die es trugen , dabei auseinandergedrückt . Das zarte Möbel lag kläglich auf dem Boden mit allem , was sich darauf befunden ; aus dem kleinen Porzellangefäße lief ein kümmerliches Bächlein Tinte . In diesem Augenblicke trat auch Myrrha in das Zimmer und stellte sich mit Schrecken und Bedauern ebenfalls vor den Schaden . Wohlwend war plötzlich zur Besonnenheit und Frau Alexandra aus dem Winkel zurückgekehrt , in welchen sie sich geflüchtet hatte . Hiermit blieb das Gespräch für einmal auf sich beruhen . Das , wovon es handelte , schwebte dafür anderwärts an die Luft empor . Salanders Sorgen waren zur Ruhe gekommen , die Wut des allgemeinen Übels hatte nachgelassen , die ärgerlichen Zeitungsnachrichten hörten allmählich auf , und sein besonderer Anteil , die Geschichte der zwei Notare , war in der sühnenden Stille der Strafgefängnisse eingeschlafen , der kurze Scheidungsprozeß der Töchter entschieden und ihr altneues Leben im Elternhause tröstlich geordnet . Sie hatten sich mit einem Teil ihres Gerätes im oberen Stockwerke eingerichtet und gingen der Mutter mit der im einsamen Ehestand angewöhnten häuslichen Tätigkeit zur Hand . Im übrigen lebten sie eingezogen und verhältnismäßig zufrieden , was die Mutter nicht hinderte , im stillen , soviel der Vater merken konnte , auf den Sohn Arnold zu bauen , durch welchen wohl der ein und andere Mann von Tüchtigkeit im Gesichtskreise der Familie auftauchen würde ; denn die Töchter sähen eigentlich erst jetzt nach etwas aus , wie wenn sie an Inhalt gewonnen hätten . Arnold sollte einstweilen in dem Hause wohnen , wo Salanders Geschäftsräume waren . Er hatte die Liegenschaft endlich gekauft , weil die Eigentümer gestorben . Der große Garten sollte neu hergestellt und gepflegt , auch das Haus für alle ausgebaut werden . Nachdem dergestalt eine friedliche Windstille eingetreten und die Zukunft heller und wieder glücksfähiger geworden schien , entlud sich auch Martin Salanders Gemüt seiner Lasten bis auf den dunklen Druck seines verjüngten Liebesbedürfnisses , oder wie man es nennen mochte . Um seine mannigfaltige Tätigkeit für Volk und Staat mit erneuter Kraft aufzunehmen , war ihm , wie er unverwüstlich glaubte , die Herzerneuerung durch die schöne , keusche Neigung notwendig , die sich während des Unwetters geduckt hatte , wie jenes Käuzlein , und nun wieder die Flügel breit machte und die Augen glühen ließ in den dunklen Nächten . Zwar hielt ihn die Anwesenheit der Töchter noch von allen bedenklichen Schritten zurück , so daß er sich nur in unbestimmten Plänen und Hoffnungen des Wiedersehens erging . Da geschah es an einem Winternachmittage , als er einen Marsch ins freie Feld tun wollte , daß er dem Fräulein Myrrha Glawicz begegnete , welches in der Vorstadt einen verlorenen Weg zu suchen schien und , in Samt , Pelz und Schleier gehüllt , vorsichtig und scheu die feinen Füße in den Schnee setzte gleich einem verirrten ziervollen Vogel aus wärmeren Zonen . Erst als sie schon ganz in der Nähe war , erkannte er die Gestalt , die er mit den Augen wohlgefällig verfolgt hatte , und sah , wie sie tief errötete und ihn mit den großen Augen flehentlich ansah , als ob sie um Mitleid bäte , da er sie freudig erschreckt begrüßte . Erfahrend , wohin sie wolle , führte er sie eine Strecke auf den richtigen Weg , den sie zu gehen hatte , und versuchte mit ihr zu sprechen , abermals ohne einen ordentlichen Gang der Wechselreden zu finden . Denn er war bald ebenso verwirrt wie die Dame selber , die sich , vor einem Hause stehenbleibend , plötzlich mit süßem Danke und neuem Erröten losmachte und hineinging . Seinen Weg stundenlang fortsetzend , bis die rötliche Dämmerung die beschneiten Fluren allmählich verhüllte , beschloß er , seiner Gattin anzukündigen , daß er die Wohlwendschen Frauen ins Haus einzuführen wünsche , und ihr dabei offen zu bekennen , wie er des Anblickes der unschuldigen Schönheit Myrrhas bedürfe und daran von den Krankheiten der Zeit zu gesunden und wieder zu erstarken hoffe , und wie das alles keine Bedenken und Gefahren in sich bergen solle . Kurz , er dachte sich eine lange Rede aus , seine Torheit als Weisheit darzustellen ; und selbst die guten Töchter erschienen ihm nicht mehr als Hindernisse , sondern im Gegenteil als jugendliche Mittlerinnen in dem Verjüngungshandel , da sie ja erst recht den wonniglichen Verkehr ermöglichten . Trotzdem schlug ihm das Herz etwas ängstlich , als er sich seinem Hause näherte ; die Angst verwandelte sich aber in Verwunderung , weil alle Fenster von unten bis oben hell erleuchtet waren . Auf dem Hausflur lagen Kisten und Gepäckstücke ; die schöne Laterne , die von oben herunterhing , als ein neuangeschafftes Stück , erhellte die Treppen , auf denen Frau Marie mit dem Schlüsselbund dem Manne begegnete . Sie fiel ihm sofort um den Hals und rief : » Martin , wo bleibst du ? Es ist wieder einmal einer aus Brasilien gekommen ! Arnold ist da ! « » Jetzt schon ? Ich glaubte , auf Ostern gelte es ? « sagte Salander betroffen . » Er wird eben täglich klüger und hat sich früher eingeschifft ! Komm herein , Setti und Netti sind in allen Zuständen , das macht , er hat sich herzig gegen sie benommen , sie brauchten sich gar nicht zu schämen vor dem Herrn Bruder ! Hör nur , wie sie lachen ! « Sie lachten wirklich , obschon Arnold ganz ernsthaft in der Stube stand , als Vater Martin hineinging . Der Sohn trug den jugendlichen Kopf des letztern auf den Schultern ; aber er war um einen Zoll höher gewachsen und dabei schlank wie eine Tanne . Das Herz des Vaters freute sich über den Anblick ; ein feines Ohr hätte mitten in der Herzensfreude einen schwachen Schrei , wie eines erwürgten Kaninchens hören können , da in derselben die pedantische Liebelei Martins ohne weitere Umstände verschied . Denn ohne daß er sich deutlich des Vorganges bewußt wurde ,