über den Rücken gewendet : » Man will also die gewöhnliche Kost , die Jeder bei seiner Ankunft hier erhält ? « » Man will gar nichts , « sagte ich , indem ich an das Fenster trat . » Also auch kein Licht , denn das ist ebenfalls extra . « Ich antwortete nicht . Ich hörte wie der Alte an den Tisch ging , das Licht nahm , es auf den Präsentirteller stellte und nach der Thür schritt . Dort blieb er stehen , vermuthlich um abzuwarten , ob ich mich nicht noch eines Anderen besinnen würde . Ich regte mich nicht . Der Alte hustete , ich rührte mich nicht . Im nächsten Augenblick war ich im Dunkeln - allein . » So ist ' s recht , « murmelte ich , » geht zum Teufel ihr Alle mit eurer Freundlichkeit und Grobheit ; ich brauche den Einen so wenig wie den andern ; ich will Keinem verpflichtet sein , Keinem ! Keinem ! « Ich lachte laut und dann griff ich wieder in die Eisenstangen des Fenstergitters und rüttelte daran und lief hin und her durch das fast dunkle Gemach wie ein wildes Thier . Mein Blut kochte , meine Pulse schlugen , meine Schläfen hämmerten , ich glaubte , ich müsse wahnsinnig werden . Endlich warf ich mich angekleidet auf das Bett und lag da , den Ellnbogen aufgestemmt , in dumpfer Verzweiflung , brütend über mein Loos , das mir nie so entsetzlich erschienen war ; mich in wilden Haß hineinredend gegen die Menschen , die mir dies angethan hatten : gegen meine Richter , gegen meinen Vertheidiger , gegen meinen Vater , gegen alle Welt , mich in dem Entschluß bestärkend , nicht von meinem Trotz zu lassen , Keinem ein bittendes Wort zu gönnen , Keinem dankbar sein zu wollen und vor Allem mir die Freiheit zu verschaffen , es koste was es wolle . So lag ich da - lange Stunden . Endlich schlief ich ein und träumte von blühenden Wiesen , über welche bunte Schmetterlinge flogen , die ich haschen wollte und nicht haschen konnte , weil , wenn ich sie berührte , sie zu rothen Rosen wurden . Und die rothen Rosen , als ich sie brechen wollte , fingen an zu leuchten und zu klingen und stiegen klingend und leuchtend hinauf in den Himmel , von wo sie als blühende Mädchengesichter auf mich herablächelten . Das war so lieblich und so drollig , daß ich mich in toller Lustigkeit auf der Wiese herumwarf . Aber als ich erwachte , lachte ich nicht . Als ich erwachte , stand Süßmilch vor meinem Bette und sagte : » Man wird nun doch arbeiten müssen . « Dreiundzwanzigstes Capitel . Seit vierzehn Tagen arbeitete ich : die schwerste Arbeit , die es für den Augenblick im Bereiche des Arbeits- , Zucht- und Gefangenhauses gab . Ich hatte das keineswegs nöthig , weder nach dem Buchstaben des Gesetzes , welches nur vorschrieb , daß die Gefangenen ihren Fähigkeiten gemäß zu beschäftigen seien , noch auf Befehl des Directors , der mir im Gegentheil die Art meiner Arbeit vollkommen freigestellt hatte . Ja , noch mehr : er hatte mir angeboten , ob ich gewisse Listen aufstellen und Rechnungen anfertigen wolle , die gerade in dem Bureau der Anstalt verlangt wurden und zu denen ich das Material auf meine Zelle erhalten solle . Zu meiner Erholung würde ich in dem großen Garten der Anstalt , der gerade jetzt erweitert wurde , vollauf Gelegenheit zu angenehmer und gesunder Beschäftigung finden . Ich hatte erwiedert , daß ich - und hier hatte ich allerdings die Wahrheit gesagt - von jeher ein schlechter Rechner gewesen und daß ich von der Gärtnerei nichts verstünde . Ich wünschte , wenn ich doch einmal einen Wunsch äußern dürfte , eine schwere , eine ganz schwere Arbeit . Der Herr Director habe ja selbst schon angedeutet , daß für einen Menschen von meiner Constitution eine derartige Arbeit die passende sei . Ich habe es allerdings im ersten Augenblicke verneint , aber mir die Sache reiflicher überlegt und gefunden , daß der Herr Director vollkommen recht habe . Ja , ich müsse gestehen , daß ich ein unwiderstehliches Verlangen empfinde , Holz zu spalten , Steine zu zerschlagen , große Lasten zu bewältigen . Auch hier hatte ich nicht gelogen . Mein starker Körper litt wirklich schwer unter der erzwungenen Unthätigkeit . Aber es waren noch ganz andere Gründe , die mich bestimmten . Wie , mir selbst kaum bewußt , die Rücksicht auf meinen Vater für mein Thun und Lassen bestimmend war , wie ich aus Trotz gegen ihn von ihm geflohen , wie ich aus Trotz gegen ihn mich selbst dem Gerichte gestellt hatte , so war es wiederum Trotz , was mich jetzt die Unterstützung , die er mir zugesagt , zurückweisen und die gröbste Arbeit wünschenswerth erscheinen ließ . Er sollte nicht nur nicht sagen können , daß ich , selbst im Gefängnisse , ihm zur Last falle ; er sollte erfahren , daß sein Sohn es nicht besser habe als ein Verbrecher , der ich ja doch in seinen Augen war ! Und ebensowenig wollte ich , daß der sanft redende Director sagen könnte : » Ich habe bei dem jungen Menschen , der ja doch guter Leute Kind ist , Gnade für Recht ergehen lassen . « Und schließlich : eine grobe Arbeit , wenn man mir sie gab , und die doch wohl jedenfalls im Freien vorgenommen wurde , mußte mir bessere Chancen zur Ausführung des Planes gewähren , über dem ich jetzt Tag und Nacht brütete , des Planes , mit List oder Gewalt , oder mit List und Gewalt mir meine Freiheit zu verschaffen . Nun wäre freilich die mir angebotene Beschäftigung im Gefängnißgarten vielleicht diesem Zwecke förderlicher gewesen . Es ließ sich annehmen , daß die Aufsicht dort eine ziemlich lässige sein würde , besonders für mich , den der Director