wie zwei Kutschenpferde von gleichem Schlag und gleicher Farbe , von denen das eine lieber schlägt , das andere lieber beißt , eines besser ausgreift im Trott , das andere sich aber hütet , die Stricke anzuziehen . Die gute Mutter konnte nichts abbringen an ihren Kindern , konnte nichts als für sie beten , sie hatte nicht einmal den Trost , daß Joggeli aufnehmen werde , was sie umsonst versucht . Joggeli und die Kinder redeten mit Ärger davon , wie geistlich die Mutter werde , frugen , wer Tüfel ihr das angetan , ob etwa ein Pfaff zu ihr komme oder eine Betschwester ? Wenn sie wüßten , wer schuld daran wäre , dem wollten sie den Marsch machen . Sie meinten , so etwas könne bloß von außen herkommen , von diesem oder jenem , wie in der Tat oft , besonders bei Entstehen von Sekten , etwas an die Leute kömmt , sieht aus wie Christentum , ists aber nicht . Sie hatten keinen Begriff davon , daß in gesunden Gemütern ein Keim liegt , der , frühe belebt , langsam wächst , unbemerkt im Innern sich entwickelt und vielleicht erst leuchtend sichtbar wird , wenn das Licht des Lebens erlöschen will . Einen solchen Keim hatten sie aber eben nicht in sich . Indem er eben nicht in ihnen war , die Welt aber ganz anderes in ihnen ausgebildet hatte , war eine Kluft zwischen ihren Gemütern entstanden fast wie zwischen dem reichen Mann und dem armen Lazarus ; sie konnten nicht mehr zu einander kommen , die Mutter und die Kinder . Das hatte gewissermaßen sein Gutes , sie kamen ungern und blieben nicht lange . Die Furcht , die Mutter möchte von Vreneli ausgeplündert werden an Kleidern und Kleinodien , hatten sie nicht , so weit hatten es Beide im Vertrauen gebracht , daß man es weder dem Einen noch dem Andern zutraute . Desto mehr war Vreneli dort , es war ihm dort wie bei einer Mutter . Es ist ein eigenes Wort : bei der Mutter sein . Es gibt Mütter , wo es den Kindern , wenn sie zur Mutter kommen , wird wie einem Küchlein , das unter die Flügel der Henne flieht , wenn es ihm zu kalt wird draußen in nassem Grase oder eine Krähe in der Nähe ist . Sind dann augenscheinlich die Tage der Mutter gezählt , macht man sich gegenseitig kein Hehl mehr daraus , dann mischen Wohl und Weh gar seltsam sich ineinander . » Will noch bei dir sein , « sagt die Tochter , » es kömmt eine Zeit , ich kann nicht mehr zur Mutter ; « die Tränen rinnen , und schmerzlich zuckt das Herz zusammen . Dann wird es der Tochter wohl , fast möchten wir sagen , selig bei der Mutter , wenn die Krankheit Ruhe gibt . Beide Herzen liegen offen vor einander ; was die Tochter hofft , was die Mutter wünscht , was Beide freut oder kümmert , schwillt ineinander , verwebt sich zu dem wundersamen Gemeingut , welches die Mutter hinübernimmt , die Tochter hier behält , Keine mehr , Keine minder hat , jede alles hat , welches ein kleiner Teil des großen Schatzes ist , den die Kirche Gemeinschaft der Heiligen nennt . Das ist das wundersame Gut , wo , je mehr einer hat , desto mehr er den Andern gönnt , je größer die Menge der Teilnehmer wird , desto größer die Teile der Einzelnen werden , mit der Zahl der Erben das Erbteil wächst . Aus dem süßen Weh weckt wohl der Schlag der Uhr , den Verlauf der Zeit , welche kein Erbarmen kennt , verkündend . » Muß gehen « , sagt die Tochter . » Bleibe noch ein klein Weilchen , weißt nicht , wie lange es währt « , meint die Mutter . Endlich muß es doch sein , es muß die Tochter gehn , aber allemal begleitet sie bis heim der gleiche Seufzer : » Wenn die Mutter nicht mehr ist , wie wird es mir sein ? « Vreneli hatte vielfach Ursache , so zu seufzen . Wenn es daheim war , so sagte es oft : » Will zur Base gehen , kann es dort vielleicht vergessen , aber wie es gehen soll , wenn ich nicht mehr dorthin kann , das weiß ich nicht . « Es war wirklich ein bös Dabeisein ; die ganze Hausgenossenschaft schien eine große Bande zu sein , Einer des Andern Feind , Einer wider alle und wiederum alle wider Einen . Sie waren vollständig in den Gesindeverruch gekommen , welcher früher schon angedeutet wurde . Was Rechtes meldete sich gar nicht mehr bei ihnen , und je schlechtere Leute Uli hatte , desto böser mußte er mit ihnen sein , desto öfter mußte er ändern , desto mühsamer und schwerer ging jede Arbeit , desto mehr ward er verrufen . Ist man mal in dieser Lage , so ist man wie verhexet , wie ein Krammetsvogel auf einer Leimrute , wie ein Mensch , der in einen Sumpf gefallen ; je mehr er zappelt , desto tiefer sinkt er ein . Es verleidete Vreneli ordentlich das Leben , wenn alle Augenblicke was Neues losbrach : eine Liebesgeschichte mit bösen Folgen , eine Diebesgeschichte , von der man nicht wußte , wie weit sie reichte , und schwer auszumitteln war , ob nicht wenigstens Hehler sei , wen man des Diebstahls nicht beschuldigen konnte , eine Vernachlässigung in den Ställen , welche Uli viel Geld kostete und fast aus der Haut trieb , oder was das Allerärgste war , Leichtfertigkeit mit dem Feuer , ob welcher das Haus in Feuer aufzugehen drohte . Bald hatte einer im Stall die Laterne geschneuzt , den glimmenden Docht ins Stroh geworfen , bald einer Heu gerüstet und Feuer drein gemacht , als er die Pfeife räumte , eine Magd heiße Asche an eine hölzerne Wand gestellt oder war