wiewohl vom Lichte begnadet , einer torenhaften Minne gehuldigt . « - » Wie das ? « sagte ich , » oder möchte Er auch darüber schweigen ? « » Ich denke wohl , Euch darf ich es sagen . Erst wenige Tage wohnten wir zu Goslar , als Berthulde ihr Herz an einen Schmiedegesellen verlor , der ein schöner Jüngling war . Ganz unsinnig aber hat sie ihre Minne gemacht , daß sie kaum andere Gedanken gehabt , als ihrem Schatz nachzuschleichen und ihn zur Gegenminne magisch zu bestimmen . Der Geselle jedoch hat nicht ein einzig Mal sein Aug auf sie geworfen . Da hat Berthulde wahrgenommen , wie er des Sonntags gern einen Wald besuchte , wo ein Bach über Steine rauscht . Eines Sonntags nun ist sie rechtzeitig dorthin gegangen , der Zuversicht , ihr Liebster werde sich auch diesmal einstellen . Ihn zu betören , betrieb sie einen seltsamen Plan . Bis auf die weiße Haut hat sie sich entkleidet und die Kleider im Walde versteckt , ihr langes Flachshaar mit Glasperlen durchwirkt und ein Kränzlein von Schilf aufs Haupt getan . So ist sie am Bache gesessen , die Füße netzend , als der Jüngling daherkam . Verwundert blieb er stehen und vermeinete anfangs , es bade sich eine Dirne vom nächsten Gehöft . Berthulde aber hat ein Putzkellerlied mit ihrer schönen Stimme gesungen und mit dem Haarschmuck , den zarten , geschmeidigen Gliedern und ungewöhnlichen schwarzen Augen dem Beschauer mehr und mehr ein übermenschlich Wesen gedünket . Schließlich hat er seinen Hut gezogen und nach demütigem Neigen gesprochen : Gnädige Jungfer , oder wie immer Sie zu benamsen ! Es mag sich nicht geziemen , daß ein unadliger Mensch sich einem solchen ansehnlichen Frauenzimmer nähert . - Das muß Er nicht sagen , antwortete mein listig Schwesterlein ; es ist ein Gottesgeschöpf des andern wert . Überdies hab ich schon hundert Jahr auf Ihn gewartet . Sintemalen es der Himmel nun füget , daß wir diese längst erwünschte Stunde mitsammen erleben , so bitt ich um Gottes willen , Er setze sich zu mir und vernehme , was ich zu reden habe . Der Schmiedeknecht setzte sich , und sie wartete ihm mit folgendem Märlein auf : Mein allerliebster Herzfreund , meine Hoffnung und Zuversicht , Sein Name , nicht wahr , ist Jakob ? Nun gut ! Ich bin Miranda , der Melusine Tochter , die sie mit dem Ritter Stauffenberg erzeugt , leider aber verflucht hat . Drum so soll ich bis zum Jüngsten Tag in diesem Wald verbleiben , es sei denn , daß mich der Schmiedeknecht Jakob aus Goslar zum Ehegemahl erwähle . Nur durch ihn werde ich erlöst - freilich mit dem ausdrücklichen Geding , daß er aller andern Weibsbilder müßig gehe und unsere geheime Heurat ein Jahr lang verschwiegen halte . Darum , so seh Er nun , wie Er ' s recht mache . Will Er mich ehelichen und diese Dinge halten , so werd ich selig und mach Ihn zum reichsten , glückseligsten Mann auf Erden . So Er mich indessen verschmähet , muß ich zu Wasser zerrinnen . Der einfältige Schmiedeknecht , so die Fabulam der Melusine gelesen , gelobte auf den Knien , der Miranda Ehegesponst zu werden . Gleich hinterher aber nahm er in seiner frommen Scheu unter Verneigungen den Rückzug . Geriet dabei zur Stelle , wo Berthulde ihre Kleider abgelegt hatte , und es dämmerte ihm nun wohl , daß er mit einem gewöhnlichen Menschenkinde zu tun gehabt . Daheim bei seiner Schmiedemeisterin vermochte er nicht reinen Mund zu halten . Er sagte , das nixenhafte Weibsbild habe zusammengewachsene dunkle Augenbrauen gehabt . Die Berthulde kannten , rieten sogleich auf sie , und wegen der Empörung , so im Goslarer Weibsvolk laut ward , konnte der städtische Rat nicht umhin , den Fall zu erwägen . Doch hat ' s die Schicksalsfrau so gefügt , daß im Rate ein Mann war , so auf meine Schwester ein Auge geworfen . Wie der nun sahe , daß man sie zur Hexe machen wolle , hat er sich still aus der Sitzung entfernt und uns gewarnet . Rechtzeitig konnten wir aus Goslar entweichen , und das war gut , denn sie haben meine Schwester zum Scheiterhaufen verdammt . « - » Aber warum denn ? « fragte ich . » Nur eine Komödiantin aus Liebestollheit , keine Hexe ist sie gewesen . « - » Schon recht « , erwiderte Segebodo ; » doch kam im Rate noch eine andere Sache zur Sprache . Berthulde hatte ein Zauberding , und nun hieß es , sie stehe mit dem Bösen im Bunde . « - » Was für ein Zauberding ? « fragte mein Oheim . Segebodo wollte nicht mit der Sprache heraus . Wie aber Tobias , die Hand auf seinen Arm gelegt , lodernden Blickes in ihn drang , und wie ich hinzufügte , hier seien keine Hexenbrenner , erwiderte Segebodo : » Es war ein Spiritus flammarum . « - » Was ist das ? « fragten wir . Aber nun erhielten wir keine Auskunft , und Segebodo stellete uns anheim , das Nähere von seiner Schwester selbst zu erkunden . Da es Schlafenszeit war , machte ich in der Balkenstube für meine Gäste ein Lager zurecht und bat den Oheim , er möge sehen , ob der Ziegenstall verwahret sei . Kaum war der Oheim hinausgegangen , so rief er jammernd : » Mein Gott ! Hirschberg stehet in Flammen ! « Wie wir nun kamen , sahen wir den Nachthimmel gerötet , als ob die Sonne aufgehe . Das ganze Hirschberger Tal war besät mit Feuersbrünsten und hinten die Stadt eine einzige Glut . Der Oheim schlug die Hände zusammen und sagte nur immer : » Mein Gott ! Mein Gott ! « Segebodo knirschte : » Bestien ! « Ich preßte die Faust auf mein Herz , das sich schmerzlich zusammenzog . Lange blieben wir unter dem