ihn auch nicht hängen ließ , so liegen doch zwischen dem Hängen und Spaßen Dinge , über die man nicht spaßen muß . Nun war er zwar schon zurückgekehrt , aber sicher ist sicherer , dachte sie , und ihr gutes Herz erlaubte ihr eine Lüge . » Ach , durchlauchtigster Herr , der ist sehr müde , er kommt heut von weit her . Da erlaubte ich ihm - « » Müde zu bleiben , « unterbrach Joachim lächelnd und warf das Handtüchlein auf den Tisch . » Da erlaubt meine freundliche Wirthin es Ihrem Gast wohl auch , sintemal er mit Eurem Vetter in einem Falle ist . Morgen , Frau von Bredow , führt ihn mir vor . Wir haben ein Gespräch zu Ende zu bringen , das seltsam genug im Walde anfing . « Und wieder sah der Fürst vor sich nieder , mit der Hand auf den Tisch gestützt , als träten abermals ernste Gedanken vor seine Seele . » Beliebt es meinem gnädigen Herrn ? « weckte ihn eine feine , wohlklingende Stimme . Er fuhr mit einem Seufzer auf und sah ein liebliches Mädchen vor sich stehen , in der einen Hand eine silberne Schüssel , in der andern eine silberne Kanne : ein weißes Linnentuch hing über ihrem Arm . Indem sie Wasser in die Schaale goß , überzog Stirn und Wangen eine helle Röthe . Joachim tauchte die Finger in die Schale und netzte sie , wie mit Wohlgefallen , in dem Wasserstrahle , den die Jungfrau darüber träufelte . Er sah ihr freundlich in das blaue Auge , aber es war kein Liebesblick . » Möge der Strahl der Gnade so klar auf Dich und mich perlen , als dieses Wasser über meine blutige Hand . « » Sie ist nicht blutig , gnädigster Herr ! « Aber ihr Gesicht ward blutroth , daß sie sich das zu sprechen unterstanden . » Nicht , Jungfrau ? Mir scheint doch , der Fleck will nicht abgehen . « » Wahrhaftig , sie ist rein . Das ist nur der Wiederschein vom Fackellicht , durchlauchtigster Herr . Morgen , bei Tageslicht , da werdet Ihr sehn , sie ist ganz rein . « » Rein , wie Dein Antlitz , und klar , wie Dein blaues Auge ? O daß es immer Tageslicht wäre ! « Der Fürst brach auf . Das Tagewerk der guten Frau von Bredow war damit nicht geendet . Was der Tag war gewesen , und was sie am Abend bis spät in der Nacht noch gethan und geschaffen , davon ließe sich wieder ein Buch schreiben , und will ' s Gott , und giebt mir Kraft dazu , und meine Leser werden nicht müde , so wird ' s Frau Brigitte ihnen selbst noch ein ander Mal erzählen , wie sie ' s ihren Enkeln und den Gästen , die brave Frau , so oft erzählt hat von ihrem Ehrentage ; und das Hauptstück davon ist , wie sie das Bett in die Halle geschafft , und ein Himmeldach darüber aufgeschlagen , ohne daß der Fürst es merkte . Und als er sich niedergelegt und schlief , wie sie da ohne Geräusch und Klappern den Abendtisch mit Flaschen und Schüsseln , mit Kerzen und Fackeln , mit Kesseln und Sesseln heimlich hinausgeschafft , und die Halle eingerichtet mit Teppichen und Vorhängen , mit Geschirr und Ampeln , mit allen Bequemlichkeiten des Lebens , daß Joachim , als er erwachte , in seinem eigenen Schlafgemach zu sein vermeinte , und dann dachte er an Zauberei , denn mit natürlichen Dingen konnte das nicht zugehn . So hat Frau von Bredow es oft erzählt und ihr Auge leuchtete dabei . » Ich war die Zauberin , allergnädigster Kurfürst , so ich es mich unterstehen darf , « hatte sie , ihre Knie bis zur Erde senkend , und die Augen niederschlagend , gesprochen . Was der Kurfürst geträumt im Bernsteindufte der Halle von Hohen-Ziatz , das weiß ich nicht . Er schlief fest . Der rechte Arm hing vom Lager herab . Wenn die Burgfrau auf den Zehen die Treppe herunterschlich , eine Hand frische Bernsteinkörner und Weihrauch auf die glimmenden Kohlen zu streuen , und die Kohlen flackerten auf , dünkte es auch sie , als wenn die Hand blutig roth sei . Leise schlich sie zur Thür hinaus , wo die Wacht stand , auf die Hellebarde gelehnt . Die Burgfrau brauchte ihn nicht zur Wachsamkeit zu ermuntern . » Keinen Fremden laß ich nicht ein ; da soll Keiner ihm ein Haar krümmen , bis er mag für sich selbst stehen . « So sprach Hans Jürgen , und wie kleidete ihn jetzt die Stahlhaube , die er nicht mehr verkehrt aufgesetzt , der verblichene Wappenrock seines Vaters , der Küraß und das lange Schwert an seiner Seite . Die Base hatte es ihm aus dem Schrank gereicht und gesprochen : » Nun thu Deinen ersten guten Dienst . « Er hatte laut geantwortet : » Das will ich , Base . « Für sich hatte er hinzugesetzt : » Aber vor den Hosen steh ich nun nicht mehr Wache ! « Es war lange nach Mitternacht , als die gute Frau von Bredow endlich zur Ruhe kam , wenn das Ruhe war . Oben im Erkerstüblein ihres Herrn , das zur Nothdurft trocken geworden , lag sie jetzt im Bette , das sie mit ihrer Eva theilen wollte , die noch das Abendgebet vor dem Crucifix sprach . Zwei hatten gut Platz , aber wo fanden ihn alle die Gedanken , die in ihr arbeiteten und hin und her schwankten , wie die Fahne des Hohenlohers über dem Kopfkissen , wenn der Wind durch die zerbrochenen Scheiben strich . - Ob sie wohl Alle gut untergebracht waren ? Ach Gott , der Herr von Holzendorf lag in der Scheune ! Zwar auf ihren besten Betten , aber doch immer in der Scheune , und