furchtsam weggekrümmt ; einige Schritte von ihm der alte Erich , die weißen Haare wie Borsten emporgesträubt , die Büchse im Anschlage haltend . Mechanisch warf sich Hermann zwischen seinen Oheim und den wütenden Greis . » Laß ab ! « rief er . Der Alte schien durch Hermanns Entschlossenheit außer Fassung zu geraten , ließ die Büchse sinken und schlug sich vor die Stirne . » Unglücklicher , was wolltest du tun ! « sagte Hermann , schritt beherzt auf den Alten zu und nahm ihm , ohne Widerstand zu finden , das tödliche Gewehr ab . » Das Haus meines Herrn beschützen « , versetzte dumpf und kalt Erich . » Sie sollen nicht sitzen , wo meine Herrn gesessen haben . « Es kamen Menschen . Der Amtmann war es und der Gerichtshalter mit seinen Dienern . » Da steht der Mörder ! « rief der Amtmann überlaut . » Assassinat ! « sagte der Gerichtshalter . » Ergreift ihn und bringt ihn in das Gefängnis . Einer aber gehe sofort und zeige es Seiner Durchlaucht an . « - » Halt ! « rief Hermann . » Tun Sie , was Ihres Amts ist , aber niemand soll heute abend von diesem Vorfalle etwas erfahren ; am wenigsten der Herzog . Das Fest darf nicht gestört werden , und ich mache Sie dafür verantwortlich , daß Ihre Leute schweigen . « » Mein Herr « , versetzte der Gerichtshalter , und warf sich in die Brust , » wer gibt Ihnen das Recht , mir Befehle zu erteilen ? « » Sie gehorchen ! « sagte Hermann fest . Der Alte sah ihn an , erhob die Stimme und rief : » Zanke nicht mit einem Gewaltigen , daß du ihm nicht in die Hände fallest . Viele Tyrannen haben müssen herunter , und ist dem die Krone aufgesetzt worden , auf den man nicht gedacht hätte . « Der Gerichtshalter , welcher von Natur verlegen und ängstlich war , bedachte sich einige Augenblicke , dann sagte er zu seinen Leuten : » Es mag so geschehn . Führt ihn auf Umwegen , wo niemand ihn sieht , nach dem Gefängnis , und keiner rede von der Sache . « Als der Alte abgeführt worden war , wandte sich Hermann zu seinem Oheim , der sich kaum auf den Füßen halten konnte . Er verlangte nach dem Gasthofe , schweigend führte ihn der Neffe dorthin . Er erkundigte sich mit Schonung nach dem Hergange ; der Oheim wußte ihm aber weiter nichts zu sagen , als daß jener Unselige , der ihnen nachgeschlichen sein müsse , plötzlich hinter den Bäumen , das Mordgewehr auf ihn gerichtet , hervorgetreten sei , ihn mit furchtbaren Drohworten aus den Propheten anfahrend . Der Amtmann habe gleich die Flucht ergriffen , und ihn dem Grimme des Alten überlassen . Er ließ Postpferde bestellen . Hermann suchte alles mögliche auf , ihn von dem Entschlusse zu einer nächtlichen Reise nach solcher Alteration abzubringen , und führte ihm endlich den Plan , mit dem er hieher gekommen , in die Erinnerung zurück . » Das ist vorbei « , sagte der Oheim . » Fernerhin soll zwischen mir und dieser Mördergrube nur von Recht und Gerechtigkeit die Rede sein . « Als Hermann bestürzt seinen Verwandten in den Wagen gehoben hatte , ging er nach der Wohnung des Gerichtshalters , bei welcher sich auch die Gefängnisse befanden . Er erhielt Einlaß in den Kerker des alten Erich , konnte aber mit diesem nichts beginnen , denn der Alte war , als habe er nichts begangen , fest eingeschlafen . Der Gerichtshalter erzählte aus einem kurzen Verhöre , welches er sogleich mit ihm angestellt , folgendes : Er sei dem Amtmann und dem Kommerzienrate nachgegangen , ohne zu wissen , warum ? habe ein abscheuliches Gespräch zwischen beiden belauscht und dann gesehen , wie der Kommerzienrat sich auf den Hügel gestellt , die Arme ausstreckend , und andeutend , wie und wo er niederreißen , zerstören und bauen lassen wolle , wenn er hier Herr werde . Da sei ihm jener wie der Teufel vorgekommen , der die Hand zum Verderben über eine ganze Gegend ausrecke , und er habe es für nichts Böses gehalten , den Teufel totzuschießen . Hermann sagte zu dem Gerichtshalter , daß er es übernehme , den Herzog von diesen finstern Dingen zu benachrichtigen , und gebot ihm , den Alten mit Schonung zu behandeln . Er eilte nach dem Schlosse , sehr in Sorgen , daß doch eine Kunde bis dahin dringen werde . Es war völlig Nacht geworden . In den Alleen um das Schloß waren alle Lampen angezündet worden , welche , farbig , ein magisches Regenbogenlicht umherstreuten . Vor dem Portale brannten mächtige Pechpfannen , alle Fenster waren hell erleuchtet , aus dem Innern erscholl die rauschende Tanzmusik . Er schritt , geblendet von dem Glanze , die Treppen hinauf , und stellte sich an den Eingang des Saals . In dem Lichte der Lustres und Kronleuchter bewegten sich die glänzenden und bunten Gestalten , für deren Menge der große Ahnensaal doch fast zu klein war . Es war das prachtvollste Gewimmel , welches seine Augen je gesehen hatten . Auch der Herzog war , zum großen Erstaunen seiner Gemahlin , verwandelt , in dem geheim zubereiteten Schmucke unter die Gäste getreten . Er strahlte , mit Diamanten bedeckt , in einem roten hermelinumfaßten Mantel . Die Augen der Damen folgten , nicht zum Verdrusse der Fürstin , der hohen stattlichen Gestalt . Als er Hermann an der Tür bemerkte , winkte er ihm , in den Saal zu treten . Dieser aber verblieb , wo er war , jeden Hineingehenden sorglich anblickend , ob er auch nicht unvorsichtigerweise die Nachricht bringen werde , wie das Entsetzliche sich diesem schönen Scheine so nahe geschlichen habe . So stand er in seinem schlichten Frack einen Teil der Nacht durch als treuer Wächter an der Schwelle