, was ich glauben soll , antwortete Oswald , unwillkürlich denselben raschen und heimlichen Ton anschlagend . So hat Ihnen die Professorin noch nichts mitgetheilt ? Was ? Ich habe ihr weis gemacht : ich hätte den Auftrag , Sie zu fragen , ob Sie in einer mir befreundeten Familie eine Stelle annehmen wollten . Natürlich ist kein Wort davon wahr . Mich führt nichts hierher , als - Ein Blick der glänzenden Augen und ein Zucken des reizenden Mundes füllten die Pause , welche die junge Dame in ihrer Rede machte , sehr beredt aus . Oswald vermochte noch immer nicht , sich in die eigenthümliche Situation zu finden . Er hatte Helenen erwartet , er fand Emilie , - Emilie , deren lieblich kokette Erscheinung ihn so wunderbar an einige der reizendsten und zugleich peinlichsten Scenen in dem wirren Drama seines Lebens mahnte , Emilie , der gegenüber er sich von vornherein zu einer entsagungsvollen Rolle verurtheilt hatte , aus welcher der Uebergang in die eines Liebhabers nicht eben leicht war . Von den verschiedensten Empfindungen auf einmal bestürmt , suchte er vergeblich nach Worten . Weshalb sind Sie nicht zu uns gekommen , wie Sie neulich versprochen ? fuhr Emilie , durch Oswalds Schweigen einigermaßen entmuthigt , in dem Tone eines verzogenen Kindes fort , dem ein hübsches Spielzeug vorenthalten wird und das deshalb große Lust hat , in Thränen auszubrechen ; ist es recht , die Bitte - die unschuldige Bitte einer Dame nicht zu erfüllen und sie dadurch zu einem Schritt zu zwingen , den sie kaum vor sich selbst , geschweige denn vor dem Urtheil der Welt verantworten kann ? Oswald trat unwillkürlich einen Schritt zurück und erwiderte in halb ernstem , halb spöttischem Ton : Es scheint , gnädige Frau , daß es mein Schicksal ist , Ihnen stets durch meinen plebejischen Mangel an ritterlicher Galanterie beschwerlich zu fallen . Emiliens liebreizendes Gesicht , das bis dahin im rosigsten Lächeln gestrahlt hatte , wurde leichenblaß . Ihre großen Augen wurden noch größer und starr , wie die Augen Jemandes , der einen heftigen physischen oder psychischen Schmerz zu erdulden hat ; um ihre bleichen Lippen zuckte es krampfhaft , als ob sie etwas sagen wolle und doch nicht die Kraft dazu finden könne . Ihre Glieder zitterten , sie griff nach der Lehne eines Stuhls , der in ihrer Nähe stand . So tief hatte der Pfeil nicht verwunden sollen . Oswald schämte sich seiner Grausamkeit , um so mehr , als es ihm mit der catonischen Strenge , die er herausgekehrt hatte , so gar ernst nicht wahr . Er trat lebhaft auf Emilien zu ; er ergriff ihre Hand , die er fest hielt , obgleich sie schwache Anstrengungen machte , ihm dieselbe wieder zu entziehen ; er beschwor sie in leidenschaftlichen Worten , ihm zu verzeihen : er bereue , was er gesagt habe ; - sein Herz sei krank , sein Kopf verwirrt , sein Mund spreche oft , wovon sein Kopf und sein Herz nichts wüßten . - Sie solle ihm Gelegenheit geben , zu sich selbst zu kommen , sich vor sich selbst und vor ihr zu rechtfertigen . Emiliens Schmerz schien durch diese Worte und vielleicht mehr noch durch den innigen Ton , in welchem sie gesprochen wurden , einigermaßen gelindert zu werden . Sie hatte sich auf den Stuhl gesetzt , auf dessen Lehne ihre kleine Hand vorher gezittert hatte ; ihre Thränen begannen reichlich zu fließen , sie duldete es , daß Oswald , der sich über sie beugte , die Hand mit Küssen bedeckte , während er nur noch in leisen Worten , die mit jedem Augenblick leidenschaftlicher und zärtlicher wurden , ihre Verzeihung für seinen Wahnsinn - wie er es nannte - erflehte . Ihr Weinen wurde sanfter , wie eines kleinen Kindes Weinen , dem die Puppe , die ihm verweigert wurde , nun endlich doch unter Küssen und Liebkosungen in die Arme gelegt wird . Beide , Oswald sowohl wie Emilie , schienen ganz vergessen zu haben , daß sie sich in einem fremden Hause befanden , wo jeder nächste Augenblick ihnen eine beschämende Verlegenheit bereiten konnte , und sie durften von Glück sagen , daß ein ebenso unerwarteter wie lächerlicher Zufall ihnen die Besinnung wieder gab , die sie in der berauschenden Süßigkeit des ersten Neigens von Herzen zu Herzen verloren hatten . Plötzlich ertönte nämlich aus dem inneren Gemach ein so gellender Schrei , daß die Beiden entsetzt in die Höhe fuhren und von dem einen Gedanken , die Dichterin stehe von oben bis unten in hellen Flammen , getrieben , in ihr Zimmer stürzten . Der erste Blick , als sie die Portiere auseinanderschlugen , belehrte sie nun freilich , daß Primula nicht in Lebensgefahr sei , und als sie näher eilten , sahen sie denn auch , was geschehen war . Primula hatte , verloren in Bewunderung einer ganz besonders gelungenen Strophe , der sie noch im letzten Augenblick durch eine glückliche Verbesserung einen unbeschreiblich pathetischen Charakter gegeben , statt der Sandbüchse das Tintenfaß ergriffen und den reichlichen Inhalt desselben bis auf den letzten Tropfen über ihr Manuscript und von dort in einem schwarzen Sturzbach auf den Schoß ihres gelbseidenen Kleides geschüttet . Und da stand sie nun , die vom grausamsten Zufall verhöhnte Dulderin , - stumm , nachdem der erste wilde Schrecken ihr den gellenden Schrei ausgepreßt hatte , die mit Tinte arg besudelten Hände und die wasserblauen thränenden Augen zur Zimmerdecke erhoben , als wollte sie den Vater Apollo selbst zum Zeugen anrufen des grauenhaften Schicksals , welches eines seiner begabtesten Kinder getroffen . Oswald und Emilie hatten Mühe , ihr Lachen über diesen Anblick zurückzuhalten ; aber alle Anstrengung , ernst zu bleiben , war vergeblich , als jetzt die Dichterin in tragischem Schmerz ihr Antlitz in beide Hände drückte und einen Augenblick nachher , wie der wildsten Zone wildster Krieger , mit schauerlichen Flecken betupft , vor ihnen stand . Lacht