der Ferne die Wirthsleute winkten und ihm anzudeuten schienen , er möchte sein Kommen beschleunigen . Bello sprang so gut er konnte voraus und nicht wenig erstaunt war Dankmar , schon das Thierchen vom Wirth , der Frau Wirthin , allen Hausknechten und Mägden mit einer Art von Feierlichkeit begrüßt zu sehen . Wie stieg aber sein Befremden , als man endlich vor ihm selbst die Mütze zog und sich wie vor einem großen Herrn verneigte ! Man zeigte ihm nämlich im sonderbarsten Durcheinander zu gleicher Zeit an , daß er aufs Schloß - nein ! riefen Andere , die sich neugierig dazu gesellten , in den Thurm ! ... Was in den Thurm ? sagten Jene wieder , ins Schloß - geladen sei . In den Thurm ? Aufs Schloß ? wiederholte Dankmar befremdet . Einer suchte dem Andern den Rang abzulaufen und ihm zu erzählen , wer ihn zu sprechen wünsche . Man konnte dabei kaum begreifen , wie ihm die Erläuterung seiner Einladung in den Thurm weit wünschenswerther war , und immer wieder fingen sie von einem kleinen sehr wichtigen Herrn an , der eigens vom Schlosse heruntergekommen wäre , sich mit der größten Artigkeit nach ihm erkundigt hätte und ihn bäte , heute Mittag mit den gnädigen Herrschaften oben zu speisen . Das war der Inhalt der klaren Rede , die sich die Frau Kronenwirthin durch all das Geschwirre endlich angebahnt hatte . Viel gespannter aber sah Dankmar dabei auf die inzwischen stummen Gruppen der Umstehenden , die ihm von einem auf dem Schlosse gefangenen Taugenichts erzählten , der in seiner Todesangst bäte , man möchte den jungen fremden Herrn im Reitrock aus der Krone zu sich ins Gefängniß führen ... ehe er baumeln müsse , sagten die Leute lachend . Dankmar hatte noch keine Veranlassung gefunden , in der Krone seinen Namen zu nennen ; aber die Beschreibungen sowol von Seiten der Schloßbewohner , wie von Seiten des Thurmgefangenen , trafen so vollkommen auf ihn zu , daß es gar keiner Frage , ob man sich auch nicht in seiner Person irre , bedurfte , sondern seine eigene Neugier nur zu erwarten hatte , wie sich ein so vielfach begehrter Herr in diesen auf ihn gerichteten Ansprüchen benehmen würde ... Dankmar fand zunächst in der Einladung , auf dem Schlosse zu speisen , nichts als eine freundliche Aufmerksamkeit gegen einen Fremden , von dem man vielleicht - so dachte er - erfahren hatte , daß ihm der Justizrath Schlurck durch das Überbringen seines verlorenen Schreins einen Dienst , den er schon kannte , erwies und dem man für diese angenehme Entdeckung Gelegenheit zu einem Dank für die ganze Familie geben wollte . Aber von einem im Schlosse ertappten Diebe zu hören , der ihn sprechen wolle , schien ihm selbst in dem höchstwahrscheinlichen Falle , daß Hackert der betroffene Verbrecher wäre , weit größerer Aufmerksamkeit werth . Unmuthig gedachte er der Möglichkeit , über seine Verbindung mit einem ihm selbst , seit Entdeckung der drei Spitzkugeln , gefährlich scheinenden Menschen vor einer umständlichen und in kleinlichen Dingen pedantischen Justiz vernommen und wol gar an dem endlichen Beginn seiner Rückreise verhindert zu werden . In dieser seiner verlegenen und unmuthigen Stimmung trafen ihn die Worte eines sich sehr höflich nahenden und von allen Dorfbewohnern mit herabgezogenen Mützen begrüßten Mannes : Mein Herr , schon einmal war ich in der Krone , und ich wiederhole jetzt den mir von der Frau Justizräthin Schlurck gegebenen Auftrag , Sie ergebenst zu bitten , heut ' Mittag oben auf dem Schlosse einen Löffel Suppe einzunehmen .... Einige Bursche lachten über die sonderbare Zumuthung , einen so starken kräftigen jungen Mann nur mit einem einzigen Löffel Suppe bewirthen zu wollen . Bartusch ( denn Dies war der Sprecher ) fuhr fort : Es ist elf Uhr , mein Herr ! Man speist um Eins . Können wir auf die Ehre rechnen ? Dankmar erwiderte leichthin : Mein Herr , ich bin hier ohne alle Garderobe und höre auch soeben von einem Vorfall auf dem Schlosse - von einer sonderbaren Einladung in den Thurm - ... Erfuhren Sie schon den kleinen Spektakel auf dem Schlosse ? fragte Bartusch . Dankmar , von dem Gedanken an Hackert aufs peinlichste berührt , konnte seine Verlegenheit nicht ganz bemeistern und sagte stockend : Ich will hoffen ... Der Lärm hat nicht die geringste Unordnung hervorgerufen , fiel Bartusch sogleich ein . Se . Excellenz der königliche Intendant Herr von Harder zu Hardenstein ließen einen Fremden verhaften , der sich mit sonderbarer , zudringlicher Neugier in der Nähe der Zimmer aufhielt , deren Inhalt vom verstorbenen Fürsten Waldemar von Hohenberg an den Hof abgetreten ist . Seine Diener meinten , der Fremde hätte es geradezu auf einen Diebstahl abgesehen gehabt . Und da der Intendant in Erfüllung seiner ihm allerhöchsten Orts aufgegebenen Pflichten , wie weltbekannt , sehr streng zu Werke geht , so hat man den Fremden nach einem kurzen Verhör , in dem er sich vorläufig für einen harmlosen Wanderer und einen Tischlergesellen ausgab , bis auf Weiteres in den Thurm gesteckt ... Einen Tischlergesellen ? rief Dankmar , von einer Ahnung ergriffen . Ihn in den Thurm ? Ich höre , daß der verdächtige Mensch sich auf Sie berufen hat , fuhr Bartusch mit scharf gespitztem Auge fort . Ohne Sie , mein Herr , zu kennen und zu nennen , bezeichnete er Sie doch als einen wohlwollenden Gönner , der ihn gestern in seinen Wagen aufgenommen und den er in jenen Zimmern oder irgendwo auf dem Schlosse wiederzufinden gehofft hätte .... Ich gestehe Ihnen jedoch , fuhr Bartusch mit lauerndem Späherblick fort , seine Aussagen liefen dermaßen wirr durcheinander , daß man fast glauben möchte , dieser Fremde wäre kein Handwerker , sondern vielleicht der Freund , der Reisebegleiter irgend eines im Incognito ... reisenden .... Bartusch zog und blinzelte so eigenthümlich , daß Dankmar das Incognito nur auf sich beziehen konnte und daher die Vermuthung des alten Schleichers , in ihm