alles im Ritterdienste Hoppenmariekens . Wer hielt je treuer zu seiner Devise : Mon coeur aux dames ! « » Es müssen eben Zwerginnen kommen , um euch zu ritterlichen Taten anzuspornen . Sonst laßt ihr andere eintreten in Taten und Gesang , und wenn es Doktor Faulstich wäre . Im übrigen ist es Zeit , Lewin , daß wir unsere Lektion beginnen . Ich weiß vorläufig nur , daß die erste Strophe mit einem Reim auf Guse abschließt ; Muse , Guse . Ich glaube , die ganze Melpomene-Idee wäre nie geboren worden , wenn dieser Reim nicht existiert hätte . « Nun begann unter Lachen das Rezitieren , und immer , wenn eine neue Strophe bezwungen war , salutierte Lewin , und der Knall seiner Schlittenpeitsche , dann und wann das Echo weckend , hallte über die weite Schneefläche hin . So hatten sie Golzow , bald auch Langsow passiert , und der Guser Kirchturm wurde schon zwischen den Parkbäumen sichtbar , als plötzlich die Ponies , deren schwarze Mähnen von Renneifer wie Kämme standen , ihnen zur Seite waren und der alte Vitzewitz , in seinem Kaleschwagen sich aufrichtend , zu Kathinka hinüberrief : » Gewonnen ! « » Nein , nein ! « Und nun begann ein Wettfahren , in dem als nächstes Objekt die Ottaverime des Doktors und gleich darauf alle Gedanken an Prolog und Melpomene über Bord gingen . Auch über die Braunen , die vor den Schlitten gespannt waren , kam es wie eine ehrgeizige Regung alter Tage , aber der Vorteil ihrer größeren Schritte ging bald unter in dem Nachteil ihrer längeren Dienstjahre , über die nur einen Augenblick lang die jugendlich machenden Schneedecken hatten täuschen können , und um ein paar Pferdelängen voraus donnerte der Kaleschwagen über die Sphinxenbrücke und hielt als erster vor dem Schloß . Berndt hatte das Spritzleder schon zurückgeschlagen , sprang herab und stand rechtzeitig genug zur Seite , um Kathinka die Hand reichen und ihr beim Aussteigen aus dem Schlitten behilflich sein zu können . » Da hast du die gewonnene Wette « , sagte sie , dem Alten einen herzhaften Kuß gebend , während sie zugleich , zu Lewin gewandt , hinzusetzte : » Voilà notre ancien régime . « Dann traten sie in die geheizte Flurhalle , wo Diener ihnen die Mäntel und Pelze abnahmen . In dem blauen Salon der Gräfin war heute der » weitere Zirkel « , dem , außer einigen unmittelbaren Nachbarn von Tempelberg , Quilitz und Friedland her , auch der Landrat und der neue Seelowsche Oberpfarrer angehörten , schon seit einer halben Stunde versammelt und teilte seine Aufmerksamkeiten zwischen der Wirtin und ihrem bevorzugten Gaste , Demoiselle Alceste . Diese , wie sie zugesagt , war bereits einen Tag früher eingetroffen , und in Plaudereien , die sich bis über Mitternacht hinaus ausgedehnt hatten , war der Rheinsberger Tage , der Wreechs , Knesebecks und Tauentziens , vor allem auch der prinzlichen Schauspieler , des genialen Blainville und der schönen Aurora Bursay , mit herzlicher Vorliebe gedacht worden . Über Erwarten hinaus hatte das Wiedersehen , das nach länger als zweiundzwanzig Jahren immerhin ein Wagnis war , beide Damen befriedigt , von denen jede das Verdienst , sofort den rechten Ton getroffen zu haben , für sich in Anspruch nehmen durfte . Am meisten freilich Demoiselle Alceste ; sie vereinigte in sich die Liebenswürdigkeiten ihres Standes und ihrer Nation . Sehr groß , sehr stark und sehr asthmatisch , von fast kupferfarbenem Teint und in eine schwarze Seidenrobe gekleidet , die bis in die Rheinsberger Tage zurückzureichen schien , machte sie doch dies alles vergessen durch den die größte Herzensgüte verratenden Ausdruck ihrer kleinen schwarzen Augen und vor allem durch ihre Geneigtheit , auf alles Heitere und Schelmische und , wenn mit Esprit vorgetragen , auch auf alles Zweideutige einzugehen . Was ihr anziehendes Wesen noch erhöhte , waren die Anfälle von Künstlerwürde , denen sie ausgesetzt war , Anfälle , die - wenn sie nicht an und für sich schon einen Anflug von Komik hatten - jedenfalls in dem als Rückschlag eintretenden Moment der Selbstpersiflierung zu herzlichster Erheiterung führten . Ihre geistige Regsamkeit , auch ihr Embonpoint , das keine Falten gestattete , ließen sie jünger erscheinen , als sie war , so daß sie sich , obgleich sie beim Regierungsantritt Ludwigs XVI. die Phädra gespielt hatte , in weniger als einer halben Stunde der Eroberung erst Drosselsteins und dann Bammes rühmen durfte . Von diesen Eroberungen mußte ihr , ihrem ganzen Naturell nach , die zweite die wichtigere sein . Drosselsteins hatte sie viele gesehen , Bammes keinen , und den Tagen der Liebesabenteuer auf immer entrückt , hatte sie sich längst daran gewöhnt , den Wert ihrer Eroberungen nur noch nach dem Unterhaltungsreiz , den ihr dieselben gewährten , zu bemessen . Sie war darin der Gräfin verwandt , nur mit dem Unterschiede , daß diese das Aparte überhaupt liebte , während alles , was ihr gefallen sollte , durchaus den Stempel des Heitern tragen mußte . Dabei war ihr überraschenderweise auf der Bühne das Komische nie geglückt , und nur in Rollen , die sich auf Inzest oder Gattenmord aufbauten , hatte sie wirkliche Triumphe gefeiert . Es wurde schon der Kaffee gereicht , als die Hohen-Vietzer eintraten und auf Tante Amelie zuschritten . Diese , nach herzlicher Begrüßung , erhob sich von ihrem Sofaplatz , um ihren Liebling Kathinka - die kaum Zeit gefunden hatte , von Renatens Unwohlsein und der momentan in Gefahr geratenen Melpomenerolle zu sprechen - mit ihrem französischen Gaste bekannt zu machen . Demoiselle Alceste brach ihr Gespräch mit Bamme ab und trat den beiden Damen entgegen . » Je suis charmée de vous voir « , begann sie mit Lebhaftigkeit , » Madame la Comtesse , votre chère tante , m ' a beaueoup parlé de vous . Vous êtes polonaise . Ah , j ' aime beaucoup les Polonais . Ils sont tout-à-fait les Français du Nord