der Besichtigung leichthin als die früheste Ablieferungszeit bezeichnet hatte , bald als die letzte angesehen haben wollte , und er erinnerte ihn also daran , daß er ja selbst sechs Jahre für den Bau beansprucht , daß man also noch eine geraume Zeit vor sich habe . Auch der Baron habe , wie der Amtmann bestimmt wisse , bei seinen Geldmitteln und Geldbewilligungen mindestens an eine sechsjährige Dauer des Baues gedacht und auf die gleichmäßige Vertheilung der für denselben bestimmten Summe während dieser sechs Jahre gerechnet . Endlich , meinte er , hätten , um die Wahrheit zu sagen , diese ersten vier Jahre die ganze ursprünglich festgesetzte Summe verschlungen , so daß ein Innehalten und Zögern sehr geboten sei . Herbert hingegen machte geltend , daß er vor dem Baue der Kirche in Rothenfeld , eben der Kosten wegen , gewarnt habe und daß man um der auswärtigen Arbeiter willen nicht innehalten und nicht feiern dürfe . Das mußte der Amtmann halbwegs zugeben , und nach mannigfachem Hin und Wider und nachdem Herbert einige Proben des Gesteins hatte abschlagen lassen , die er versuchsweise nach der Stadt mitnehmen wollte , um dort mit Sachkundigen über ihre Behandlung sich noch zu besprechen , trat man den Rückweg an . Indeß der Amtmann fand Herbert nicht so gesprächig als vorher . Er schob dies auf die eben gehabte Erörterung , auf die Wärme des Tages , und sie schlenderten dann , auch nur hier und da ein paar Worte mit einander wechselnd , langsam durch das Thal , bis sie zu der Stelle kamen , an welcher des Steinmetzen Bube mit den Pferden ihrer wartete . Hier mußten sie sich trennen . Der Amtmann , welcher noch vor dem Mittage in den Forst zu reiten dachte , lud den Baumeister ein , ihn zu begleiten , weil es dort im Nadelholze schattig und kühl sei ; Herbert meinte jedoch , daß der Freiherr eine Auskunft von ihm erwarten könne , und wollte deßhalb bei guter Zeit wieder in Richten eintreffen . Er stieg also auf , der Amtmann that desgleichen ; als dieser jedoch den Fuß in den Bügel setzte und sich aufschwingen wollte , bemerkte er , daß sein Sattel nicht fest saß , und stieg ab , um den Sattelgurt fester zu schnallen . Und während er sich dazu bückte , sagte er , Französisch sprechend , wie er das gelegentlich gern that , um seine gute Erziehung zu beweisen : Ich darf wohl darauf rechnen , daß Alles , was wir heute durchgesprochen haben , unter uns bleibt ? Herbert versicherte , daß sich das von selbst verstände , und Jener fügte lächelnd hinzu : Es ist hier doch im Grunde immer noch so gut , wie rund herum , und wer die Herrschaften kennt , hängt ihnen an . Aber , lieber Gott ! sie sind einmal , wie sie sind ! Chien de chasse , chasse de race ! Die Männer wollen leben , und die Frauen wissen sich denn auch auf eine oder die andere Art zu trösten ! Er lachte dazu , denn er kam sich offenbar bei dieser Aeußerung wie ein Weltmann vor , und mit guter Manier den kleinen dreieckigen Hut zum Abschiedsgruße bewegend , während er dem Architekten ein : à revoir , Monsieur Herbert ! zurief , sprengte er davon . Sechstes Capitel Langsam und zerstreut ritt Herbert die Straße zurück , welche er am Morgen in so heiterer Stimmung durchmessen hatte . Er dachte an den Bau und an gewisse Berechnungen , welche er dem Freiherrn aufzumachen hatte , aber er rechnete schwer , er verrechnete sich öfter ; die Zahlen , die Maße wirrten sich ihm in einander , und dann ertappte er sich bisweilen auf jener Zerstreutheit , in welcher es uns scheint , als sei in unserem Denken ein Stillstand , eine Leere eingetreten , und in der wir uns fragen : Was habe ich denn eigentlich gedacht ? - weil die Reihe unserer Vorstellungen so blitzschnell an uns vorüber zieht , daß wir sie nicht festzuhalten im Stande sind und uns nur , man möchte sagen , des unwillkürlichen Erleidens einer unwillkürlichen Thätigkeit bewußt werden . Das ist ein quälender Zustand , und auch unsere Sinne werden in der Regel von demselben ergriffen , denn was wir in solchen Augenblicken sehen und vernehmen , gleitet anscheinend auch unerfaßt an uns vorbei , und doch kann es geschehen , daß man sich nach Monaten , nach Jahren irgend eines Eindruckes bewußt wird , den man in solcher Stunde empfangen hat . Das Pferd , welches fühlte , daß es sich selber überlassen sei , machte sich das zu Nutze . Der Tag war so drückend heiß , und , den Schatten der Bäume suchend , ging das Thier in gleichmäßig ruhigem Schritte der wohlbekannten Heimath zu . Herbert hing nachlässig im Sattel . Die Sonne brannte hernieder , aber er schien sie nicht zu fühlen . Er dachte an den linden Abend und an die frische Kühle der letzten Nacht , oder vielmehr , er dachte nicht an sie , sondern er empfand sie noch erquickend . Es war ihm , als träume er , aber als träume er einen schönen , glücklichen Traum , und er wußte doch nicht , was dieser ihm bringe oder biete . Alles war nebelhaft , Alles warm und beseligend . Er hätte nur immerfort so weiter reiten mögen , immerfort , immerfort ! Da mit einem Male wehte es ihn kühler und erfrischend an . Eine Wolke war über die Sonne hingezogen , sie verhüllte ihr Licht . Der ganze Himmel hatte angefangen sich zu bedecken , ein leiser trockener Wind erhob sich . Herbert sah umher : er war nicht weit mehr von Richten , er konnte das Schloß deutlich in allen seinen Einzelheiten unterscheiden . Grade so hatte er es damals erblickt , als er vor Jahren zuerst des Weges gekommen war . Damals ! Es dünkte