, eine fanatische Sehnsucht in die Ferne hinein . Wenn er sich jetzt in den ersten besten Zug warf und hinausfuhr , war er all ' den dummen , rüden Krempel los , hatte er alle diese abgeschmackten Lügen hinter sich , verschwamm Alles , schlug Alles zusammen hinter ihm . Da war die Thür . Eine Pforte zu auch einer Zukunft . Er schüttelte wehmütig den Kopf . Ach ! Er stak zu tief , zu tief im Schlamme dieses verworrenen Lebens . Nun wollte er nach Hause gehen , endlich nach Hause , auf dem kürzesten Wege . Er bog in eine schmale Gasse ein , die an ihrem Ende breiter wurde . Da links war eine Lücke , wenigstens eine Art von Lücke , eine auffällige Unterbrechung . Ein Haus wurde abgerissen . Einen wüsten Schutthaufen gab ' s , grauschwarz nahm sich ' s in der falben Monddämmerung aus , Balkenköpfe ragten aus dem massiven Wirrwar mit den stumpfen Grenzen ihrer plumpen Formen heraus , verschiedene wie geschundene Mauerreste standen herum , herabfaserndes Rohrwerk lugte aus einer verwinkelten Hausecke . Und da war auch noch eine Tapete sichtbar , eine grünschwarze Tapete . Adam war über die Barrière , in deren Mitte eine trübe , verschlafene Oelfunzel blinzelte , geklettert und versuchte , sich so weit als möglich der Wand zu nähern . Es war ihm ein ungestümes Zucken , ein nervöses Prickeln in den Fingern , es trieb und zwang ihn unwiderstehlich , die Tapete zu betasten . Aber der Schutt war zu hoch und zu rissig , zu klüftig , er mußte umkehren . Und da kam ihm der Gedanke : wie sieht die Tapete in deinem Arbeitszimmer aus - ? Er besann sich , besann sich , er konnte sich der Farbe nicht erinnern . Der Gedanke , die dumme , einfältige Frage hatte ihn gepackt und ließ ihn nicht wieder los . Sie keilte sich fest in seinem Gehirne . Er dachte nichts anderes mehr , er fragte sich nur immer und immer wieder nach der Tapete in seinem Arbeitszimmer ... wie sie aussähe ... wie sie aussähe ... wie sie aussähe - diese Tapete ... diese Tapete ... diese Tapete ... ? So lief er weiter , seiner Wohnung zu , je näher er ihr kam , um so mehr eilte er , die Schwere seiner Glieder war noch gewachsen , sie war fast unerträglich geworden , seinen Kopf fühlte Adam wie eine schwere , amorph verquollene Masse , er glaubte , ein dumpfes , knurrendes Kreisen in seinem Schädel zu verspüren , Alles war in ihm erstorben , todt , wie aufgesogen von dem Einen , das er wie eine materielle Last in seinem Gehirn empfand ... wie aufgesogen von der Frage , die immer wiederkam und ihn ganz ausfüllte - von der Frage nach der Farbe seiner Tapete ... Und er lief weiter in die Nacht hinein und keuchte halblaut vor sich hin : Tapete ... Tapete ... Tapete ... Nun stand er vor dem Hause , in dem er wohnte . Er sah unwillkürlich zu seinen Fenstern hinauf . Oben war Licht . Adam schrak zusammen . Wer war da oben ? Wer war in seinem Zimmer ? Wer erwartete ihn da ? Wer ? Wer ? Wer ? Wer lauerte auf ihn ? Ah ! Das Unglück ! Jawohl , das Unglück , das er schon den ganzen Abend über geahnt hatte ! Oder der Tod ? Oder der Wahnsinn ? Wer saß da hinter diesen blaßerleuchteten Scheiben ... auf einem Fauteuil ... auf dem Sopha ... irgendwo in seinem Zimmer - ? Wer kauerte unter dem Tische , auf dem Teppich ? Wer ? Wer ? Wer - ? Aber es konnte ja nicht sein . Es war eine Täuschung . Er schlich sich über den Fahrdamm , leise , ganz leise , als ob ihn Keiner hören sollte ... auch jener Unbekannte nicht , der da oben hinter den blaßerleuchteten Scheiben saß , auch jener unbekannte Gast nicht ... und schaute noch einmal empor . Aber der matte falbe Lichtschein blieb , er blieb , in derselben discreten Stärke , in derselben monotonen Gleichmäßigkeit , er blieb und blieb ... und blieb ... und kein Schatten lief dort oben hinter den Scheiben vorbei ... Adam athmete tief auf . Er fürchtete sich wohl noch ? War er denn ein Mann oder ein schlottriger Bube ? Mochte ihn doch dort oben erwarten , wer wollte , wer Lust dazu hatte - ha ! er fürchtete sich nicht , gewiß nicht ... er würde jetzt hinaufgehen und sich mit eigenen Augen überzeugen ... und dem Eindringling entgegentreten ... und sich ihm zum Kampfe stellen , wenn ' s sein mußte - ja ! - wenn ' s sein mußte - Adams Hände zitterten doch stark , als er das Schlüsselloch suchte . Nun ging er die Treppen in die Höhe , langsam , schwer athmend , immer langsamer , er schleppte sich hinauf , es lag eine dumpfe , schwere , unabwälzbare Furcht auf ihm . Die Heimchen zirpten , auf den Stufen winselten blauschwarze , schwindsüchtige Mondscheinschatten . Nun stand er auf dem Corridor , dicht vor seiner Thür . Er horchte . Es war Alles still , Alles todtenstill hinter dieser Thür . Nichts regte sich , bewegte sich . Adam athmete schwer . Ein eingekrallter Druck würgte an seiner Kehle . Ha ! Fürchtete er sich denn immer noch ? Nein ! Nein ! Er brauchte ja bloß diese Thür aufzureißen ... und er wußte , wer ihn erwartete ... er sah Den , der die Hände nach ihm ausstreckte ... Es war zum Todtlachen ! Er fürchtete sich ! Und jetzt plötzlich kam ihm der Gedanke an die Tapete wieder , an die Farbe seiner Tapete . Ha ! Was ging ihn der an , der da hinter dieser Thür saß und ihn erwartete ? Nichts ! Nichts ! Er wollte ja nur