jedoch mit immer noch abgewandtem Gesicht , seine braune , schlanke Hand . » Ich erinnere mich mit Wehmuth jenes Pfades , « sagte er . » Des Grafen Schwester , so jung , so schön , so unschuldig , wie Ihr Herta beschreibt , ging ihn oft , um auf den freien Zinnen der alten Burg Unterricht in der Sternenkunde zu nehmen . Es war der Weg zu ihrem Tode ! Und nun - « Schaudernd unterbrach sich der gerührte Räuber , als habe er ein tiefes heiliges Geheimniß zu verschweigen ; dann fragte er mit einiger Hast , um das Gespräch gewaltsam auf einen andern Gegenstand zu leiten : » Ihr kommt als Abgesandter der armen Wenden , Heinrich , das Euch zugesendete Stichwort sagt es mir . Welch ein Anliegen haben sie an mich ? Was kann ich für sie thun ? Beabsichtigen sie ihren Zwingherrn zu züchtigen ? « » Ja , « sagte der Maulwurffänger , » ich komme im Auftrage dieser armen unterdrückten Leibeigenen . Sie Alle wissen , daß der plötzliche Tod des alten Erasmus den großen Grundbesitz dieses Mannes in die Hände seines Sohnes bringt . Der Graf ist ohne Testament gestorben , wenigstens hat sich keines gefunden . Magnus wird als alleiniger Sohn Universalerbe des unermeßlichen Vermögens . Er kann damit schalten und walten nach Gutdünken , er kann seine nächsten Verwandten , er kann vor Allem die arme verlassene Herta quälen , so lange es ihm Vergnügen macht , und wie ich ihn kenne , wird er es thun , wenn sie ihm nicht die Hand reicht , was er vielleicht beabsichtigt - « » Nimmermehr ! « rief der Räuber . » Herta soll eher auf den Landstraßen betteln , soll verhungern , ehe sie einen Groschen von dem Elenden annimmt ! « » Das ist ungefähr auch meine Meinung , « fuhr der Maulwurffänger fort . » Allein Ihr werdet begreifen , daß im Guten mit diesem Wütherich nichts anzufangen ist . Gesichert in seinen Rechtsansprüchen verlacht er uns Alle und thut doch , was er will . - Darum sind die Leibeigenen entschlossen , sich in Masse gegen ihn aufzulehnen , ihm einen förmlichen Vertrag abzunöthigen , der Herta ' s Zukunft sichert und ebenso der Tochter Sloboda ' s ein Jahrgeld zuspricht , und will er sich diesen Forderungen nicht fügen , im Nothfall mit Waffengewalt ihn dazu zu zwingen . Ihr aber , Herr Johannes , sollt als ein in heimlichen Belagerungen erfahrener und , wie das arme Volk am besten weiß , nicht so schlimmer Mann , als Euch die Verleumdungen der Reichen schildern , Ihr sollt diesen Aufstand leiten und ordnen . « » Hört mich an , « erwiederte der Fürst der Haide , » und wollt Ihr , daß ich gemeinschaftliche Sache mit Euch machen soll , so laßt mir freie Hand in dieser Angelegenheit . Ich mache sie ganz zu der meinigen , denn sie ist die meinige . Ich habe alte Frevel zu rächen , alte Verbrechen zu sühnen . - Ich will Beides zu vereinigen suchen . Geht , « fuhr er lebhafter fort , » geht zurück in die verfallenden Hütten des geknechteten Volkes und sagt ihm , der Johannes der Haide , ihr Fürst und Herr , käme aus der Einöde zurück , um eine neue Religion zu predigen . Sie brächte Friede den Armen und Gepeinigten , Krieg und unerbittliches Gericht den rechtlosen Unterdrückern ! Ich wolle die Leibeigenschaft vernichten oder unter ihnen kämpfend sterben ! - Sagt das Euern Freunden , Heinrich , und vergeßt nicht hinzuzufügen , daß sie von heut an gerechnet in der dritten Nacht sich bereit halten sollen ! « Statt aller Antwort drückte der Maulwurffänger dem ungewöhnlichen Räuber , dessen Schicksal ihm in seltsame Schleier gehüllt zu sein schien , herzlich die Hand , worauf von der bisher besprochenen Angelegenheit unter den beiden Männern nicht mehr die Rede war . Lips befahl der früher am Ofen beschäftigten Frau , das Abendessen aufzutragen , was sogleich ohne Widerrede geschah . Uneingeladen nahm Heinrich daran Theil , da er , wie uns bekannt ist , sich eines sehr gesunden Appetites erfreute . Erst spät in der Nacht sank der schwarze Baum wieder über die finster kräuselnde Fluth und der Maulwurffänger schritt wie ein Gespenst über die schwanke Brücke und verschwand in der jetzt von grauen Nebelwolken durchsausten Haide . Zweites Kapitel . Geheimnisse . Abgesondert von den übrigen Wohnungen des Dorfes lag das Gemeindehaus der Heimath Sloboda ' s. Auf dem Lande vertritt ein solches auch die Stelle des Kranken- und Armenhauses und wird auf Kosten der Gemeinde , zuweilen mit Zuschüssen des Gutsherrn , in baulichem Stande erhalten . Unter » baulich « versteht man nämlich in diesem Falle , daß Wände , Gebälk und Dachstuhl nicht geradezu über den Köpfen der Bewohner zusammenbrechen . Mit allen übrigen zu einem wohnlichen Hause gehörenden Dingen nimmt man es nicht allzu genau . Daher gibt es nur äußerst selten Gemeindehäuser mit ganzen Fenstern , guten Oefen , unzerbrochenen Schemeln , Bänken und Tischen . Dergleichen hält man für unnöthigen , überdies den Bewohnern solcher Gebäude nicht ziemenden Luxus . Das Gemeindehaus , von dem wir sprechen , gehörte unter die schlechtesten . Es war einstöckig , Lehmwand und Strohdach waren , jene nach außen , dieses nach innen eingesunken , so daß der Firsten eine Schlangenlinie beschrieb und die kleinen mit Spänen , Papier und Scherben verklebten Fenster jeden Augenblick auf die Straße zu fallen drohten . Von der Feuerösse waren blos noch vier stumpfe Pflöcke übrig . Ein Gewittersturm hatte das runde Schutzdach entführt und seitdem fanden Regen und Schnee ungehindert Eingang in diese Höhle der Armuth , Krankheit und Noth . Glücklicherweise war das Dorf nicht stark bevölkert , so daß die Zahl der Bewohner des Gemeindehauses sich nur auf vier Individuen belief . Zu diesen gehörte auch Sloboda ' s verwittweter Sohn , der » närrische Nathanael , «