Patriziers Christoph Scheurl sei . Ich sei dadurch unwürdig bei der Genossenschaft freier Maurer zu bleiben . Um meiner Jugend Willen aber und weil ich noch in den untersten Graden sei , wolle man mich nicht mit Schimpf und Schande ausstoßen , dafern ich selbst meinen Austritt erkläre , um mich in ein Kloster zurückzuziehen . So mußte ich diese Zufluchtsstätte wählen , um nicht als Geächteter einen ewigen Schimpf auf mich zu laden . So kam ich hierher . Das ganze Unheil hatte unsere Hausfrau angestiftet , der es bekannt war , daß kein unehrlich Geborener Baubruder sein durfte . Sie wollte dadurch ihrer Tochter und vielleicht mir selbst zum Glück verhelfen und dachte , ich könne als profaner Steinmetz mit ihr verbunden überall Arbeit finden - so hatte sie verrathen , was ihr meine Mutter schon einst vor vielen Jahren in einem Moment unbedachter Eitelkeit offenbart : daß ich eigentlich ein vornehmer Herr sein sollte , da ein Rathsherr von Nürnberg mein Vater . Ich aber flüchtete vor der Schande in ' s Kloster , deren Bestrafung auch nur dadurch meiner Mutter erspart blieb . Das unglücklich liebende Mädchen ist gestorben - und ihre Mutter hat durch dies gewaltsame Eingreifen so den Tod des eigenen Kindes und unser Aller Unglück verschuldet ! « Ulrich fühlte sich bei dieser Erzählung von kaltem Schauer geschüttelt - er war keines Wortes fähig , da der Jüngling geendet - umarmte ihn und sagte nur : » Bruder ! « » Du verachtest mich deshalb nicht ? « fragte Konrad . » Nein ! « rief Ulrich ; » denn ich glaube mehr an den Gott der Liebe , denn an den der Strenge , der die Sünden der Väter an den Kindern heimsucht bis in ' s dritte und vierte Glied ! « » Dank Dir dafür ! « antwortete Konrad . Nach einer Pause , in der jeder seinen Gedanken nachhängen mochte , sagte er : » Und warum willst Du zu Amadeus ? « » Ich muß ihn um Vergebung bitten « - sagte Ulrich ; » er wollte mir etwas sagen vorgestern Morgen , als man ihn abrief - ich muß es wissen . « » Vielleicht kann es morgen Nacht geschehen - verlaß Deine Zelle um Mitternacht , ich will Dich an Deiner Thür abholen , wenn es mir möglich wird , Dich in das unterirdische Gefängniß zu führen . « So trennten sie sich , noch aufgeregter als wie sie gekommen . Zehntes Capitel Die Juden Der Jude Ezechiel , der an dem Abend , wo eine Schaar von einer Zeche heimkehrender Handwerksgesellen ihn überfallen und gehänselt und die Baubrüder ihn beschützt hatten , von der Stadtwache mitgenommen und eingesperrt worden war , mußte mehrere Tage zur Strafe für seinen Gang durch die Stadt zu einer den Juden nicht vergönnten Stunde in einem düstern Loche zubringen , ohne daß sich weiter Jemand um ihn kümmerte . Es war nicht das erste Mal in seinem Leben , und was ihn dabei jammerte , war nicht sowohl die Haft und der gräßliche Aufenthalt , als die Zeit , die er dabei für sein Geschäft verlor , und die Voraussicht auf die Schuldbuße , die er für sein Betreten des verbotenen Stadttheils zahlen mußte , ganz abgesehen davon , daß er schon auf der Gasse von den Gesellen so gut wie ausgeplündert worden war , und was er von seinen Waaren noch selbst zusammengerafft , das hatte er dennoch nicht gerettet : denn was die Stadtsoldaten und Gefängnißwachen davon für sich verlangten , das mußte er ihnen geben , damit sie nur nicht gar zu unglimpflich gegen ihn verfuhren . Ein Trost war es ihm , daß Rachel entkommen und nicht mit ihm eingefangen war ; das hübsche Mädchen wäre in diesen Händen wahrscheinlich einer rohen und schimpflichen Behandlung ausgesetzt gewesen . Aber worin dabei die Hauptfreude des Juden bestand , war , daß auf diese Weise doch der kostbarste Gegenstand , den der letzte Handelsgang in seinen Besitz gebracht , gerettet war : ein Ring von Gold mit einem ganzen Kranz herrlicher Edelsteine besetzt , den er seiner Tochter anstecken ließ , um ihn so unter deren wollenen Fausthandschuhen am sichersten zu wahren . Von dem Ritter von Streitberg , der wieder auf Weyspriach ' s Schlosse eingekehrt war , ehe er nach Nürnberg kam , hatte er diesen Ring zum Pfand gegen Darleihung einer ziemlich großen Geldsumme erhalten , die der Ritter bedurfte , um standesgemäß zur Zeit des Reichstags in Nürnberg zu erscheinen . Aber es sollte nur ein Pfand sein , das der Ritter versprochen in vier Wochen wieder einzulösen ; bis dahin hoffte er das Geld zu erhalten - wenn nicht durch seine rechtmäßigen Einkünfte : durch Straßenraub oder Glücksspiel , denn in dem damals noch nicht lange aufgekommenen Kartenspiel , das , ursprünglich als ein Kriegsspiel , eine beispiellos schnelle Verbreitung fand , wie denn in Nürnberg es bald eine ganze Zunft von Kartenmachern und Malern gab . Der Jude aber hatte schon oft erfahren , daß die Verfallzeit solcher Pfänder kam , ehe sie eingelös ' t waren , und daß auf diese Weise sich die besten Geschäfte machen ließen . Er hatte dieselbe Hoffnung auch in diesem Falle . Indeß war Rachel in derselben Nacht , in der Ulrich sie beschützt hatte , durch die finstersten Gäßlein sich schleichend , wohlbehalten in ihre Wohnung gekommen , in der ihr Bruder Benjamin zurückgeblieben . Nicht ohne Mühe hatte sie den Schlafenden erweckt , der nun in dieser Winternacht die Seinen nicht mehr erwartet hatte . Sie erzählte ihm , was vorgefallen . Der Bruder wunderte sich höchlich , daß sie christliche Beschützer gefunden und noch dazu hochmüthige Baubrüder , die da vollends meinten , wie er sich ausdrückte , aus ganz anderem besonderen Teige geschaffen zu sein , denn andere Menschenkinder . Rachel sagte ihm aber nicht die Namen derselben , noch daß sie schon seit früher sie kenne - alles , was