löst in Won - ne . Jungfräuliche Myrten - Erröten , Tränen - o Tränen , Robert ! Selbst die väterliche Schneiderseele , der teure Schwiegerpapa , Alphonso Stibbe , tailleur de Paris , vergoß etwas von jenem kostbaren Naß ; mit höchsteigenen Händen hatte er mein hochzeitliches Gewand gebaut , und er saß - ich meine den Frack - , er saß magnifique . So wurde das Meisterstück der Schöpfung und der Schneiderkunst - diesmal meine ich nicht den Frack - mein . Für Zeit und Ewigkeit wurden wir miteinander verbunden . Ich sollte ihr Herr sein , meinte der ehrwürdige Herr , welcher den feierlichen Akt der unauflöslichen Verknüpfung , gegen die gesetzlichen Gebühren und nach Vorlegung der notwendigen beiderseitigen Legitimationspapiere , mit uns vornahm . Ihr Herr ? O mon Dieu , Robert , Sie sind ein guter Kerl und sprechen nicht weiter davon - ihr Herr ? ! Nach Hause , nach dem eigenen Hause , Kranzstraße Nummer dreiunddreißig , wie Sie wissen , führte ich mein junges Glück : Parfümerien und Putzgegenstände , parterre , vorn heraus , sehr elegant , Spiegelscheiben , Samtfauteuils - hinten hinaus flitterwöchentlicher Ehestand , allerhöchste Seligkeit auf beschränktestem Raume , etwas feucht , dunkel und dumpfig - Wanzen ! - Da saß ich nun , umgaukelt von Amoretten und Amorinos , und der Handel ging gut , besser , immer besser ; o Robert Wolf , er ging endlich zu gut ! Handschuh , Handschuh , Wolf ! O dieses Handschuhanprobieren ! Welcher Gott legte Ihnen damals die Warnung davor auf die jugendliche Zunge ? - Haben Sie den Othello gesehen ? Ich sage Ihnen , meine Eifersucht fing klein an ; aber sie wuchs mit so fabelhafter Schnelligkeit , daß man sie wachsen hörte . Ja , die Nachbarn hörten sie wachsen und machten ihre Glossen darüber . Dazu nahm meine Huldin einen Ton an - Diskantschlüssel - , der mich nicht wenig frappierte ; mit unendlicher Grazie setzte sie mich auf den Mokierstuhl und - und da sitze ich noch , Robert Wolf ! Sollte man nicht wünschen , daß die Firma Schminkert und Kompanie zwischen jetzt und morgen Bankerott mache ? - Und er soll dein Herr sein - krasseste Ironie ! Der Schwiegerpapa hat ' s auch nicht besser getroffen ; - o Robert , was für ein glücklicher Mensch Sie sind ! Doch hier ist mein Geschäft ; - Julius Schminkert und ein Geschäft - auch nicht übel . Nun sehen Sie , allerneueste Pariser Neuigkeiten ! Bitte , sehen Sie da ! Famos ! nicht wahr ? « Mit einem Seufzer wies Julius auf die hellerleuchteten Spiegelscheiben seines » Etablissements « , in dessen Schaufenstern alle die Sachen und Sächelchen , mit welchen die Firma Schminkert und - Frau handelte , so verlockend und reizend als möglich dem Publikum vor die Augen gestellt waren . Trotz seiner Bedrücktheit schien der bejammernswerte Geschäftsmann den äußern Effekt , den glänzenden Anblick mit weiter geöffneten Nasenlöchern einzuschlürfen . Für einen Augenblick verlor sein Gesicht den Ausdruck der Zusammengekniffenheit , und seine Züge legten sich auseinander wie die Blätter einer Stockrose unter einem erfrischenden Regenschauer . Aber der glückliche Augenblick ging blitzschnell vorüber , als über die Schwelle , aus dem Laden hervor , ein junger Herr trat , ein Paar neugekaufter Glacéhandschuhe fester über die Finger ziehend . Hinter ihm erschien holdlächelnd , mit der Taille einer Wespe , frisiert à l ' impératrice , Madame Angelika Schminkert geborene Stibbe , in potenziertester Liebenswürdigkeit den Abschiedswink des jungen Herrn beknicksend . Der Ehemann knurrte einen Theaterfluch , Robert Wolf aber fuhr zusammen und faßte die Unterlippe mit den Zähnen : der Kunde der schönen Modewarenhändlerin war kein anderer als Herr Leon Freiherr von Poppen , der Verlobte Helene Wienands . Mit ausgesprochener Bonhomie grüßte der Baron den Gatten Angelikas , und dieser mußte den Gruß erwidern und sehr dankbar sein für die Kundschaft und Ehre . Ob der treffliche Diplomat den Zögling des Sternsehers erkannte , blieb zweifelhaft , jedenfalls zeigte er weder Freude noch Kummer darüber ; - - er war ein sehr brauchbarer Mensch , und seine Vorgesetzten fingen immer mehr an , ihn als ein großes Talent zu schätzen und zu verwenden ; er hatte eine große Zukunft , und die Gegenwart war auch nicht zu verachten . Er streifte Robert fast im Vorbeigehen , und dieser schlug ihn nicht zu Boden , sondern wich nur zurück wie vor einem giftigen Tier ; er starrte ihm nach , wie er um die Ecke sich wandte . An der Ecke fiel der Schein der Laterne noch einmal voll auf das gelbliche Gesicht , das jetzt ein höhnisches Lächeln überflog ; - jetzt berührte Leon von Poppen den Hut gegen Robert Wolf , dann verschwand er , und nur noch einmal sollte ihn Robert wiedersehen . Die Gattin schwebte dem Gatten entgegen , Robert ließ sie beide an ihrer Ladentür ihre Gefühle austauschen und eilte schnellern Schrittes durch den Lärm der Straßen der innern Stadt , der alten , treuen Musikantengasse zu . Er kreuzte die Stelle , auf welcher er vor dreiundeinemhalben Jahre in Schmutz und Blut lag . Damals wie jetzt ging ihm ein tiefer Schmerz durch die Seele ; aber das heutige Weh war fast noch schärfer , bänger als das damalige , obgleich es ruhiger ertragen wurde . Mit klopfendem Herzen stand Robert still ; er sah sich im Gefängnis , er sah den bärtigen Schließer , hörte den Regen an die trüben vergitterten Scheiben schlagen , erblickte den Wachtmeister Greiffenberger und den langen Gang , der zum Büro Nummer dreizehn führte . Ganz deutlich atmete er wieder den eisig-ungesunden Hauch , welcher durch das ganze Polizeigebäude zog ; - im Büro dreizehn stand er vor dem Rat Tröster : wie konnte es geschehen , daß der Hauptmann von Faber , welcher jetzt den Tod Friedrichs meldete , damals in demselben Büro auf der Armensünderbank saß ? Nun tauchte plötzlich über