. Vous savez sans doute que le Prince Henri était sur le point d ' accepter la couronne de Pologne . « Kathinka hatte nie davon gehört , hielt aber mit diesem Geständnis klüglich zurück , während Demoiselle Alceste das immer politischer werdende Gespräch in Ausdrücken fortsetzte , die , was Bewunderung für den Prinzen und Abneigung gegen den königlichen Bruder anging , selbst Tante Amelie kaum gewagt haben würde . Das Thema von der polnischen Krone bot die beste Gelegenheit dazu . » Dem grand Frédéric « , fuhr sie mit spöttischer Betonung seines Namens fort , » sei der Gedanke , seinen Bruder als König eines mächtigen Reiches zur Seite zu haben , einfach unerträglich gewesen . Es habe freilich , wie das immer geschehe , nicht an Versuchen gefehlt , die eigentlichen Motive mit Gründen , hoher Politik zu verdecken ; sie aber wisse das besser , und der Neid allein habe den Ausschlag gegeben . « Kathinka , die von dem Prinzen nichts wußte als seinen Weiberhaß , nahm aus diesem krankhaften Zuge , der ihn ihr unmöglich empfehlen konnte , eine momentane Veranlassung zu Loyalität und Verteidigung des großen Königs her , bis sie sich endlich lächelnd mit den Worten unterbrach : » Mais quelle bêtise ; je suis polonaise de tout mon coeur et me voilà prête à travailler pour le roi de Prusse . « Damit brach der politische Teil ihrer Unterhaltung ab und glitt zu dem friedlichen Thema der nahe bevorstehenden Theatervorstellung über . Aber auch hier kam es zu keinen vollen Einigungen . Immer wieder vergeblich wurde von seiten Kathinkas geltend gemacht , daß sie als Prolog sprechende Melpomene ein natürliches Anrecht habe , in die Geheimnisse Doktor Faulstichs und seiner künstlerischen Hauptkraft : Demoiselle Alceste , eingeweiht zu werden . Diese blieb dabei , daß es zu dem Anmutigsten des Theaterlebens gehöre , die Akteurs und Aktricen sich wieder untereinander überraschen zu sehen . Und solch heiteres Spiel dürfe nicht mutwillig gestört werden . Während dieses Gespräch in der großen Fensternische geführt wurde , die den Blick in den Park und die untergehende Sonne hatte - nur ein Streifen Abendrot lag noch am Himmel - , hatten sich Tubal und Lewin zur Seite der Tante niedergelassen , um über die jüngsten Hohen-Vietzer Ereignisse zu berichten . Der Kreis wurde bald größer . Erst Krach und Medewitz , dann der Lebuser Landrat samt dem Seelowschen Oberprediger , zuletzt auch Baron Pehlemann , der , einen Rest von Podagra mißachtend , in oft erprobter Gesellschaftstreue sich eingefunden hatte , alle rückten näher , um sich von dem Einbruch der Diebe , von dem Auffinden der beiden Landstreicher auf dem Rohrwerder und endlich von der Haussuchung bei Hoppenmarieken erzählen zu lassen . Niemand folgte gespannter als Tante Amelie selbst , die , neben einer natürlichen Vorliebe für Einbruchsgeschichten , eine herzliche Genugtuung empfand , die von ihrem Bruder vermuteten französischen Marodeurs sich einfach in Muschwitz und Rosentreter verwandeln zu sehen . Der überlegene Charakter Berndts war ihr zu oft unbequem , als daß ihr der Anflug von Komischem , der dadurch auf seine Pläne fiel , nicht hätte willkommen sein sollen . Und doch waren es gerade wieder diese Pläne , die , während die Schwester im stillen triumphierte , den Bruder auf das lebhafteste beschäftigten . In demselben Augenblicke beinah , wo die Vorstellung Kathinkas das zwischen Demoiselle Alceste und Bamme geführte Gespräch unterbrochen hatte , hatte sich Berndt des alten Generals zu bemächtigen gewußt , und ihn beiseite nehmend , war er nicht säumig gewesen , ihm seine bis dahin nur flüchtig angedeuteten Gedanken über Insurrektion des Landes zwischen Oder und Elbe zu entwickeln . Der Hauptpunkt blieb immer die Volksbewaffnung à tout prix , also mit dem Könige , wenn möglich , ohne den König , wenn nötig . In betreff dieses Punktes aber war Berndt gerade dem alten General gegenüber nicht ohne Sorge . Bamme gehörte nämlich jener unter dem Absolutismus großgezogenen militärischen Adelsgruppe an , die auf eine Cabinetsordre hin all und jedes getan hätte und unter einem Lettre-de-Cachet-König so recht eigentlich erst an ihrem Platze gewesen sein würde . So kannte Berndt den General . Er übersah aber doch zweierlei : einmal seine stark ausgeprägte Heimatsliebe , die , wenn verletzt , sich jeden Augenblick bis zu dem unserem Adel ohnehin geläufigen Satze : » Wir waren vor den Hohenzollern da hinaufschrauben konnte , dann seinen Hang zu Wagnis und Abenteuer überhaupt , der so groß war , daß ihm jede Konspiration angenehm und einschmeichelnd und ein nach oben hin gerichteter Absetzungsversuch , weil seltener und aparter , vielleicht noch anlockender als ein von oben her angeordneter Unterdrückungsversuch erschien . Ohne Grundsätze und Ideale , war sein hervorstechendster Zug das Spielerbedürfnis ; er lebte von Aufregungen . « Berndt , als er ihm alles entwickelt hatte , setzte ruhig hinzu : » Da haben Sie meinen Plan , Bamme . Seine Loyalität kann bestritten werden . Wir stehen ein für das Land ; Gott ist mein Zeuge , auch für den König . Aber wenn wir die Waffen wider seinen Willen nehmen , so kann es uns auf Hochverrat gedeutet werden . Ich bin mir dessen bewußt , und ich spreche es aus . « Bamme hatte während dieser letzten Worte lächelnd an seinem weißen Schnurrbart gedreht : » Es ist , wie Sie sagen , Vitzewitz . Aber was tut ' s ! Wir müssen eben unsere Haut zu Markte tragen ; das ist hierlandes so der Brauch . Ich weiß genau , wie sie es da oben machen , oder sagen wir lieber , wie sie es machen müssen ; denn ich glaube , sie haben keine Wahl . Es wird damit beginnen , daß man uns verleugnet , immer wieder und wieder , immer ernsthafter , immer bedrohlicher . Aber mittlerweile wird man abwarten und unser Spiel mit Aufmerksamkeit und frommen Wünschen verfolgen . Glückt es , so wird man den Gewinn : ein