findet er noch Gnade vor Ihren Augen ? « Die junge Frau schwieg . Sie hatte ja nichts gesehen von all der Frühlingspracht ringsum , nicht auf ihrer Fahrt durch Deutschland , nicht auf dem Wege hierher . Vor ihrer Seele stand nur das eine , Furchtbare : die Todesgefahr des Mannes , den sie liebte – wie sehr , das hatte ihr die Stunde gezeigt , in der sie jene Nachricht empfing . Jetzt hob sie das Auge zu ihm empor , mit einem tiefen Atemzuge der Erlösung , und dann floh es doch wieder scheu das seinige und schweifte hinaus in den sonnigen Forst , jetzt erst sah sie , daß es Lenz geworden war in der Welt . Hier freilich zeigte sich kein südliches Landschaftsbild mit Lorbeeren und Cypressen , keine mächtigen Berggipfel ragten auf , kein tiefblaues Meer wogte fern am Horizonte , aber hier rauschte ein deutscher Wald in seinem lichten Maiengewande . Durch die zartgrünen Schleier des jungen Laubes blickte der klare Frühlingshimmel mit den weißen Wolken , die hoch oben dahinschifften , und der Sonnenschein flutete herein und durchleuchtete den ganzen Wald mit goldigem Schimmer . Von allen Zweigen sang und klang es mit süßem Gezwitscher , mit hellem Lockruf , mit jubelndem Finkenschlag , und in den Gebüschen ringsum regte sich ein Wehen , ein Summen und Schwirren ohne Ende . Und inmitten dieses Waldwebens rauschte und rieselte der einsame Quell , der da aus dem Gestein hervorbrach mit seinem hellen Wasserstrahl , überschattet von den blühenden Wildrosen . Es klang und flüsterte in diesem Rauschen geheimnisvoll , aber deutlich vernehmbar für die beiden , die sich hier so nahe und doch so fern gegenüberstanden : Habt acht ! Laßt die Schicksalsstunde nicht wieder entfliehen ! Sonst ist ' s vorbei – vorbei ! Robert harrte vergebens einer Antwort auf seine Frage , sein Blick ruhte mit schmerzlichem Ausdruck auf dem Antlitz der jungen Frau , als er fortfuhr : » Wie lange ist es denn her , daß wir zusammen einen deutschen Frühling erlebten ? Wissen Sie es noch , Elfriede ? Ich zog damals hinaus , um drüben jenseit des Ozeans das Glück zu suchen , aber ich hatte mir die Sache doch allzuleicht gedacht . Der Kampf um das Glück wurde zunächst nur ein verzweifelter Kampf um das Dasein überhaupt . Oft genug war ich am Unterliegen , aber da war eines , was mich immer wieder emporriß , was mir Mut und Kraft gab zu neuem Ringen , eine Hoffnung , die Erinnerung an jene Abschiedsstunde , wo meine Braut an meiner Brust lag und mir unter Thränen gelobte : › Was auch kommen mag , Robert , ich lasse nicht von dir ! ‹ « » Robert , ich bitte Sie – nicht diese Erinnerungen ! « Die Stimme der jungen Frau klang halb erstickt , aber er beachtete die Bitte nicht , sondern fuhr mit steigender Bitterkeit fort : » Zwei Jahre später freilich , da erhielt ich einen Brief , der ganz anders klang . Da wurde mir mitgeteilt , daß sich ein reicher , vornehmer Freier gefunden habe , der alles das bieten konnte , was mir fehlte , daß die Eltern drängten , daß – kurz und gut , ich las es deutlich zwischen den Zeilen , daß man der › aussichtslosen Geschichte ‹ müde war . Der Frau Mutter war sie ja stets ein Dorn im Auge gewesen ; als sich nun vollends eine glänzende Partie fand , da war mein Urteil gesprochen . Und du , Elfriede – du gabst mich auf ! « » Nein , du warst es , der mich aufgab ! « fuhr Elfriede mit vollster Heftigkeit auf . » Ich stand allein , schutzlos , dem unermüdlichen Werben Wilkows , dem Drängen meiner Mutter gegenüber . Sie hielt es mir täglich vor , daß ich schon halb vergessen sei , deine Briefe würden ja immer kürzer , immer spärlicher – o , ich wußte das am besten ! In meiner Angst , in meinem erwachenden Mißtrauen suchte ich bei dir Schutz . Ich schrieb dir alles , und was war die Antwort ? Du sagtest dich los von mir mit den wildesten Anklagen gegen mich und meinen › Verrat ‹ , mit dem Ausbruch eines maßlosen Hasses gegen den Mann , der um mich warb , und den du nicht einmal kanntest . Du gabst mir nicht mein Wort zurück – vor die Füße hast du es mir geworfen ! « Der Vorwurf mochte wohl nicht ungerecht sein , denn Robert wies ihn nicht zurück und seine Stimme klang milder , als er erwiderte : » Meine Briefe – nun ja , die mögen kurz und karg gewesen sein , weil ich nichts Gutes zu melden hatte . Ich war ausgezogen mit dem stolzen Versprechen , uns ein Vermögen zu erringen , und sollte nun eingestehen , daß ich tagtäglich mit der bittersten Not rang ! Es wollte mir ja nichts , nichts glücken ! Was ich begann , schlug fehl , was ich wirklich einmal gewann , das ging wieder verloren . Und mitten in diesem verzweifelten Ringen kam der Brief , den ich für eine verhüllte Absage nahm – meine Antwort ist damals nur eine Verzweiflungsthat gewesen ! « » Und mein Jawort an Wilkow war es auch ! « sagte Elfriede leise . » Aber du wurdest doch sein Weib , « warf Robert mit bitterem Vorwurfe ein , » und wie zum Hohne kam bei mir schon im nächsten Jahre der Wendepunkt meines Lebens . Es gelang mir , Fuß zu fassen , und als ich erst fest stand , trotzte ich auch dem Schicksale ab , was es mir bis dahin versagte . Da ging es auf einmal aufwärts mit schwindelnder Schnelligkeit , da suchte mich das Glück förmlich , nachdem es mich so lange geflohen hatte , aber da war es zu spät – ich hatte dich verloren ! «