verweile , ich kann die Kranke nicht verlassen . « » Wie geht es ihr ? « brachte Klaudine über die zitternden Lippen . » Sie klagt heute nicht , sie sagt , es sei ihr leichter und freier auf der Brust « , erwiderte die alte Dame . » Oh , und Sie bemühen sich selbst « , sprach Klaudine zerstreut , aber Frau von Katzenstein ging schon wieder zur Tür hinaus . Klaudine dachte kaum an das Körbchen . In einer halben Stunde sollte sie erfahren , ob er ihren Ring genommen hatte . Man würde ihr doch die Wahrheit sagen ? Sie begann unruhig umherzuwandern , obgleich die Füße sie kaum trugen . Dann trat sie ans Fenster . Die Wache hatte » Heraus ! « gerufen , der Herzog fuhr eben im Jagdschlitten über den Schloßhof . Zwei andere Schlitten folgten , er suchte wohl dem Kummer und der Sorge zu entfliehen ? Auch sie fühlte den Drang in den Park hinunterzulaufen und in der Schneeluft die heiße Stirn zu kühlen , sich müde zu gehen , Schlaf und Vergessen zu finden . Mechanisch war sie vor dem Körbchen stehen geblieben , das die Herzogin ihr schickte . Ein Reisegeschenk vermutlich – die hohe Frau versäumte ja nie , Freude zu bereiten . Sie hob das Papier ein wenig auf . In einigen Minuten mußte sie hinunter , sich zu bedanken , man wollte doch wissen , wofür ? In dem mit hellblauer Seide gefütterten Körbchen lag auf kostbarem , echtem Spitzengewebe ein Zweig blühender Myrte , und dieser Myrtenzweig war durch ihren Verlobungsring gezogen . Das bleiche , heftig atmende Mädchen befand sich plötzlich auf der Treppe . Sie durcheilte die Korridore , und erst im Vorzimmer der Herzogin fühlte sie , daß die Füße sie nicht mehr tragen wollten . Dort stand der Medizinalrat und flüsterte mit Frau von Katzenstein . Die alte Dame deutete mit der Hand auf eines der Nebenzimmer und legte den Finger auf den Mund . » Hoheit schlafen eben ein wenig « , sprach sie leise . Klaudine ging wie im Traume nach dem sogenannten Arbeitszimmer der Herzogin . Es war ein kleines , zu halber Höhe mit kostbarer Holztäfelung versehenes Gemach . Goldbedruckte Ledertapeten bekleideten die Wände , Bücherschränke und ein Schreibtisch aus dunklem Eichenholz , schwere Vorhänge und Teppiche , und die Büsten von Goethe , Shakespeare und Byron bildeten die Einrichtung . Es war fast dunkel hier an diesem grauen Tage . Durch eine der Türen , deren Vorhang halb zurückgenommen war , sah man in den Wintergarten , und dort stand in dem vollen Tageslichte , das durch die Glaswände hereinströmte , Lothar . Er hatte den Rücken hierher gewendet und betrachtete scheinbar mit Interesse einen Strauch blühender gelber Rosen . Unwillkürlich trat Klaudine in den Schatten der hohen Bücherschränke . Sie sah ihn nicht mehr , sie wollte und konnte ihm jetzt nicht begegnen . Mit furchtbarem Herzklopfen lehnte sie in dem schützenden Winkel . Sie wollte auch den Ring nicht , der ihr als eine Gabe des Mitleids erschien , wußte sie doch , daß er ihn zurückgab , weil er sein Wort nicht brechen wollte , und sie durfte , konnte ihn nicht behalten . Plötzlich blickte sie sich um , ob sie nicht entfliehen könne , denn sie vernahm die harte Stimme der Prinzeß Thekla . » Nun , Baron , fragte diese , » also endlich sieht man Sie ? Wissen Sie , daß ich Ihnen ganz böse bin ? Sie sind seit gestern hier und haben sich im roten Schlößchen noch nicht blicken lassen ! « » Es ist unrecht , Durchlaucht , allerdings ! Ich fand aber hier so vielerlei zu tun , und außerdem macht man doch nicht gerade Besuche an seinem Hochzeitstage . « » Hochzeitstage ? « schrillte lachend die alte Dame . » Ich finde , Sie wählen die Zeit zu Ihren Scherzen recht eigentümlich . Die Herzogin ist todkrank ! Wirklich , Lothar , Sie sind jetzt zuweilen sehr sonderbar . Wissen Sie , daß Ihre Hoheit noch heute sterben kann ? « » Ach , Durchlaucht nehmen an , ich erlaubte mir einen unpassenden Scherz ? Nichts würde mir ferner liegen . Ich selbst bin durch die Nachricht überrascht worden . Indes , die Herzogin wünscht , daß unser Bund noch heute geschlossen wird – wenn meine Braut einwilligt , natürlich . « » Meinen Glückwunsch , Baron ! Weshalb sollte Ihre Braut nicht einwilligen ? « klang es spöttisch , » sie willigte doch so rasch in die Verlobung , und naturgemäß pflegt dieser doch die Hochzeit zu folgen . Sonderbare Laune übrigens von Ihrer Hoheit ! « » Sonderbar ? Ist es so sonderbar , wenn die Herzogin , noch ehe sie stirbt , das Glück zweier Menschen , sozusagen , in den sicheren Hafen flüchten möchte , aus allen Ränken und Schlichen hinaus , denen es preisgegeben ist , solange sie nicht verbunden sind ? Ich gestehe , ich finde es so eigentümlich nicht , ich nehme dankbar diese › sonderbare Laune ‹ an . « » Sie waren doch sonst nicht so schutzbedürftig , Gerold . Seit wann fühlen Sie sich so schwach ? Sie wußten doch meine Einwilligung zu ertrotzen , als ich Ihnen die Hand meiner Tochter verweigerte ? Seit wann überhaupt fürchten Sie das Recht des Stärkeren – sagen wir das Recht des Mächtigeren , oder – « » Ich fürchte keinen ehrlichen Feind , « erwiderte er langsam . » Durchlaucht wissen ohne Zweifel aus der Fabel schon , daß der Löwe immer großmütig ist , ihn fürchte ich nicht als Gegner , ich fürchte die Schlangen , die da unbemerkt heranschleichen und Unschuldige mit ihrem Gifte bespritzen . Ich kann die , welche meine Gattin werden soll , nicht vor boshafter Verleumdung schützen , bevor sie nicht wirklich mein Weib geworden ist , denn ich kämpfe hier mit ungleichen Waffen . Mir ist