sehen konnte . Das minderte die Kraft der Vorwürfe ,