, als sei sie wahnsinnig geworden . » Verzeihung ! « rief sie wie atemlos , wie halb erstickt vor Lachen , » aber das Bild ist zu drastisch . Der kühne Duellant , respektive Raufbold – Pardon ! – der tapfere Soldat , der gefürchtete Spötter und Leugner aller Frauentugenden – bußfertig vor der Gräfin mit den roten Flechten ! Nach Jahren noch wird man sich amüsieren über den Löwen , der sich fromm vor dem Spinnrocken niederduckt . « Er trat einen Schritt zurück . Ueber dieser Stirn schwebte die gefeierte Krone der Herrscherin ; in ihre Hand war es gelegt , für den minderjährigen Landesfürsten zu entscheiden über Leben und Tod , Wohl und Wehe im Volke – und da stand sie vor ihm , in bacchantischem Gelächter sich schüttelnd , bar selbst der Würde , die die einfachste Frau aus dem Volke zu bewahren versteht . » Hoheit , der Duellant , respektive Raufbold , braucht nicht viel wirklichen Mut , « sagte er mit finsterer Stirn , » weit mehr Willenskraft und innere Ueberwindung kostet es zum Beispiel dem Spötter Mainau , dem frivolen Frauenverächter , die innere Umkehr zu bekennen , den › guten Leuten da drüben ‹ zu zeigen , daß der eifrige Fürsprecher der Konvenienzehe keinen innigeren Wunsch hat , als – die eigene Frau zu erobern . Aber diese Sühne schulde ich › der blonden Gräfin Juliane ‹ , dem reinen Mädchen mit der enthusiastischen Künstlerseele , mit den unerschrockenen eigenen Gedanken ... Ich habe mir die Buße auferlegt , ehe ich mir gestatte , mein neues Glück mir anzueignen . « Der Fächer war den Händen der Herzogin entfallen ; er schaukelte funkelnd an der feinen Kette , die vom Gürtel niederhing . Mainau den Rücken zuwendend , stand die schöne Frau vor einem vollblühenden Orangenbaume und zupfte hastig an den Blüten , als gönne sie diesen schönbelaubten Zweigen nicht , auch nur eine einzige Frucht zu tragen ... Sie war still geworden ; kein Laut kam von ihren Lippen , in dem nervösen Spiele der Hände aber lag etwas wie unterdrückte Verzweiflung , und da kam ihm doch eine Regung von Bedauern . » Ich möchte , ich könnte alle Tollheiten meines Lebens ungeschehen machen , « sagte er weiter ; » es ist da so vieles , dessen ich mich schämen muß , weil es gegen Edelmut und Rittersinn verstößt ... Meine innerste Natur werde ich freilich nicht ändern . Ich hasse , die mich hassen und › die Milch der frommen Denkungsart ‹ wird nie die Pulse sänftigen , aber deswegen bereue ich doch , wo ich zu wild in der Rache gewesen bin ... Hoheit , ich wünsche lebhaft , daß auch da Ruhe und Glück einziehen möchten , wo ich einst Fluch und Unheil herabzubeschwören gesucht habe . « Die Herzogin fuhr mit einem total veränderten Gesicht herum . » Ei , wer sagt Ihnen denn , mein Herr von Mainau , daß ich nicht glücklich bin ? « fragte sie den Baron mit höhnischer , kalter Stimme . Sie reckte ihre üppige Gestalt empor und sah plötzlich aus , als stehe sie vor dem Thronsessel und erteile einem Untergebenen Audienz . Die Herrscher haltung gelang , nicht aber der Herrscherblick ; aus den schwarzen Augen brach das furienhaft wilde Feuer des tiefgereizten Weibes . » Glücklich ? Ich bin es ! Ich darf meinen Fuß auf den Nacken derer setzen , die ich glühend hasse , denn ich habe die Macht . Ich kann vernichtend da eingreifen , wo man den Traum von Glück und Seligkeit träumt , denn ich habe die Macht ... Mächtig sein , heißt glücklich sein für den stolzen , ehrgeizigen Frauengeist . Merken Sie sich das , Freiherr von Mainau ! Ihr frommer Wunsch war vollkommen überflüssig , wie Sie sich sagen werden . « Sie schritt nach dem Ausgange ; aber an der Schwelle blieb sie stehen , und durch die lange Reihe der offenen Thüren zeigend , wandte sie den Kopf über die Schulter zurück . » Da kommt sie , mild und bleich wie eine kühle Mondnacht , « sagte sie , und ihre kleinen , weißen Zähne blitzten unter der im diabolischen Lächeln noch hochgezogenen Oberlippe . » Wahrhaftig , Baron Mainau , Sie sind zu beneiden ... Aber eines möchte ich Ihnen raten : Gehen Sie nicht nach Franken ! Sizilien ungefähr möchte die Temperatur haben , in der sich das Anfrösteln von so viel strenger Tugend und selbstbewußter Weiblichkeit ertragen läßt . « Liane kam an der Seite eines Kammerherrn , mit dem sie die Polonaise getanzt , langsam wandelnd daher . Die Herzogin verließ den Wintergarten , während Mainau auf die Schwelle desselben trat , um seine Frau zu erwarten . An der gegenüberliegenden Thür blieb das näherkommende Paar stehen , um die rasch , mit hocherhobenen Kopfe und stolzem Nacken heranschreitende Herzogin vorüber zu lassen ; aber dicht vor der jungen Frau blieb sie stehen . » Liebe Frau von Mainau , « sagte sie mit etwas belegter , aber vollkommen fester Stimme , » man wird Sie uns entführen ... Sie sind in der That berufen , Mann und Haus › mit linden und doch starken Armen ‹ zu umfassen . Halten Sie fest , damit Ihnen das Phantom nicht dennoch entschlüpft in dem Augenblicke , wo Sie es am sichersten zu umschließen wähnen ! Der Schmetterling muß fliegen – es ist seine Lebensbedingung ... Und nun Glück auf den Weg , schöne Braut ! « Mit leichter Grazie hob sie ihre weißen Arme , und die krampfhaft geballten Hände öffnend , ließ sie einen Regen zerdrückter , fast unkenntlich gewordener Orangenblüten über die Schulter und Arme der jungen Frau niederrieseln . Sie nahm den Fächer wieder auf . » Herr von Lieven , ich wünsche den nächsten Galopp mit dem Grafen Brandau zu tanzen , « wandte sie sich mit lauter , voller Stimme an den Kammerherrn . Er