» Gott sei Dank ? « fragte er . » Ihr habt Gott gar nicht zu danken ! « » Ist ihr ein Unglück geschehen ? « » Hm , wie man es nimmt ! Vielleicht ihr nicht , aber Euch ! Ihr werdet mit Händen und Füßen dreinschlagen ! « » Das glaube ich nicht . « » Oho ! Ich bin zwar niemals verheiratet gewesen , aber ich kann mir trotzdem denken , wie es einem zumute ist , wenn so etwas geschieht . Ich würde den Kerl zerreißen ! « » Welchen Kerl ? « » Welchen ? Ihr ahnt also immer noch nichts ? « » Nichts ! Rein gar nichts ! « » So muß ich es Euch sagen , wirklich sagen ! Aber versprecht mir vorher , nicht umzufallen ! « » Gut ! Also , ich falle nicht um ! « » Und nicht sofort zuzuschlagen , besonders auf mich ! « » Auch das ; ich schlage nicht zu ! « » Well , so will ich es wagen . Also hört ! « Anstatt noch näher an mich heranzutreten , wie man es bei intimen Mitteilungen zuweilen zu machen pflegt , trat er zwei Schritte zurück und sagte : » Sie ist Euch untreu ! « » Wer ? « » Welch eine Frage ! Wer ! Natürlich Eure Frau ! Das Herzle , wie Ihr sie nennt , wenn Ihr deutsch mit ihr sprecht ! « » Gott sei Dank ! « wiederholte ich . » Nun wird mir das Herz vollends leicht ! Ich dachte wunder was für ein Unheil Ihr mir zu beichten hättet ! « » All devils ! Mir bleibt der Verstand stehen ! Ich sage diesem Manne da , daß ihm seine Frau untreu geworden ist , und da schreit er zum zweiten Male : Gott sei Dank ! Und da versichert er allen Ernstes , daß ihm das Herz vollends leicht geworden sei ! Begreife , wer das kann ! Ich nicht ! « Und wieder näher zu mir herantretend , fuhr er in sehr ernstem Tone fort : » Auch ich habe sie lieb gehabt , sehr lieb , euer Herzle . Ich habe sie geachtet und verehrt . Ich habe sie für die beste , die liebste , die vernünftigste und die vortrefflichste Frau der ganzen Welt gehalten . Ich wäre für sie in das Feuer und in das Wasser gesprungen . Ich hätte für sie mein altes Leben gelassen , zehnmal , hundertmal und tausendmal ! Das ist nun vorbei , vollständig vorbei ! Es kann mir nicht einfallen , für sie auch nur in ein kleines Streichholzflämmchen oder in einen Kaffeelöffel voll Wassers zu springen . Sie ist es nicht wert , nicht wert ! So einen Mann zu haben , so einen ! Und ihm dennoch untreu zu werden ! Und zwar mit was für einem , mit was für einem ! « » Wer ist denn dieser eine ? Oder vielmehr dieser andere ? « » Erratet Ihr das nicht ? « » Nein . « » Ja , begreiflich ! Es ist auch wirklich gar nicht zu erraten . Wenn nur wenigstens ich es wäre ! Oder irgend ein anderer Weißer ! Aber Euch um einer Rothaut willen untreu zu werden , das ist stark , das ist sogar noch stärker als stark ! Das ist einfach niederträchtig ! « » Rothaut sagt Ihr ? Der junge Adler liegt noch dort an seiner Stelle ; der Kiowa aber ist nicht mehr da ; er ist fort . Ihr meint also den ? « » Ja , den ! Eure Frau ist nämlich auch fort ! « » Ist das alles ? « » Nein , sondern es kommt noch viel , sehr viel dazu . Soll ich es Euch erzählen ? « » Ja , bitte ! « » Das kam so : Ich war wütend auf den Kerl , weil er gestern am Nachmittage so lange und so unausgesetzt mit ihr gesprochen hatte . Ich habe Euch schon gesagt , daß dies meinen Verdacht erregte . Ich nahm an , daß er Eure Frau aushorchen wollte , um uns alle dann an die Indianer da unten zu verraten . Ich beschloß , ihn zu beobachten , und ich tat es . Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen . Am frühen Morgen erwachte er sehr zeitig . Eure Frau trat aus ihrem Zelte . Sie pflegt des Morgens und des Abends zu beten ; das weiß ich nun . Sie tut das nie im Zelte , sondern stets unter freiem Himmel . Sie geht dabei zur Seite , damit man es nicht sehe . So auch heut . Als sie sich entfernt hatte , stand der Kiowa auf und folgte ihr . Das kam mir verdächtig vor . Ich ließ eine Zeit vergehen , und als weder sie noch er zurückkehrte , schlich ich mich ihnen nach . Was denkt Ihr , was ich sah ? « » Nun , was ? « » Sie saßen auf einem Steine ! « » Weiter nichts ? « » Neben einander ! « » Weiter nichts ? « Er sah mich verwundert an und fuhr in erhöhtem Tone fort : » In inniger Umarmung ! « » Weiter nichts ? « Da rief er mich an : » Sie schnäbelten miteinander ! « » Weiter nichts ? « » Der Rote gab Eurem Herzle einen Kuß ! « schrie er mir zu . » Weiter nichts ? « » Und Euer Herzle küßte ihn wieder ! « brüllte er mir in das Gesicht . » Weiter nichts ? Weiter gar nichts ? « fragte ich sehr freundlich und ruhig . Da wich er von mir zurück , schlug die Hände zusammen und jammerte : » Hab ' mir ' s gedacht ; hab ' mir ' s gedacht ! Nun ist das Unglück da ! Wenn auch in