siebzig geworden ) von Alleinsein und Stille gelegentlich mehr besaß , als ihm lieb war , und unter dem Druck einer gewissen Vereinsamung eifrig dahin strebte , die wenigen ihm treu Verbliebenen für den Rest seiner Tage festzuhalten . Er wollte nicht unter Fremden sterben . Baurat Steinert war ein Gegenstand seines besonderen Vertrauens . Noch wenige Tage vor seinem ( des Prinzen ) Tode , als sie die Pyramide besuchten , in der er beigesetzt zu werden wünschte , sagte er lächelnd zu dem vielbewährten Diener : » Stellt mich so , Steinert , daß ich nach dem Schlosse hinüberblicke , und sagt ' s auch den Leuten , daß ich so stehe . Das wird manchen in heilsamer Furcht halten . « Lebauld – Le Beauldt de Nans , wie er in andern Büchern genannt und geschrieben wird – war eigentlich Sekretär des Prinzen , erfreute sich aber des Titels eines Kammerrats oder Conseiller des chambres . Zur Belohnung für langjährige Dienstleistungen , aber zugleich auch in dem Bestreben , ihn auf die Weise zu fesseln , empfing er seitens des Prinzen zwei der zum Amte Rheinsberg gehörigen Erbzinsgüter : Schlaborn und Warenthin , die noch geraume Zeit hindurch in Händen der Lebauldschen Familie verblieben . Erst seit 1850 sind sie zurückgekauft und wieder königlicher Besitz . Steinert und Lebeauld waren bewährte Diener des Prinzen , aber doch nichts weiter ; der Freund seiner letzten Jahre war der Graf La Roche-Aymon . Bei der Geschichte dieses Mannes , » die den Roman auf seinem eignen Felde schlägt « , werden wir zum Schluß noch einige Zeit zu verweilen haben . Antoine Charles Etienne Paul Graf La Roche-Aymon war 1775 geboren . 1792 , siebzehn Jahr alt , verließ er mit andern Emigrés sein Vaterland und trat als Volontär in das Condésche Korps , nach einer andern Version , die sich auf Mitteilung von Personen stützt , die den Grafen noch persönlich gekannt haben , in die neapolitanische Armee . Gleichviel , 1794 erschien ein junger , sechs Fuß hoher Offizier von dunkelstem Kolorit und dürftigster Kleidung in Rheinsberg und gab bei » Demoiselle Aurore « , jener schon genannten Schauspielerin des prinzlichen Hoftheaters , einen Empfehlungsbrief ab . Der Brief enthielt die Bitte , den Überbringer , den jungen Grafen La Roche-Aymon , bei günstiger Gelegenheit in die Nähe des Prinzen zu bringen . Demoiselle Aurore war echte Französin , lebhaft und gutherzig , dabei Royalistin und zu Abenteuern geneigt ; sie bestritt also eine passende Equipierung aus eigenen Mitteln , und vor Ablauf einer Woche war der Graf in des Prinzen Dienst . Er bezog Wohnung im Kavalierhaus und übernahm den Befehl über die vierzig Leibhusaren , die , wie mehrerwähnt , als eine spezielle Prinz-Heinrichsche Truppe zu Rheinsberg in Garnison lagen . Kurze Zeit darauf wurde er Adjutant des Prinzen . Schön , gewandt , liebenswürdig , ein Kavalier im besten Sinne des Worts , trat er alsbald in eine Vertrauensstellung , ja darüber hinaus in ein Herzensverhältnis zum Prinzen , wie es dieser , seit Tauenzien , nicht mehr gekannt hatte . Der Graf erschien ihm als ein Geschenk des Himmels , der Abend seines Lebens war gekommen , aber siehe da , die Sonne , bevor sie schied , lieh ihm noch einmal einen Strahl ihres beglückenden Lichts . Graf La Roche-Aymon war der letzte Adjutant des Prinzen . 59 Nach dem Baseler Frieden , der eine halbe Versöhnung zwischen dem Prinzen Heinrich und seinem Neffen , dem Könige , herbeigeführt hatte , kam der Prinz auch wieder nach Berlin aber freilich ohne rechte Lust und Freudigkeit und immer nur auf kürzere Zeit . Auf einer der bei dieser Gelegenheit statthabenden Festlichkeiten war es , daß der Graf La Roche-Aymon , der nunmehrige Adjutant des Prinzen , ein Fräulein von Zeuner sah und von ihrer blendenden Schönheit sofort hingerissen ward . Er seinerseits war völlig dazu angetan , nicht bloß bezaubert zu werden , sondern auch selbst wieder zu bezaubern , und als der Prinz bei beginnendem Frühling nach Rheinsberg zurückkehrte , folgten ihm Graf und Gräfin La Roche-Aymon als eben vermähltes Paar . Karoline Amalie von Zeuner war die Tochter eines seit 1786 als Hofmarschall und Kammerherr im Dienste der Königinmutter stehenden Herrn von Zeuner , aus seiner Ehe mit einer Gräfin von Neale . Fräulein von Zeuner selbst , als der Graf La Roche-Aymon sie kennenlernte , war Hofdame bei der Prinzessin Wilhelmine . Sie war von mittlerer Figur , vom weißesten Teint , und besaß , als besondere Schönheit , eine solche Fülle blonden Haares , daß es , wenn aufgelöst , bis zu den Knien herabfiel und sie wie ein goldener Mantel umhüllte . Niemand kannte diese Schönheit besser als sie selbst , und noch in späteren Jahren wußte sie es derart einzurichten , daß etwa eintreffender Besuch sie womöglich im Negligé überraschen und das Haar bewundern mußte . Wenn die Gegenwart des Grafen schon vorher ein Lichtblick an dem vereinsamten Hofe des Prinzen gewesen war , so war es jetzt , wo » Prinzessin Goldhaar « mit ihm zurückkehrte , wie wenn die Tage früherer Rheinsberger Herrlichkeit noch einmal anbrechen sollten . An Stelle halb pedantischer und halb equivoquer Junggesellenwirtschaft , erschienen wieder die heiteren Grazien , die dauernd immer nur da zu Hause sind , wo schöne Frauen ihren wohltätigen und gern gelittenen Zwang üben . Seit den Tagen Lisette Tauenziens hatte der Rheinsberger Hof diesen Zwang nicht mehr gekannt . Der Freundschaftstempel mit seinen Inschriften , die die Liebe für eine Torheit erklärten , erschien nun selber als eine große Torheit , und man speiste wieder gern auf der Remusinsel im See , heitern Angedenkens aus jenen Tagen her , wo Kronprinz Friedrich noch der » Constant « des Bayard-Ordens und nicht der Philosoph von Sanssouci gewesen war . Die Gräfin machte die Honneurs des Hauses , war Gast und Wirtin zugleich , und der Prinz , enchantiert , hing nicht nur an jeder Bewegung der schönen