Die Bildhauerkunst muß sich daher noch ein stoffartiges Interesse suchen , und das findet sie in den Bildnissen bedeutender Menschen . Aber auch hier muß sie schon einen hohen Grad erreichen , wenn sie zugleich wahr und würdig sein will . Die Malerei ist die läßlichste und bequemste von allen Künsten . Die läßlichste , weil man ihr um des Stoffes und des Gegenstandes willen , auch da , wo sie nur Handwerk oder kaum eine Kunst ist , vieles zugute hält und sich an ihr erfreut ; teils weil eine technische obgleich geistlose Ausführung den Ungebildeten wie den Gebildeten in Verwunderung setzt , so daß sie sich also nur einigermaßen zur Kunst zu steigern braucht , um in einem höheren Grade willkommen zu sein . Wahrheit in Farben , Oberflächen , in Beziehungen der sichtbaren Gegenstände aufeinander ist schon angenehm ; und da das Auge ohnehin gewohnt ist , alles zu sehen , so ist ihm eine Mißgestalt und also auch ein Mißbild nicht so zuwider als dem Ohr ein Mißton . Man läßt die schlechteste Abbildung gelten , weil man noch schlechtere Gegenstände zu sehen gewohnt ist . Der Maler darf also nur einigermaßen Künstler sein , so findet er schon ein größeres Publikum als der Musiker , der auf gleichem Grade stünde ; wenigstens kann der geringere Maler immer für sich operieren , anstatt daß der mindere Musiker sich mit anderen soziieren muß , um durch gesellige Leistung einigen Effekt zu tun . Die Frage : ob man bei Betrachtung von Kunstleistungen vergleichen solle oder nicht , möchten wir folgendermaßen beantworten : Der ausgebildete Kenner soll vergleichen ; denn ihm schwebt die Idee vor , er hat den Begriff gefaßt , was geleistet werden könne und solle ; der Liebhaber , auf dem Wege zur Bildung begriffen , fördert sich am besten , wenn er nicht vergleicht , sondern jedes Verdienst einzeln betrachtet ; dadurch bildet sich Gefühl und Sinn für das Allgemeinere nach und nach aus . Das Vergleichen der Unkenner ist eigentlich nur eine Bequemlichkeit , die sich gern des Urteils überheben möchte . Wahrheitsliebe zeigt sich darin , daß man überall das Gute zu finden und zu schätzen weiß . Ein historisches Menschengefühl heißt ein dergestalt gebildetes , daß es bei Schätzung gleichzeitiger Verdienste und Verdienstlichkeiten auch die Vergangenheit mit in Anschlag bringt . Das Beste , was wir von der Geschichte haben , ist der Enthusiasmus , den sie erregt . Eigentümlichkeit ruft Eigentümlichkeit hervor . Man muß bedenken , da unter den Menschen gar viele sind , die doch auch etwas Bedeutendes sagen wollen , ohne produktiv zu sein , und da kommen die wunderlichsten Dinge an den Tag . Tief und ernstlich denkende Menschen haben gegen das Publikum einen bösen Stand . Wenn ich die Meinung eines andern anhören soll , so muß sie positiv ausgesprochen werden ; Problematisches hab ' ich in mir selbst genug . Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich , wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt , in die wunderlichsten Ecken und Winkel , von wo er auf einmal , wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt , wieder hervortritt . Wir würden gar vieles besser kennen , wenn wir es nicht zu genau erkennen wollten . Wird uns doch ein Gegenstand unter einem Winkel von fünfundvierzig Graden erst faßlich . Mikroskope und Fernröhre verwirren eigentlich den reinen Menschensinn . Ich schweige zu vielem still , denn ich mag die Menschen nicht irremachen und bin wohl zufrieden , wenn sie sich freuen da wo ich mich ärgere . Alles , was unsern Geist befreit , ohne uns die Herrschaft über uns selbst zu geben , ist verderblich . Das Was des Kunstwerks interessiert die Menschen mehr als das Wie ; jenes können sie einzeln ergreifen , dieses im ganzen nicht fassen . Daher kommt das Herausheben von Stellen , wobei zuletzt , wenn man wohl aufmerkt , die Wirkung der Totalität auch nicht ausbleibt , aber jedem unbewußt . Die Frage : woher hat ' s der Dichter ? geht auch nur aufs Was , vom Wie erfährt dabei niemand etwas . Einbildungskraft wird nur durch Kunst , besonders durch Poesie geregelt . Es ist nichts fürchterlicher als Einbildungskraft ohne Geschmack . Das Manierierte ist ein verfehltes Ideelle , ein subjektiviertes Ideelle ; daher fehlt ihm das Geistreiche nicht leicht . Der Philolog ist angewiesen auf die Kongruenz des Geschrieben-Überlieferten . Ein Manuskript liegt zum Grunde , es finden sich in demselben wirkliche Lücken , Schreibfehler , die eine Lücke im Sinne machen , und was sonst alles an einem Manuskript zu tadeln sein mag . Nun findet sich eine zweite Abschrift , eine dritte ; die Vergleichung derselben bewirkt immer mehr , das Verständige und Vernünftige der Überlieferung gewahr zu werden . Ja er geht weiter und verlangt von seinem innern Sinn , daß derselbe ohne äußere Hülfsmittel die Kongruenz des Abgehandelten immer mehr zu begreifen und darzustellen wisse . Weil nun hiezu ein besondrer Takt , eine besondre Vertiefung in seinen abgeschiedenen Autor nötig und ein gewisser Grad von Erfindungskraft gefordert wird , so kann man dem Philologen nicht verdenken , wenn er sich auch ein Urteil bei Geschmackssachen zutraut , welches ihm jedoch nicht immer gelingen wird . Der Dichter ist angewiesen auf Darstellung . Das Höchste derselben ist , wenn sie mit der Wirklichkeit wetteifert , d.h. wenn ihre Schilderungen durch den Geist dergestalt lebendig sind , daß sie als gegenwärtig für jedermann gelten können . Auf ihrem höchsten Gipfel scheint die Poesie ganz äußerlich ; je mehr sie sich ins Innere zurückzieht , ist sie auf dem Wege zu sinken . - Diejenige , die nur das Innere darstellt , ohne es durch ein Äußeres zu verkörpern , oder ohne das Äußere durch das Innere durchfühlen zu lassen , sind beides die letzten Stufen , von welchen aus sie ins gemeine Leben hineintritt . Die Redekunst ist angewiesen auf alle Vorteile der Poesie , auf