bemerkend , in ganz anderem Tone fort : » Davon jedoch können wir auch neben dem Hansjörg noch reden . Jetzt sag ' mir lieber , wie es dir auf der Wirtschaft gefällt ? Du glaubst nicht , wie viel ich mich schon darum sorgte . « » O du guter Jos , mir geht ja ganz wohl ! « » Nein , Dorothee , das sagt man nicht in dem Ton ; so redet man , wenn man krank oder ganz unglücklich ist . Hast du denn kein Vertrauen mehr wie früher , wo du mir alles sagtest ? « » Was aber soll ich dir sagen ? Ich bin kaum zwei Wochen im Haus . Die Wirtin hält mich wie eine Mutter , und sonst tat ich nur wünschen , daß die anderen Hausgenossen mit mir so zufrieden wären , als ich es mit ihnen bin . « » Dann ist ' s noch schlimmer « , klagte Jos . » Warum noch schlimmer ? « fragte das Mädchen mit einer Hast , welche wohl seine Streitlust verraten sollte . » Weil dann dein wunderliches Benehmen einen noch tieferen , schmerzlicheren Grund hat . Du glaubst gar nicht , wie gut ich deine Stimme kenne . Sie ist mir wie ein Lieblingslied , welches man ganz in sich aufgenommen hat , so daß man gleich jeden falschen Ton darin merkt . Wie mancher bei der Arbeit sein Liedchen summt , so hör ' ich dich stundenlang reden in mir , aber nicht so wie heute . Dann bist du ganz das , was immer mich anlächelt , wenn ich auch nur den Namen Dorothee von einem Gassenbuben höre , der dabei vielleicht an ein Butterbrotbäschen denkt . Heut ' kommst du mir fremd vor , aber doch nicht so fremd , als du dich stellen willst . Ein tiefes Leid klagt aus jedem deiner Worte . Gewiß , ich hätt ' es dir gegönnt , wenn bloß die Kronenwirtin dran schuld gewesen wäre . Das wär ' nur ein Dorn am Strauch , dem wieder zu entrinnen sein würde . Gefährlicher sind die Dornen , die man schon im Leib hat ; die schmerzen sehr und machen krank . « Nun konnte Dorothee nicht mehr trotzig und kühl antworten . Es fehlte dem armen Mädchen alles , was dazu gehört hätte . Seine Stimme klang weich und etwas unsicher , als es fragte : » Gibt es nicht auch Dornhecken , zu denen wir gebannt sind und von denen wir uns immer wieder weh tun lassen müssen ? « Kein Dornstich hätte das Jösle schmerzlicher treffen können als diese Frage , die alles wieder umzuwerfen schien , was aus Vermutungen auf das in letzter Zeit Beobachtete gebaut werden konnte . Wer anders war wohl mit diesem Vergleich gemeint als Hans , den sie noch nicht aus dem Herzen brachte , an den sie noch gebannt war , wie weh er ihr auch immer getan hatte ? » Hast du noch das Heimweh auf den Stighof ? « fragte das arme Bürschchen mit bebender Stimme . » Nein , Jos « , antwortete Dorothee fest , und es ward ihr dabei so leicht , ob sie nun erst die Lossprechung des Kaplans verdient hätte . Auch dem Jos war wieder leicht ums Herz ; leichter selbst , als da er hörte , daß nun Dorothee vom Stighof auf die Kronenwirtschaft gekommen sei . Und auch das schon tat ihm wunderbar wohl , und sein Fuß besserte von dem Tag an so schnell , daß auch der Doktor darüber staunen mußte . Doro-theens eigenes Nein aber war noch viel mehr wert als alles , was aus einem vielleicht nur zufälligen Zusammentreffen von Umständen sich herausrechnen ließ . Jos dachte nicht mehr an den immer schmerzenden Dorn , von welchem Dorothee gesagt hatte . Wenigstens jetzt einmal atmete er frei auf und sagte fröhlich : » Auch ich hab ' mich nie mehr auf den Stighof gewünscht , wohl aber zu dir . Ich passe nicht zum Bauern , das hab ' ich im Sommer nur zu gut empfunden , aber auch , daß mir neben dir und für dich alles , gar alles möglich wär ' . Anders hab ' ich mir nach der Kirchweih niemals erklären können , daß ich es nur so lang auszuhalten vermochte . « » Mir kommt es vor , ob du dem Hans jenen Abend noch immer nicht vergessen habest . « » Es ist nicht mehr viel davon in mir , aber jetzt muß auch das Versteckteste heraus « , antwortete Jos . Dann , des Mädchens zitternde Hand erfassend , fuhr er fort : » Du glaubst gar nicht , wie wohl es mir tut , hier unter Gottes freiem Himmel , ganz in der Stille gar alles aus mir herauszureden , was drückt und quält . « » Tu das nur , wenn du es kannst « , sagte das Mädchen traurig . » Ich kann und muß es , aber auch du solltest es können wie früher . Du tust ja , wie wenn sich etwas zwischen uns gestellt hätte . Was ist ' s denn , wenn du kein Heimweh auf den Stighof hast ? « » Das plagt mich nie « , sagte das Mädchen , und Jos glaubte dabei einen leisen Druck ihrer Hand zu empfinden , die ihm aber so schnell entzogen ward , als die seinige denselben erwidern wollte . » Ich will dich nun in Gottes Namen mit Fragen gehen lassen « , sagte Jos etwas verlegen . » Sag ' mir nur noch , ob ich dir etwas helfen , etwas tun kann , wodurch dir vielleicht denn doch etwas abgenommen würde . « » Ja , das kannst du . « » Und was ? « fragte Jos , indem er den Kopf wieder aufrichtete und dem trüben Blick des Mädchens ein fröhliches Gesicht sehen ließ . Dorothee rückte näher zu ihm