, und da Herbert seiner Freude an dem Schönen und Lieblichen in der Natur , wo er diesem begegnen mochte , nachgab , so blieb er stehen und betrachtete , wie die weichen Binsen und das Schilf sich nickend in dem Wasser spiegelten , daß es zu Zeiten aussah , als hingen die goldenen Sonnenreflexe wie strahlende Blumen an den schwankenden grünen Halmen . Er pflückte eine kleine breitblättrige Farre , die in dem Moose auf der Brücke gewachsen war , steckte sie an seinen Hut und folgte dann dem Andern , der ihn drüben am Ufer erwartete . Als Herbert sich wieder an des Amtmanns Seite befand , der offenbar mit der Frage seines Begleiters beschäftigt geblieben war , sagte Jener : Eine Ursache und einen Anfang muß freilich Alles haben , aber die Dinge haben meist mehr als Eine Ursache , und hier die Veränderung unter den Leuten hat deren viele . Und wieder brach er zögernd ab , bis der Baumeister ihn mit erneuter Frage zum Weitersprechen nöthigte . Sehen Sie , Herr Baumeister ! fing nun der Amtmann an , als sei er nun zu dem Entschlusse gekommen , herauszusagen , was er eigentlich dachte : sehen Sie , unser Herr Baron ist ein guter Reiter , und wer ein guter Reiter ist und es weiß , daß kein Pferd ruhig bleibt , wenn man ' s heute gehen läßt , wie ' s eben mag , und morgen scharf zusammennimmt , ohne daß es was verfehlt hat , wer ' s aus Erfahrung weiß , daß man das beste , frommste Thier im Handumdrehen verreiten und stöckisch machen kann , der , meine ich , sollte das auch auf den Menschen appliciren . Es ist schwer auskommen mit dem Herrn Baron ! Mein Vater hat ' s schon immer gesagt , es war besser unter dem seligen Herrn ! Herbert bemerkte , daß der Freiherr ihm weder streng noch hart erscheine , daß er im Gegentheil nur wohlwollende und menschenfreundliche Aeußerungen von ihm vernommen habe . Der Amtmann machte eine zustimmende Bewegung mit dem Kopfe . Das ist ' s eben ! meinte er . Streng und hart ist gar nicht das Schlimmste , dabei kann Alles gehen , denn der Mensch gewöhnt sich allmählich an das , was gleichmäßig geschieht , und besonders denkt der Bauer in solchem Falle : es könne denn eben nicht anders sein . Wäre der Herr Baron nur immer streng , und machte er es wie sein Vater und sein Großvater , die sich um gar nichts kümmerten , als um ' s Verzehren und Genießen , so ständen wir Alle uns besser . Aber er ist leider Gottes menschenfreundlich und hat ein weiches Gemüth , und dazu mag er im Grunde seines Herzens selbst zuweilen denken , daß es wohl nicht immer so auf der Welt bleiben werde , wie bisher . Da kommt ' s denn , daß er heute nachgiebt , was er morgen verweigert , daß er dem Einen erlaubt , was er dem Andern verbietet . Das macht böses Blut . Die Einen denken , wenn er das zugesteht , kann er auch mehr zugestehen ; die Andern sind ihm aufsässig , weil sie ihre Forderung nicht durchgesetzt haben , und zuletzt bade ich es aus , denn zuletzt muß ich vor den Riß treten , und mit mir macht er ' s dann auch nicht besser . Man weiß nicht , wie man mit ihm daran ist . Seit er geheirathet und die Pauline sich ertränkt hat , ist das Alles schlimmer geworden , und seit wir nun gar den - verzeihen Sie , daß ich es einmal sage - verwünschten Kirchenbau hier haben , ist vollends der Teufel los ! Der Amtmann sagte das offenbar mit fester Ueberzeugung . Indeß obschon dies Herbert nahe genug anging und ihn lebhaft beschäftigte , so erregte doch die Erwähnung eines Frauenzimmers , das sich ertränkt haben sollte und das offenbar in einem nahen Zusammenhange mit dem Freiherrn gestanden haben mußte , um der Baronin willen vor allem Andern seine Neugier . Er fragte nach den näheren Umständen , erfuhr den ganzen Hergang der Sache und alle ihre Einzelheiten , wie man sie eben in der Umgebung und Dienerschaft des freiherrlichen Paares kannte und betrachtete . Herbert war sehr von dieser Kunde betroffen und ergriffen , denn jetzt glaubte er plötzlich den Schlüssel für alles dasjenige zu haben , was ihm gestern überhaupt in dem Wesen und in dem Verhalten der Baronin auffallend erschienen war . Das arme , arme Weib ! rief er unwillkürlich aus , als der Amtmann geendet hatte . Der Amtmann stimmte ihm bei , denn er glaubte , Herbert spreche von Pauline , und er rühmte deren Schönheit und gute Eigenschaften . Herbert aber dachte nur an die Baronin . Er bedauerte , daß er dies Alles nicht schon gestern gewußt habe , er fürchtete , der Baronin nicht verständnißvoll genug begegnet zu sein , und machte sich Vorwürfe darüber , daß er durch seine Aeußerung ihr wundes Herz getroffen , oder daß sie gar in derselben eine unberechtigte Andeutung auf ihr schweres Schicksal gefunden haben könne . Während er mit dem Amtmann den Bruchstein besah und Farbe und Gehalt desselben prüfte , während man mit dem Aufseher und dem Meister überlegte , welcher Art von Bearbeitung und Polirung der Stein fähig sei und in wie viel Zeit man die geforderten Quadern und Säulen herstellen und beschaffen könne , blieb das Bild der Baronin ihm immer gegenwärtig , und die Vorstellung , daß er mit seinem Baue ihrem innersten Herzensbedürfnisse genüge , daß er ihr dazu helfe , ein Gelübde zu erfüllen , eine Buße zu üben , von der sie sich eine Befreiung ihrer Seele versprach , wurde ihm ganz besonders werth . Es fiel dem Amtmann auf , daß Herbert während der Verhandlungen so dringend wurde , daß er die Termine , welche er am Anfange der Unterredung und