; neue Wunden schwächen das Bluten der ältesten . Ferner : am Mißgeschick der Neigungs-Ehen ist eben ihr Verwehren und euer Krieg gegen die Verehlichten schuld . - Ferner : jede Zwangs-Ehe ist ja meistens zur Hälfte eine Neigungs-Ehe . Endlich : die besten Ehen sind im mittlern Stand , wo mehr die Liebe , und die schlechtesten in den höhern , wo die Rücksicht bindet ; und sooft in diesen ein Fürst bloß mit seinem Herzen wählte , so erhielt er eines , und er verlor und betrog es nie . - - Welches ist denn nun die Hand , in welche ihr so oft die schönste , feinste , reichste , aber widersträubende presset ? Gewöhnlich eine schwarze , alte , welke , gierige . Denn veraltete , reiche oder steigende Libertins haben zu viel Kenntnis , Sättigung und Freiheit , um sich andere Wesen zu stehlen als die herrlichsten ; die minder vollkommnen fallen bloß Liebhabern anheim . Aber wie niedrig ist ein Mann , der , verlassen vom eignen Wert , bloß vom fremden Machtgebot beschützt , sein Glück bezahlend mit einem gestohlnen , nun die unbeschirmte Seele von einer geliebten nachweinenden in ein langes kaltes Leben wegschleppen und sie in seine Arme wie in frostige Schwerter drücken und sie darin so nahe an seinem Auge blutend erbleichen und zucken sehen kann ! - Der Mann von Ehre gibt schon errötend , aber er nimmt nicht errötend ; und der bessere Löwe , der tierische , schonet das Weib107 ; aber diese Seeleneinkäufer erpressen vom bezwungnen Wesen noch zuletzt das Zeugnis der Freiwilligkeit . Mutter des armen Herzens , das du durch Unglück beglücken willst , höre du mich ! Gesetzt , deine Tochter härte sich ab gegen das aufgedrungene Elend : hast du ihr nicht den reichen Traum des Lebens zum leeren Schlafe gemacht und ihr daraus die glückseligen Inseln der Liebe genommen und alles , was auf ihnen blüht , die schönen Tage , wo man sie betritt , und das ewige frohe Umsehen nach ihnen , wenn sie schon tief im Horizonte mit ihren blühenden Gipfeln liegen ? Mutter , war diese frohe Zeit in deiner Brust , so nimm sie der Tochter nicht ; und war sie dir grausam entzogen , so denk an deinen bittersten Schmerz und erb ' ihn nicht fort . Gesetzt ferner , sie macht den Entführer ihrer Seele glücklich , rechne nun , was sie für den Liebling derselben gewesen wäre und ob sie dann nichts verdiene , als den zu ihr von einer Gefängnistüre auf immer eingeschlossenen Kerkermeister zu ergötzen ! Aber so gut ists selten ; - du wirst ein doppeltes Mißgeschick auf deine Seele häufen , den langen Schmerz der Tochter , das Erkalten des Gatten , der später die Weigerungen fühlt und rügt . - Du hast die Zeit verschattet , wo der Mensch am ersten Morgensonne braucht , die Jugend . O macht lieber alle andere Tageszeiten des Lebens trübe - sie sind sich alle ähnlich , das dritte und das vierte und fünfte Jahrzehend - , nur bei Sonnenaufgang lasset es nicht ins Leben regnen ; nur diese einzige , nie umkehrende , unersetzliche Zeit verfinstert nicht . Aber wie , wenn du nicht bloß Freuden , Verhältnisse , eine glückliche Ehe , Hoffnungen , eine ganze Nachkommenschaft für deine Plane und Befehle opfertest , sondern das Wesen selber108 , das du zwingst ? Wer kann dich rechtfertigen oder deine Tränen trocknen , wenn die beste Tochter - denn gerade diese wird gehorchen , schweigen und sterben , wie den Mönchen von La Trappe ihr Kloster niederbrennt , ohne daß einer das Gelübde des Schweigens bricht109 - wenn sie , sag ' ich , wie eine Frucht halb vor der Sonne , halb im Schatten , nach außen hin blüht und nach innen kalt erbleicht , wenn sie , ihrem entseelten Herzen nachsterbend , dir endlich nichts mehr verhehlen kann , sondern jahrelang die Blässe und die Schmerzen des Unterganges mitten im Aufgange des Lebens herumträgt - und wenn du sie nicht trösten darfst , weil du sie zerstöret hast und dein Gewissen den Namen Kindermörderin nicht verschweigt - und wenn nun endlich das ermüdete Opfer vor deinen Tränen daliegt und das ringende Wesen so bang und früh , so matt und doch lebensdurstig , vergebend und klagend , mit brechenden und sehnsüchtigen Blicken peinlich-verworren und streitend in den bodenlosen Todesfluß mit den blühenden Gliedern untersinkt : o schuldige Mutter am Ufer , die du sie hineingestoßen , wer will dich trösten ? - Aber eine schuldlose würde ich rufen und ihr das schwere Sterben zeigen und sie fragen : soll dein Kind auch so untergehen ? - 59. Zykel Es war ein romantischer Tag für Zesara , sogar von außen ; Sonnenfunken und Regentropfen spielten blendend durch den Himmel . Er hatte einen Brief von seinem Vater aus Madrid bekommen , der auf den gedrohten Tod seiner Schwester endlich das schwarze Siegel der Gewißheit drückte und worin nichts Angenehmes war als die Nachricht , daß Don Gaspard mit der Gräfin de Romeiro , deren Vormundschaft er nun schließe , in dem Herbste ( dem italienischen Frühling ) nach Italien gehe . Zwei Töne waren ihm aus der Tonleiter der Liebe gerissen : er erfuhr nie , wie man einen Bruder liebe und eine Schwester . Das Zusammentreffen ihrer Sterbenacht mit der Tartarus-Nacht , dieses ganze Einkrallen in die heiligen Bilder und Wünsche seines Herzens empörte seinen Geist , und er fühlte zornig , wie ohnmächtig eine ganze antastende Welt Lianens Bild in ihm wegzurücken suche ; und fühlte wieder schmerzlich , daß eben diese Liane selber an ihr nahes Vergehen glaube . - So fand ihn eine unerwartete Einladung von der - Ministerin selber - - Sonnenfunken und Regentropfen spielten auch in seinem Himmel . - Er flog ; im Vorzimmer stand der Engel , der die sechs apokalyptischen Siegel erbrach - Rabette . Sie war ihm entgegengelaufen aus Scheu