Pastors : er mag den Staatstalar für die Taufe ruhig aus dem Schranke nehmen . « Aber die Leute tuschelten einander trotzdem weiter zu : » Die Kapelle der Baronin « , und die Katholiken triumphierten , als von dem Muttergottesbilde die Kunde kam , auf das der leere Raum über dem Altar wartete . Norina malte in der Kapelle . An den vier runden Säulen rankten sich phantastisch ihre Blumen empor bis in die blaue Wölbung mit den Goldsternen . Aus den Nischen in den Wänden blickten Madonnen ; Jesuskinder lächelten vom Schoße der heiligen Mütter . In den kleinen , bunten Fenstern leuchtete dunkelrot die rote Rose von Hochseß . Indessen übte unten in der Dorfschule der Kinderchor alte Marienlieder . Und in der Akademie von Florenz saß vor Giottos Demeter-Maria ein junger Maler und suchte das Wunderwerk auf seiner Leinwand zu wiederholen , - Vittorio Tenda . Ohne Norina davon zu sprechen , hatte Konrad ihn , nachdem die eingeholten Auskünfte die besten gewesen waren , mit der Arbeit beauftragt , indem er ihm zugleich im Palazzo Ritorni die Wohnung anwies . Und nun taute der Schnee selbst auf den Höhen ; zum Wildbach wurde die Quelle ; mit Geschrei und Gezwitscher suchten die heimkehrenden Vögel die alten Plätzchen für ihr Nest . Der Frühlingssturm peitschte die Fahne und sang in den Kaminen sein Schlachtlied . Norina legte die Pinsel fort . Sie ging durch den Garten und streichelte leise die kleinen , braunen Knospen an den Sträuchern und bückte sich nach den blassen Schneeglöckchen . Wenn Konrad sie nicht sah , wußte er , wo er sie finden würde : im hellen Zimmer droben vor der weißen Wiege , an deren Decken und Bettchen noch immer irgend etwas zu zupfen und zu nesteln war . Kam er , so schmiegte sie sich stumm in seine Arme . Sie sprach überhaupt kaum mehr . Es gab keine Worte für ihr Empfinden . Nur ihre Augen vermochten ihm noch Ausdruck zu geben . Die Kapelle war fertig . Nur der Platz über dem Altar war noch leer . Der alte Giovanni hatte sich selbst zu ihrem Wächter gesetzt . Er ließ keinen hinein und war immer da ; seine Tiere in der Turmstube vergaß er . Niemand wußte , ob er wohl jemals schlief . An einem der ersten Tage waren die Tanten gekommen , herrisch Einlaß begehrend . Der Herr Pastor wollte wissen , ob es auch mit seinem Glauben vereinbar sein würde , dort zu taufen . Ein krähendes Gelächter antwortete ihnen von innen , als sie den Türgriff niederdrückten . Sie fuhren entsetzt zurück . So oft sie auch wiederkamen , stets stand Giovanni davor , den Eintritt hindernd . Bei einem heftigen Wortwechsel zwischen ihnen kam Konrad dazu . » Mach Platz , Giovanni ! « gebot er , und versuchte , den schwachen , alten Mann beiseite zu schieben . Der aber klammerte sich verzweifelt an die Türpfosten , in seiner Muttersprache laut schreiend : » Laß die bösen Augen nicht herein ! « Als er schließlich überwältigt beiseite taumelte , füllte sein Schluchzen den ganzen Raum . Die Fräuleins aber standen kühl und gerade mitten darin , nur ihre Blicke bewegten sich hin und her , spöttisch , mißbilligend , und die Mundwinkel ihrer farblosen Lippen zogen sich tief herab . Von da an brannten Tag und Nacht geweihte Kerzen in der Kapelle , und Giovanni führte noch erbitterter den Kampf gegen die Neugierde . Sobald er von innen die Fenster öffnete , stellten sie von außen Leitern an , um hineinzuspähen . Ließ er sie geschlossen , so flog über Nacht ein Stein durch die Scheiben , ohne daß der frevelhafte Schleuderer zu entdecken war . Gerade über dem Altar befand sich ein kleines Fenster , aus blauem und rotem Glas kunstvoll zusammengestellt , das aus der oberen Galerie der Halle sein Licht empfing . » Es sollte vergittert werden , « sagte Giovanni zu Norina , als sie ihrer Gewohnheit gemäß in der Frühe in die Kapelle ging . Sie wandte sich lächelnd nach dem Alten um : » Warum gerade dies , das noch niemand zerbrach ? « » Es sollte vergittert werden , « beharrte er hartnäckig . Jeden Morgen nach der stillen Andachtsstunde trat sie ins Freie hinaus und betrachtete sehnsüchtigen Blickes Bäume und Sträucher . Es war ihr erster Frühling im Norden . Und sie , erfüllt von der Erinnerung an seinen raschen Siegeslauf daheim , wo Rosen und Lilien unter jedem seiner Schritte blühen , erkannte ihn nicht . » Wie lange das dauert ! « flüsterte sie vor sich hin , und aller Glanz wich aus ihren Zügen . » Hier kommt er nie , « hörte sie hinter sich sagen und erschrak . An einem Apriltag , als der Westwind Schnee und Regen gegen die Fenster peitschte und die Flammen im Kamin nur mühselig schwelten , saß Norina an der Stätte ihrer Mutterträume . Sie hatte die Läden zugezogen , um das Wetter nicht zu sehen , und im Licht der Lampen Hemdchen und Jäckchen ausgebreitet , um sie Schwester Theresa , der kleinen Nonne mit der großen Flügelhaube , zu zeigen , die seit gestern im Schlosse war und mit immer gleichem Lächeln und gleichem leisen Schritt ordnend und vorbereitend im künftigen Reiche des Kindes hin und her ging . Sie waren beide so vertieft in ihr Tun und so weit ab von allem Lärm des Hofs und der Wirtschaft , daß die fernen Geräusche kaum an ihr Ohr drangen . Mit jenen weichen , zärtlichen Stimmen , die alle Frauen haben , wenn sie dem Wunder neuen Lebens nahe sind , sprachen sie miteinander . » Cosimo soll er heißen , « antwortete Norina auf eine Frage der Schwester . » Cosimo ! « wiederholte sie lächelnd ; » und wenn es ein Mädchen ist ? « » Fiore « - wie ein Seufzer der Sehnsucht kam der Name über Norinas