nicht durch das Sakrament der heiligen Taufe in den Schoß der Kirche aufgenommen , denn getauft war schon das Kind , dessen Tod ihr Leben erhielt . Aurelie hat sich nach mehreren Jahren mit dem Baron von F. vermählt ; zwei Kinder , Hermogen und Aurelie , sind die Frucht dieser Vermählung . Die ewige Macht des Himmels hatte es mir vergönnt , daß , als der Prinz mit Francesko ( so nannte er den Franz auf italienische Weise ) nach der Residenzstadt des fürstlichen Bruders zu gehen gedachte , ich zu ihnen treten und mitziehen durfte . Mit kräftigem Arm wollte ich den schwankenden Francesko erfassen , wenn er sich dem Abgrunde nahte , der sich vor ihm aufgetan . Törichtes Beginnen des ohnmächtigen Sünders , der noch nicht Gnade gefunden vor dem Throne des Herrn ! - Francesko ermordete den Bruder , nachdem er an Giazinta verruchten Frevel geübt ! Franceskos Sohn ist der unselige Knabe , den der Fürst unter dem Namen des Grafen Viktorin erziehen läßt . Der Mörder Francesko gedachte sich zu vermählen mit der frommen Schwester der Fürstin , aber ich vermochte dem Frevel vorzubeugen in dem Augenblick , als er begangen werden sollte an heiliger Stätte . Wohl bedurfte es des tiefen Elends , in das Franz versank - nachdem er , gefoltert von dem Gedanken nie abzubüßender Sünde , entflohen - um ihn zur Reue zu wenden . Von Gram und Krankheit gebeugt , kam er auf der Flucht zu einem Landmann , der ihn freundlich aufnahm . Des Landmanns Tochter , eine fromme , stille Jungfrau , faßte wunderbare Liebe zu dem Fremden und pflegte ihn sorglich . So geschah es , daß , als Francesko genesen , er der Jungfrau Liebe erwiderte , und sie wurden durch das heilige Sakrament der Ehe vereinigt . Es gelang ihm , durch seine Klugheit und Wissenschaft sich aufzuschwingen und des Vaters nicht geringen Nachlaß reichlich zu vermehren , so daß er viel irdischen Wohlstand genoß . Aber unsicher und eitel ist das Glück des mit Gott nicht versöhnten Sünders . Franz sank zurück in die bitterste Armut , und tötend war sein Elend , denn er fühlte , wie Geist und Körper hinschwanden in kränkelnder Siechheit . Sein Leben wurde eine fortwährende Bußübung . Endlich sandte ihm der Himmel einen Strahl des Trostes . - Er soll pilgern nach der heiligen Linde , und dort wird ihm die Geburt eines Sohnes die Gnade des Herrn verkünden . In dem Walde , der das Kloster zur heiligen Linde umschließt , trat ich zu der bedrängten Mutter , als sie über dem neugebornen vaterlosen Knäblein weinte , und erquickte sie mit Worten des Trostes . - Wunderbar geht die Gnade des Herrn auf dem Kinde , das geboren wird in dem segensreichen Heiligtum der Gebenedeiten ! Oftmals begibt es sich , daß das Jesuskindlein sichtbarlich zu ihm tritt und früh in dem kindischen Gemüt den Funken der Liebe entzündet . - Die Mutter hat in heiliger Taufe dem Knaben des Vaters Namen , Franz , geben lassen ! - Wirst du es denn sein , Franziskus , der , an heiliger Stätte geboren , durch frommen Wandel den verbrecherischen Ahnherrn entsündigt und ihm Ruhe schafft im Grabe ? Fern von der Welt und ihren verführerischen Lockungen , soll der Knabe sich ganz dem Himmlischen zuwenden . Er soll geistlich werden . So hat es der heilige Mann , der wunderbaren Trost in meine Seele goß , der Mutter verkündet , und es mag wohl die Prophezeiung der Gnade sein , die mich mit wundervoller Klarheit erleuchtet , so daß ich in meinem Innern das lebendige Bild der Zukunft zu erschauen vermeine . Ich sehe den Jüngling den Todeskampf streiten mit der finstern Macht , die auf ihn eindringt mit furchtbarer Waffe ! - Er fällt , doch ein göttlich Weib erhebt über sein Haupt die Siegeskrone ! - Es ist die heilige Rosalia selbst , die ihn errettet ! - So oft es mir die ewige Macht des Himmels vergönnt , will ich dem Knaben , dem Jünglinge , dem Manne nahe sein und ihn schützen , wie es die mir verliehene Kraft vermag . - Er wird sein wie - Anmerkung des Herausgebers Hier wird , günstiger Leser , die halb erloschene Schrift des alten Malers so undeutlich , daß weiter etwas zu entziffern ganz unmöglich ist . Wir kehren zu dem Manuskript des merkwürdigen Kapuziners Medardus zurück . Dritter Abschnitt Die Rückkehr in das Kloster Es war so weit gekommen , daß überall , wo ich mich in den Straßen von Rom blicken ließ , einzelne aus dem Volk still standen und in gebeugter , demütiger Stellung um meinen Segen baten . Mocht ' es sein , daß meine strenge Bußübungen , die ich fortsetzte , schon Aufsehen erregten , aber gewiß war es , daß meine fremdartige , wunderliche Erscheinung den lebhaften phantastischen Römern bald zu einer Legende werden mußte , und daß sie mich vielleicht , ohne daß ich es ahnte , zu dem Helden irgend eines frommen Märchens erhoben hatten . Oft weckten mich bange Seufzer und das Gemurmel leiser Gebete aus tiefer Betrachtung , in die ich , auf den Stufen des Altars liegend , versunken , und ich bemerkte dann , wie rings um mich her Andächtige knieten und meine Fürbitte zu erflehen schienen . So wie in jenem Kapuzinerkloster hörte ich hinter mir rufen : il Santo ! - und schmerzhafte Dolchstiche fuhren durch meine Brust . Ich wollte Rom verlassen , doch wie erschrak ich , als der Prior des Klosters , in dem ich mich aufhielt , mir ankündigte , daß der Papst mich hätte zu sich gebieten lassen . Düstre Ahnungen stiegen in mir auf , daß vielleicht aufs neue die böse Macht in feindlichen Verkettungen mich festzubannen trachte , indessen faßte ich Mut und ging zur bestimmten Stunde nach dem Vatikan . Der Papst , ein wohlgebildeter Mann , noch in den Jahren