sollen , einen adligen Namen mitbringen ; das wissen Sie so gut wie ich und werden um einer Grille willen nicht Ihre eigenen Hoffnungen und die anderer zerstören wollen . « » Aber ich bin völlig unfähig , Sie zu verstehen ! « rief Elisabeth aufgeregt . » Es fällt mir gar nicht ein , irgend eine Hoffnung mit jenem Namen in Verbindung zu bringen ; am allerwenigsten aber begreife ich , wie die Wünsche oder das Geschick anderer abhängen sollten von dem Entschlusse eines so unbedeutenden armen Mädchens wie ich bin . « » Sie sind nicht arm , liebes Kind , « erwiderte Helene . » Kommen Sie , « fuhr sie tief bewegt fort , » wir sind von heute an treue Schwestern ! ... Nicht wahr , lieber Rudolf , « wandte sie sich nicht ohne Verlegenheit an ihren Bruder , » auch du heißest Emils Braut willkommen in unserer Familie und erlaubst , daß ich schwesterlich mit ihr teile ? « » Ja , « klang es dumpf , aber fest herüber . Elisabeth fuhr mit der Hand nach der Stirn , es klang so unglaublich , was sie eben gehört hatte ... » Emils Braut « hatte Fräulein von Walde gesagt , und das sollte sie , sie sein - es war unmöglich . Hatten diese Menschen sich verschworen ihr einen fürchterlichen Schrecken einzujagen ? ... Und er , der wußte , daß sie Hollfeld verabscheue , er hielt zu jenen ; er stand dort drüben mit untergeschlagenen Armen , ein Bild unerbittlicher Strenge und Zurückweisung . Er hatte die ganze Zeit unbeweglich gestanden und jetzt nur die Lippen geöffnet , um das Ja auszusprechen , das von beinahe zermalmender Wirkung für das junge Mädchen war . Hatte er nicht früher selbst in der rauhesten Weise ein Entgegenkommen seines Vetters ihr gegenüber zu verhindern gesucht ? ... Wie ein leuchtender Blitz fuhr es plötzlich bei diesem Gedanken durch ihre Seele . Sie war jetzt von Adel , das erklärte alles . Hollfelds Stammbaum wurde nicht mehr verunehrt durch die bürgerlich Geborene ; daher die Bereitwilligkeit der Verwandten ihn in seiner Werbung zu unterstützen ; daher Helenes Betroffenheit bei ihrer Erklärung , daß sie den ihr zugefallenen Namen verschmähe ... Wie es aber zusammenhing , daß alle bereits ein völliges Einvernehmen zwischen ihr und dem Verhaßten voraussetzten , das zu ergründen war ihr im Augenblicke unmöglich ; denn ihre Gedanken wirbelten in einem unaussprechlichen Aufruhre durcheinander . Nur eines war ihr klar : daß sie augenblicklich ohne Rückhalt jenes Ansinnen zurückweisen müsse . » Ich sehe mich einem Mißverständnisse gegenüber , dessen Entstehen ich mir nicht enträtseln kann , « nahm sie das Wort in fliegender Hast . » Es wäre wohl Herrn von Hollfelds Pflicht , hier Aufklärung zu geben ; da er es jedoch vorzieht , zu schweigen , so sehe ich mich genötigt , auszusprechen , daß er nie und nimmer irgend welches Versprechen von mir erhalten hat ! « » Aber , liebes Kind , « sagte Helene zögernd und verlegen , » haben wir nicht vorhin bei unserem Eintritte mit eigenen Augen gesehen , daß - « sie brach ab . Wie ein Donnerschlag trafen Elisabeth diese Worte . In ihrer reinen , unschuldigen Seele war auch nicht einen Moment die Furcht aufgetaucht , daß jener Augenblick des Schreckens und der Hilflosigkeit mißverstanden werden könne , und nun mußte sie zu ihrem höchsten Schmerze erfahren , daß er ein abscheuliches Licht auf sie geworfen hatte ... Sie wandte sich noch einmal rasch um nach Hollfeld ; doch schon der eine Blick auf ihn belehrte sie , daß sie von dieser Seite keine Genugthuung , keine Ehrenrettung zu hoffen habe . Er lehnte , den anderen Anwesenden den Rücken halb zuwendend , wie ein ertappter Schulknabe am Fenster . Wären die Damen allein gewesen , so hätte er sich ohne Zweifel durch ein freches Lügengewebe zu helfen gesucht ; allein Herrn von Waldes Anwesenheit lähmte ihn vollständig . Er begnügte sich , in einem zweifelhaften Schweigen zu verharren , welches die verschiedenartigsten Deutungen zuließ . » Gott im Himmel , wie schrecklich ! « rief das junge Mädchen außer sich und rang die Hände . » Sie haben gesehen , « fuhr sie , das Gesicht schamhaft senkend , nach einem tiefen Atemholen fort , » wie ein wehrloses Mädchen vergebens gestrebt hat , die Zudringlichkeiten eines Ehrlosen zurückzuweisen ... Die Versicherung meiner tiefsten Verachtung , meiner völligen Abneigung vermochten nicht , ihn zu verscheuchen . Ich habe Herrn von Hollfeld diese Gesinnungen stets unverhohlen gezeigt , trotzdem - « Ein starkes Geräusch hinter ihr ließ sie plötzlich verstummen . Helene war in das Sofa zurückgesunken , ihre Rechte klammerte sich krampfhaft an die Tischecke und zitterte so heftig , daß das auf der Platte stehende Porzellangeschirr aneinanderklirrte . Das Gesicht der jungen Dame war aschfarben ; ihr erlöschender Blick irrte hinüber zu Hollfeld ... Vergebens bemühte sie sich , ihrer tödlichen Bestürzung Herr zu werden , das Licht , das plötzlich auf ein Netz häßlicher Intriguen fiel , war zu grell ; sein Strahl hatte etwas von der vernichtenden Gewalt des Blitzes für das bis dahin arglos vertrauende Gemüt Helenes . Obgleich selbst in höchster Aufregung und im Begriffe , ihrer Entrüstung noch weiteren Ausdruck zu geben , fühlte Elisabeth doch sofort ihr Herz in innigem Mitleiden schmelzen bei dem Anblicke der jungen Dame . Sie hatte , indem sie ihre Ehre vertrat , der Unglücklichen die Binde von den Augen gerissen ; das that ihr schmerzlich leid um Helenes willen , wenn sie auch wußte , daß diese Enttäuschung doch früher oder später hätte erfolgen müssen . Rasch trat sie zu ihr und nahm die eiskalten Hände , die langsam vom Tische niederglitten , zwischen die ihrigen . » Vergeben Sie mir , wenn ich Sie durch meine heftigen Worte erschreckt habe , « sagte sie bittend , aber fest . Es wird Ihnen nicht schwer werden , sich