Schiffer schwand , Stieg sie vom Schloß herunter , Bis sie im Garten stand . Die Spielleut musizierten , Sie sann gar mancherlei , Die Töne sie so rührten , Als müßt das Herz entzwei . Da trat ihr Bräut ' gam süße Zu ihr aus stiller Nacht , So freundlich er sie grüßte , Daß ihr das Herze lacht . Er sprach : » Was willst du weinen , Weil alle fröhlich sein ? Die Stern so helle scheinen , So lustig geht der Rhein . Das Kränzlein in den Haaren Steht dir so wunderfein , Wir wollen etwas fahren Hinunter auf dem Rhein . « Zum Kahn folgt ' sie behende , Setzt ' sich ganz vorne hin , Er setzt ' sich an das Ende Und ließ das Schifflein ziehn . Sie sprach : » Die Töne kommen Verworren durch den Wind , Die Fenster sind verglommen , Wir fahren so geschwind . Was sind das für so lange Gebirge weit und breit ? Mir wird auf einmal bange In dieser Einsamkeit ! Und fremde Leute stehen Auf mancher Felsenwand , Und stehen still und sehen So schwindlig übern Rand . « - Der Bräut ' gam schien so traurig Und sprach kein einzig Wort , Schaut in die Wellen schaurig Und rudert immerfort . Sie sprach : » Schon seh ich Streifen So rot im Morgen stehn , Und Stimmen hör ich schweifen , Am Ufer Hähne krähn . Du siehst so still und wilde , So bleich ist dein Gesicht , Mir graut vor deinem Bilde - Du bist mein Bräut ' gam nicht ! « - Ich bitte dich um Gottes willen , unterbrach mich hier Angelina dringend , nimm die Larve ab , ich fürchte mich vor dir . - Laß das , sagte ich abwehrend , es gibt fürchterliche Gesichter , die das Herz in Stein verwandeln , wie das Haupt der Medusa . - Ich hatte fast zu viel gesagt und griff rasch wieder in die Saiten : Da stand er auf - das Sausen Hielt an in Flut und Wald - Es rührt mit Lust und Grausen Das Herz ihr die Gestalt . Und wie mit steinern ' n Armen Hob er sie auf voll Lust , Drückt ihren schönen , warmen Leib an die eis ' ge Brust . Licht wurden Wald und Höhen , Der Morgen schien blutrot , Das Schifflein sah man gehen , Die schöne Braut drin tot . Kaum hatte ich noch die letzte Strophe geendigt , als Angelina mit einem lauten Schrei neben mir zu Boden fiel . Ich schaue ringsum und erblicke mein eigenes , leibhaftiges Konterfei im Eingange des Bosketts : dieselbe schwarze Rittermaske , die nämliche Größe und Gestalt . - Laß mein Weib , verführerisches Blendwerk der Hölle ! rief die Maske außer sich , und stürzte mit blankem Schwerte so wütend auf mich ein , daß ich kaum Zeit genug hatte , meinen eigenen Degen zu ziehn . Ich erstaunte über die Ähnlichkeit seiner Stimme mit der meinigen , und begriff nun , daß mich Angelina für diesen ihren Mann gehalten hatte . In der Bewegung des Gefechts war ihm indes die Larve vom Gesicht gefallen , und ich erkannte mit Grausen den fürchterlichen Unbekannten wieder , dessen Schreckbild mich durchs ganze Leben verfolgt . Mir fiel die Prophezeiung ein . Ich wich entsetzt zurück , denn er focht unbesonnen in blinder Eifersucht und ich war im Vorteil . Aber es war zu spät , denn in demselben Augenblicke rannte er sich wütend selber meine Degenspitze in die Brust und sank tot nieder . Mein dunkler , wilder , halb unwillkürlicher Trieb war nun erfüllt . Finsterer , als die Nacht um mich , eilte ich den Garten hinab . Ein Kahn stand unten am Ufer des Stromes angebunden . Ich stieg hinein und ließ ihn den Strom hinabfahren . Die Nacht verging , die Sonne ging auf und wieder unter , ich saß und fuhr noch immerfort . Den andern Morgen verlor sich der Strom zwischen wilden , einsamen Wäldern und Schluchten . Der Hunger trieb mich ans Land . Es war diese Gegend hier . Ich fand nach einigem Herumirren das Schloß , das ihr gesehen . Ein alter , verrückter Einsiedler wohnte damals darin , von dessen früherem Lebenslaufe ich nie etwas erfahren konnte . Es gefiel mir gar wohl in dieser Wüste und ich blieb bei ihm . Kurze Zeit darauf starb der Alte und hinterließ mir seine alten Bücher , sein verfallenes Schloß und eine Menge Goldes in den Kellern . Ich hätte nun wieder in die Welt zurückkehren können mit dem Schatze zum allgemeinen Nutzen und Vergnügen . Aber ich passe nirgends mehr in die Welt hinein . Die Welt ist ein großer , unermeßlicher Magen und braucht leichte , weiche , bewegliche Menschen , die er in seinen vielfach verschlungenen , langweiligen Kanälen verarbeiten kann . Ich tauge nicht dazu , und sie wirft solche Gesellen wieder aus , wie unverdauliches Eisen , fest , kalt , formlos und ewig unfruchtbar . « - So endigte Rudolf seine Erzählung , welche die beiden Grafen in eine nachdenkliche Stille versenkt hatte . Leontin hatte sich , als Rudolf das Schloß der Angelina beschrieb , an jenen kurzen Besuch erinnert , den er nach dem Brande mit Friedrich auf dem Schlosse der weißen Frau abgelegt , und konnte sich der Vermutung nicht erwehren , daß diese vielleicht Angelina selber war . - Es war unterdes dunkel geworden , der Mond trat eben über den einsamen Bergen hervor . » Ihr wißt nun alles , gute Nacht ! « sagte Rudolf schnell und ging von ihnen fort . Sie sahen ihm lange nach , wie sein langer , dunkler Schatten sich zwischen den hohen Bäumen verlor . Als sie wieder oben in ihrem Zimmer waren , ergriff Leontin Mariens Gitarre , die sie dort vergessen hatte , und sang über den stillen Kreis der Wälder