der Gegend , denn er wollte aufgebahrt werden im großen Saale , und die Leute sollten hereinkommen , und der Priester sollte sie fragen , was sie urteilten über ihn und seinen Wandel . Dieser Familie Sohn kam als junger Offizier nach Berlin und sah hier die Leichtigkeit des Lebens , und wie keiner einen Willen hatte , sondern alle umgetrieben wurden durch den reißenden Maelstrom , und dabei glaubten sie , es geschehe durch ihre eigne Kraft , daß sie schwammen , und sei ihr Wille so . Da wirkte dieser Strudel so auf ihn , daß er unmerklich wurde wie die andern und ihm das Leben leicht ward , weil er keinen Willen mehr hatte und nicht mehr dachte , was morgen geschehen werde . So geriet er schnell in Schulden , und war ihm das gar nicht wichtig , denn er sah , daß alle andern gleichfalls verschuldet waren . Aber wie er nun wegen der Bezahlung gedrängt wurde und sich an seinen Vater erinnerte , der bei Tische abmaß , wieviel Brot er abschneiden durfte , damit der Laib auch hinreichte , und dann dachte er , daß das gar nicht zu Erzählungen paßte , welche die andern von ihren Eltern machten , da wurde es ihm unmöglich , daß er fernerhin so war wie die andern . Nun fand er indessen aber auch nichts in sich selbst , wie er handeln sollte , und so geschah es , daß er etwas ganz Neues beging , welches in dem gesamten Kreise noch nicht erhört war , er hat nämlich das Geld einem Kameraden gestohlen . Wie er das getan , hatte er keine Ruhe mehr , sondern machte sich heimlich auf und entfloh nach Holland , weil er dort wollte sich anwerben lassen für das Heer , das auf Java unterhalten wird . Es glückte ihm aber nicht gleich , an die rechte Stelle zu kommen , und so hielt er sich eine kurze Zeit in Antwerpen auf , und in dem Wirtshaus , wo er speiste , ward er mit einem ganzen Kreise von Abenteurern bekannt , die alle ähnliche Pläne und Absichten hatten , indem der eine in dieser und der andere in jener Weise gescheitert war . In dieser Gesellschaft kam einmal die Rede darauf , was ein jeder früher getrieben , und so wurde auch dieser Jüngling nach seiner Geschichte gefragt . Da er nach seinem ganzen Aussehen , Manieren und Haltung sich als früherer Offizier erwies , so mochte er nichts Ausgesonnenes angeben , wie viele von den andern getan hatten , sondern erzählte , daß er ein Offizier gewesen sei und wegen eines Ehrenhandels den Dienst verlassen habe ; nur nannte er ein andres Regiment . Wie er den Namen genannt hatte , da stand ein Mann auf , der rechts zur Seite gesessen und ihm immer am wenigsten gefallen von allen ; er war ein großer Mensch von soldatischer Haltung , der einen starken Schnurrbart und gebräuntes Gesicht hatte und über dem einen Auge eine schwarze Binde trug , vielleicht , weil er sich unkenntlich machen wollte . Der stand auf und rief , jetzt erkenne er den Sprecher , denn er habe in demselben Regiment gestanden und sei sein Kamerad gewesen ; damit ging er freundschaftlich auf ihn zu und drückte ihm mit großer Freude die Hand . Der Jüngling bekam einen heftigen Schrecken über diese Anrede , aber der Fremde ließ ihn nicht zu Worte kommen , sondern fragte ihn nach allerhand Namen , Personen und Geschichten und erkundigte sich und beantwortete selbst seine Fragen ; da wurde dem Jüngling klar , daß der Fremde ebensowenig bei dem Regiment gestanden wie er selber , aber er hatte gemerkt , daß seine Rede gelogen gewesen war , und da war er auf die Meinung gekommen , daß er etwas auf dem Gewissen haben müsse , was verborgen bleiben solle , und deshalb dürfe er ihn nicht Lügen strafen , wenn er selber sich auch auf das Regiment und alte Kameradschaft berief und dadurch vor den andern , die ihm mißtrauten , eine Art Beglaubigung beibrachte , daß er wirklich der sei , für den er sich ausgab . Und wie dem Jüngling das plötzlich klar wurde , da sah er des Fremden unverbundenes Auge mit einem ganz schlechten und widerwärtigen Ausdruck auf sich ruhen ; und wie der wieder seine Hand faßte unter allerhand Beteuerungen , da war ihm nicht anders , als wenn ihn jetzt der Satan ganz gefangen habe und ihn nicht loslassen werde ; und so begann der Fremde auch schon mit Vorschlägen , daß sie wollten zusammenziehen und gemeinsame Wirtschaft machen wegen der alten Kameradschaft . Durch diese große Angst wurde die Reue in ihm lebendig , und er ging in sich und sah ein , was er begangen hatte . Darauf bedachte er sich , daß er sein Verbrechen sühnen müsse , denn sonst konnte er sich nicht erretten aus der Hand des Satans . Da wurde ihm klar , daß er allein keinen Ausweg finden konnte , weil er zu geringe Erfahrung hatte und noch ohne Umsicht war , und fuhr deshalb zu seinem Vater , dem alles zu erzählen und um seinen Rat zu bitten , wie er sühnen solle ; er meinte aber , das angemessenste sei , daß er sich den Gerichten anzeige und ins Zuchthaus ging . Sein Vater war ganz alt geworden , sein Haar war weiß geworden , und er sagte ihm , daß er nicht als einzelner auf der Welt dastehe , sondern er sei der letzte eines ruhmreichen Geschlechtes , das immer in Ehren gelebt . Das sei nun schon ein sehr schweres Angehen , daß er nach solcher Tat das Geschlecht nicht fortsetzen dürfe , sondern es müsse mit ihm aussterben , denn wenn ein Dieb Kinder kriege , so werden die noch schlechter wie der Vater , und so müßte der Name ganz in Unehre fallen , wie so vielen alten und