die Begeistrung , durch die sie das Göttliche wahrnehmen , von ihnen geschieden ist , - und ich muß mich kurz fassen , sonst wollt ich mich noch besser besinnen . Die Berührung zwischen Gott und der Seele ist Musik , Gedanke ist Blüte der Geistesallheit , wie Melodie Blüte ist der Harmonie . Alles , was sich dem Menschengeist offenbart , ist Melodie in der Geistesallheit getragen , das ist Gottpoesie . Es enthüllt sich das Gefühl in ihr , sie genießend , empfindend , keimt auf in der Geistessonne , ich nenn es Liebe . Es gestaltet sich der Geist in ihr , wird Blüte der Poesie Gottes , ich nenn es Philosophie . Ich mein , wir können die Philosophie nicht fassen , erst die Blüte wird in uns . Und Gott allein ist die Geistesallheit , die Harmonie der Weisheit . - Ach , ich hab das alles nicht sagen wollen , der Kopf brennt mir , und das Herz klopft mir zu stark , wenn ich will denken , als daß ich deutlich sein könnt . Ich wollt vom Reimen sprechen . Mir kommen Reime kleinlich vor , so wie ich sie bilden soll , ich denke immer : ach , der Gedanke will wohl gar nicht gereimt sein , oder er will wo anders hinaus , und ich stör ihn nur , - was soll ich seine Äste verbiegen , die frei in die Luft hinausschwanken und allerlei feinfühlig Leben einsaugen , was liegt mir doch daran , daß es symmetrisch verputzt sei ! Ich schweife gern zwischen wildem Gerank , wo hie und da ein Vogel herausflattert und mich anmutig erschreckt oder ein Zweig mir an die Stirne schnellt und mich gedankenwach macht , wo mich die alte Leier eingeschläfert hätt . - Und ist nicht vielleicht die Gedankenseele selbst Rhythmus , der die Sinne lenkt ; und sollen wir dem nicht nachstreben ? Nun kurz , aus meinem Gedicht ist nichts geworden , wie hätt ich unsre orangenblühende Nacht , unsre selige Alleinigkeit verpfuschen sollen , sie , die in jeder verlebten Minute jenes Gefühl aussprach , was ich da oben Gottpoesie , Weisheitsgefühl nenne . - Nein , ich wollt nicht ein so süß Dämmern zu einzelnen Gedankenschatten zusammenballen . Laß es fortdämmern oder sich verflüchtigen ; aber nicht in engherzige Verse einklammern , was so weiche Zweige in die Luft ausstreckt , laß es fortblühen , bis es welkt ; Du siehst , ich mache mir diese poetischen Unbemerkungen ( Ungeheuer ) bloß in Beziehung auf mich , ich lieb die Poesie , sie erfüllt mich in Dir und in andern mit Begeistrung , aber nicht in mir . Als der Clemens mich aus der Prison entließ , hatte ich das Märchen gereimt von der alten Frau Hoch , vom Hofnarren , der seinem König lehrt Fische fangen , und ihn selber im Hamen fängt und ins Wasser taucht und sagt , so fangen die Narren Fische , aber der König im Hamen wird keinen fangen . Im Puppenspiel war Clemens von beseligtem Humor , die Witze echappierten ihm , wie wenn ein Feuerwerk ihm in der Tasche sich entzündet hätt , jeden Augenblick flog eine Rakete auf , bis endlich das Puppenspiel ihn übermannte , wo er vor Lachen nicht mehr witzig sein konnt . Gestern wanderten wir durch die Judengasse , es liefen so viel sonderbare Gestalten herum und verschwanden wieder , daß man an Geister glauben muß , es ward schon dämmerig , und ich bat , daß wir nach Haus gehen wollten , der Clemens rief immer : seh den , seh da , seh dort , wie der aussieht , und es war , als liefen sie mir alle nach , ich war sehr froh , als wir zu Haus waren . Leb wohl , es ist mir nicht geheuer , daß Du nicht da bist , wo ich mich erholen kann , wo ich zu mir selbst komme ; es ist mir so fremd . - Bettine An die Bettine Liebe Bettine , so wie Dein Brief anfängt mit den tausend Grüßen von Clemens , so beantworte sie ihm doch auch in meinem Namen , es tut mir auch recht leid , daß ich nicht mit Euch bin , allein die Luft und die Trauben tun meinen Augen so gut und ist mir wohltätig im ganzen . - Obschon mich Euer Treiben höchlich ergötzen würde und namentlich das Puppenspiel ; - ich übergehe alles , - was Du vom Rhythmus sagst , leg ich Dir so aus : Du ahnest ein höheres rhythmisches Gesetz , einen Rhythmus , der Geist ist im Geist , der den Geist aufregt und zu neuen Offenbarungen leitet , Du glaubst , daß der Reim die geringste , ja oft erniedrigende Stufe dieses metrischen Sprachgeistes ist und oft die Ahnung oder die Gewalt des Gedankens brechen könnte , daß der sich nicht zu jener Höhe entwickelt , zu der er ursprünglich berufen war - das will ich nicht widersprechen , denn Du kannst recht haben ; nämlich , Du kannst recht haben , daß es ein höheres musikalisches Gesetz gebe , daß die Anlage zu diesem in jedem freien Gedanken liege und durch den Versbau mehr oder weniger unterdrückt werde . Du wirst aber auch zugeben , daß im Dichter auch eine Begeistrung waltet , die von höherer Macht zeugt , da diese kindlichen Gesetze , zu denen er sich bequemt , ihn grade zur Kunst anleiten , die an sich schon ein höherer Instinkt ist . Du sagst zwar in bezug auf Kunst , das Machwerk der Menschen behindre überall den Lebensgeist , das glaube doch ja nicht , daß jene , die vielleicht kein hohes Genie im Gedicht entwickeln , nicht hierdurch zu Höherem gebracht würden ; denn erst werden sie doch auf eine Kunst vorbereitet , sie haben eine Anschauung von Gedanken oder Gefühlen , die durch Kunstform eine höhere sittliche Würde erlangen oder behaupten ,