die Beharrlichkeit dieses Freiers half kein Einschließen und kein Verriegeln . Der Vater ließ ihn gewähren ; er konnte Max und wußte , daß dieser schließlich seinen Willen durchsetzen werde . Er selbst wäre am liebsten schon heute abgereist , wenn ihn das dem Sohne gegebene Versprechen nicht bis morgen gehalten hätte . Ihm brannte wirklich der Boden unter den Füßen , und alle die Antheilbezeigungen und Glückwünsche wegen seiner Befreiung schienen ihm den Aufenthalt nur noch mehr zu verleiden . Brunnow hatte soeben einen Brief beendigt , der seine bevorstehende Ankunft zu Hause anzeigen sollte , und stand im Begriffe , ihn der Aufwärterin zu übergeben , als diese ungerufen , aber in größter Eile eintrat und ganz athemlos meldete : „ Herr Doctor – Seine Excellenz ! “ „ Wer ? “ fragte Brunnow zerstreut , indem er dos Couvert schloß . „ Seine Excellenz , der Herr Gouverneur ! “ Brunnow wendete sich rasch um ; sein Blick fiel auf den Freiherrn , der bereits eingetreten war und im Nebenzimmer stand . Er näherte sich jetzt und sagte in völlig fremdem Tone : „ Ich wünsche Sie auf einige Minuten zu sprechen , Herr Doctor . “ „ Ich stehe zu Ihrer Verfügung , Excellenz , “ versetzte Brunnow , den das verwunderte Gesicht der Aufwärterin daran mahnte , daß er seine Ueberraschung nicht zeigen dürfe . Er übergab der Frau rasch den Brief und sandte sie damit fort . Als sie ohne Zeugen waren , ließ Raven die angenommene Fremdheit fallen . „ Mein Kommen befremdet Dich ? “ sagte er . „ Bist Du allein ? “ „ Ja , mein Sohn ist ausgegangen . “ „ Das ist mir lieb , denn unsere Unterredung verträgt keinen Zeugen . Du hast wohl die Güte , die Thür abzuschließen , damit wir ungestört bleiben . “ [ 536 ] Der Doctor kam schweigend der Aufforderung nach . Er schob den Riegel vor die Eingangsthür und kehrte dann in das zweite Zimmer zurück . Sein unruhiger Blick schien zu fragen , was dieser seltsame Besuch bedeute . Die beiden Männer standen sich einige Secunden lang stumm , aber ebenso feindselig gegenüber , wie neulich bei ihrer ersten Begegnung . Der Freiherr nahm zuerst das Wort . „ Du hast wohl nicht erwartet , mich bei Dir zu sehen ? “ „ Ich wüßte in der That nicht , was den Gouverneur von R. zu mir führen sollte , “ war die Antwort . „ Ich bin nicht mehr Gouverneur , “ sagte Raven kalt . Brunnow richtete einen schnellen , forschenden Blick auf ihn . „ Du hast also Deine Entlassung genommen ? “ fragte er . „ Ich trete von meinem Posten ab , “ entgegnete er gepreßt . „ Ehe ich aber die Stadt verlasse , wünsche ich Auskunft über jenen Zeitungsartikel , der sich so eingehend mit meiner Vergangenheit beschäftigt . Du kannst mir diese Auskunft wohl am besten geben , und deshalb komme ich zu Dir . “ Der Doctor wendete sich ab . „ Der Artikel stammt nicht von mir , “ sprach er nach einer kurzen Pause . „ Das ist möglich , jedenfalls hast Du ihn aber veranlaßt . Du und ich , wir sind jetzt die einzigen noch lebenden Theilnehmer jener Katastrophe ; die anderen sind todt oder verschollen . Nur Du warst im Stande , jene Enthüllungen zu geben . “ Brunnow schwieg ; er erinnerte sich nur zu gut des Tages , wo das geschickte Manöver des Polizeidirectors ihm die Aeußerungen abgerungen hatte , die nun in solcher Weise preisgegeben wurden . „ Ich wundere mich nur , weshalb Du diese Vorgänge nicht früher verwerthet hast , “ fuhr Raven fort . „ Du oder die Anderen ! “ „ Beantworte Dir die Frage selbst ! “ sagte Brunnow finster . „ Uns fehlten die Beweise . Wenn wir die unumstößliche Ueberzeugung Deiner Schuld hatten , so war das eben unsere Sache . Die Welt verlangt Thatsachen , und die konnten wir ihr nicht geben . Weshalb sich nicht früher eine Stimme gegen Dich erhob , fragst Du ? Du weißt doch am besten , daß in der Zeit , die jetzt hoffentlich für immer hinter uns liegt , jede Stimme erstickt wurde , die man nicht hören wollte . Und Arno Raven wurde ja in kürzester Frist der einflußreichste Freund und Günstling des Ministers , den er bald darauf Vater nennen durfte . Der Freiherr von Raven war später die mächtigste Stütze der Regierung , die ihn nicht entbehren konnte . Man hätte keine Anklage gegen Dich zugelassen ; es wäre Lüge , Verleumdung gewesen und als solche unterdrückt worden . Das wußten wir Alle und darum schwiegen die Anderen . Mich banden diese Rücksichten nicht , aber ich – wollte Dich nicht anklagen und habe es auch jetzt nicht gethan . Einige Aeußerungen während meiner Haft , die mir , wie ich fürchte , absichtlich abgelockt wurden , können allein den Anlaß zu den Enthüllungen gegeben haben . Der Polizeidirector hat jedenfalls die Hand dabei im Spiele . Er ist Dein Feind . “ „ Nein , nur ein Spion ! “ sagte Raven verächtlich , „ und deshalb verzichte ich darauf , von ihm Rechenschaft zu verlangen . Ueberdies war er nicht verpflichtet , zu verschweigen , was ihm mitgetheilt wurde . Du hast jene Aeußerungen gethan – Du wirst mir Genugthuung dafür geben . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 33 , S. 547 – 550 Fortsetzungsroman – Teil 25 [ 547 ] Brunnow trat zurück . „ Ich Dir Genugthuung geben ? Was soll das heißen ? “ „ Was das heißen soll ? Ich dächte , das bedürfte keiner Erklärung . Die Beleidigung , die Du mir zugefügt hast , läßt nur eine Sühne zu