den Sachsengängern nur angeschlossen , um die Geliebte zu bewachen . Eine Vorsicht , die in Anbetracht der außergewöhnlichen Häßlichkeit seines Schatzes beinahe überflüssig erscheinen konnte . Übrigens machte sich dieses Verhältnis sehr wenig bemerkbar . Sie stickte ihm seine Sachen und hob die Hälfte ihrer Lebensmittel für den starken Esser auf . Darauf schienen sich in der Woche die Beziehungen dieses Liebespaares zu beschränken . Am Sonntage führte er sie aus . Aber auch da schien der Verkehr nicht besonders lebhaft . Man sah die beiden , wie sie hintereinander , er voran , dann sie auf seiner Spur , langsam und wortlos durch die Getreidefelder zogen . Sonst schien es weiter keine Liebespaare zu geben . Welke hatte wohl hie und da einen Versuch gemacht , sich ein Herz zu erobern . Aber er war nur ausgelacht worden . Den Mädchen erschien er zu jung ; noch keine Spur von Bart war bei diesem Kieckindiewelt zu entdecken . Der weitaus Beliebteste und Begehrteste bei den Mädchen war Häschke . Aber er ließ sie zappeln , schien keiner seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen . Der Aufseher war damit sehr zufrieden . Er kannte Häschken von der Garnison her . Wenn einer Glück bei den Frauenzimmern gehabt , so war es dieser Schwerenöter gewesen . Daß ihm die Rübenmädel nicht gut genug waren , wie es schien , war ein Glück ; man hätte sonst nur Abenteuer erlebt . Übriges schien sich Häschkekarl anderwärts schadlos zu halten . Der Aufseher fand eines Nachts beim Revidieren des Männerschlafsaales Häschkes Bett leer . Er tat , als habe er nichts gesehen . Recht gut , daß dieser glänzende Kater außer dem Hause auf Liebespfaden schweifte ! - Gustav Büttner , der sich für gewöhnlich eines gesunden und festen Schlafes erfreute , lag während einer hellen Mondnacht ausnahmsweise wach im Bette . Der Junge war laut gewesen , und der Vater hatte Paulinen helfen müssen , das Kind zu beruhigen ; darüber hatte er nicht wieder einschlafen können . Während er so dalag , vernahm er an der Hauswand ein Geräusch , das ihn stutzen machte . Er setzte sich im Bette auf und lauschte hinaus . Es klang wie ein Hinabschürfen an der Mauer , dann ein Stapfen auf dem Erdboden ; aber alles nur gedämpft , kaum vernehmbar . Gustav dachte sofort an Häschke . Der Vagabund stieg wohl aus ! Dann war es vielleicht besser , man untersuchte die Sache gar nicht erst , um nicht eingreifen zu müssen . Jetzt neues undeutliches Geräusch ! Leichtes Rütteln , und Knarren ! Aber diesmal kam es von einer anderen Stelle , mehr aus der Richtung , wo die Mädchen schliefen . Die Wohnung des Aufsehers war so gelegen , daß sie die Schlafzimmer der Burschen und Mädchen trennte . Eine Verbindung mit dem übrigen Hause fand für die Mädchen nur durch die Aufseherwohnung statt . Das war alles von dem Erbauer sehr klug erdacht . - Gustav erhob sich , schlich in gebückter Haltung ans Fenster . Draußen lag die Landschaft wie am Tage , im Vollmondlicht . Trotzdem konnte er zunächst nichts Verdächtiges erkennen . Erst als er sich so weit aufgerichtet hatte , daß er durch das Fenster den Streifen Rasen dicht am Hause zu überblicken vermochte , sah er dort eine männliche Gestalt . Der Bursche arbeitete mit gebeugtem Rücken , wuchtete , schien etwas im Boden zu befestigen . Dann erhob er sich plötzlich und blickte am Hause in die Höhe . Jetzt , wo das Mondlicht hell auf seinem Gesichte lag , erkannte ihn Gustav deutlich : es war Häschke . Er schien mit jemandem im ersten Stock in Unterhandlung zu stehen ; denn er machte Zeichen mit der Hand nach aufwärts . Der Aufseher war im höchsten Grade gespannt , was nun weiter erfolgen werde . Er drückte sein Gesicht ganz an die Scheiben . Jetzt erkannte er , an der Mauer hängend , einen Gegenstand wie einen Strick , dessen unteres Ende Häschke in der Hand hielt . Eine Strickleiter ! Der Halunke wollte einsteigen ! - Dem Aufseher schoß das Blut zu Kopfe . Das waren Streiche , wie man sie wohl im Manöver ausgeführt hatte . Bei Nacht in die Mägdekammer , wenn der Bauer am Abend zuvor den Schlüssel dazu abgezogen hatte . Gustav hatte mal mit Häschke zusammen auf einem Gutshofe gelegen , wo der Inspektor besonders streng war . Wie zu den Mägden kommen ? Da hatte Häschke , der nie um ein Mittel verlegen war , die Kühe im Stall losgebunden , daß mitten in der Nacht alles brüllend im Hofe herumlief . Der Inspektor in seiner Not holte selbst die Mägde herbei zum Anbinden des Viehes . Währenddessen waren Häschke und Gustav in die Kammer gelangt , hatten sich da gut versteckt . Nun waren sie da , wo sie sein wollten . - Während Gustav an diesen wohlgelungenen Streich aus einer vergangenen Zeit zurückdachte , stieg ihm gleichzeitig der Ärger auf , daß Häschke es nun versuchte , ihn zu hintergehen . Das ging doch wirklich zu weit ! Der Aufseher beschloß , dem Burschen einmal gründlich aufs Dach zu steigen . Er wollte nur warten und zusehen , was jener noch weiter angeben werde . Bei der Gelegenheit würde man vielleicht auch herausbekommen , wer die eigentlich sei , der seine Zeichen galten . Da auf einmal erschien in Gustavs Gesichtsfelde eine neue Gestalt . Gegen die helle Hauswand hob sich ein schmaler Schattenriß ab . Erst sah es aus , als schwebe die Gestalt in der Luft , dann erkannte man , daß sie sich vorsichtig an den Stricken zum Boden hinabließ . Der Aufseher wollte seinen Augen nicht trauen . Das war ... ja , wahrhaftiger Gott ! das war seine eigene Schwester ! - Gustav war so bestürzt , daß er zunächst gar nichts tat . Wie festgebannt harrte er auf seinem Platze aus . Ernestine und Häschke ! - War