eines andern Morgens vernahm der Doktor Theophile Stein ein leises Klopfen an seiner Tür und ein leises Kichern vor seiner Tür ; Henriette Trublet hatte ihn wiedergefunden . Soweit war das alles in der Ordnung , und keines von beiden hatte dem andern etwas vorzuwerfen ; aber nun , unter einem andern Himmelsstriche , gestaltete sich das Verhältnis anders . Die arme Henriette , verlassen , rat- und hülflos , fand sich ganz in die Hände Theophiles gegeben : sie wurde zu einem verachteten , mißhandelten Spielzeug , und der flüchtige , farbige Staub , der ihre leichtsinnigen Schmetterlingsflügel bedeckte , war bald abgewischt und verblasen . Der Doktor Stein hatte jetzt einen Ruf zu bewahren , und wenn er schwach genug war , um die kleine , arme Pariserin nicht Von sich stoßen zu können , so war er doch stark genug , sie so tief hinabzudrücken und niederzuhalten , daß sie ihm dienen und gehorchen mußte , aber in keiner Weise imstande war , seinen Plänen und Hoffnungen hinderlich in den Weg zu treten . Durch seine Schuld und Intrige wurde sie gehindert , von ihren kunstfertigen Händen Gebrauch zu machen . Nur wenn sie ganz von ihm abhängig war , konnte er seine Tyrannei ganz ausüben an ihr . Als er ihrer überdrüssig war , hielt er sie auch für gänzlich gebrochen und ganz ungefährlich : er verschloß ihr daher auch ohne Bedenken die Tür und überließ sie ihrem Schicksal . Im Krankenhause gebar sie ein Kind gegen Mitte des Septembers , und am zweiten Oktober starb dieses Kind . Es war ein böser Platz , diese Bank an dem regungslosen , grünlichen Wasser , auf welcher der Kandidat Unwirrsch am vierten Oktober die arme Henriette Trublet sitzend fand . Traître - va ! Dreiundzwanzigstes Kapitel Henriette Trublet hatte ihre Geschichte erzählt , und dem Kandidaten Unwirrsch war heiß und kalt dabei zumute geworden . Es war aber sein Unglück , daß er sich von so ganz gewöhnlichen Dingen so sehr aufregen ließ und daß es ihm so schwer wurde , jedes dritte Vorkommnis lächerlich zu finden oder unbedeutend . Betäubt saß er da , bis die Französin plötzlich aufsprang , leidenschaftlich mit dem Fuß aufstampfte und rief : » O er hat bös an mir gehandelt , aber ik will mir rächen , wie ik kann . Ik will doch in seine Weg treten , und wär ' s in der letzte Stund . Und ik will zu ihr - ik will ! Ik will sagen der schöne Mademoiselle , wer er ist - le juif , le misérable ! Er soll nicht habe seine Willen - « » Kleophea ! « rief Hans . » Mein Gott , jaja , auch das ! Fräulein , Fräulein , Sie wissen um das ? O mein Kopf schwindelt - ich , wir , Sie müssen zu ihr , sie muß dies wissen . Nein , nein , und abermals nein , sie soll nicht in seine Hände fallen ; wir müssen sie retten , und geschähe es selbst gegen ihren Willen . « » Ik aben wohl gewußt , daß er nachgeht der schöne junge Dam , dort in der Haus am Park ; ik bin gewesen viel giftig gegen sie - pauvre petite . Ik aben gesteht vor ihre Fenster und gelacht , o mon Dieu , und meine Herz hat mir geblutet . Es war sehre bös , es war sehre slekt - pauvre coeur , ik will ihr retten von diese Mann ! Venez , monsieur le curé ! « Kalt und dunkel war der Abend , das schöne Wetter war ganz und gar vorbei , und der Wind fing an , den Nebel über den Teichen zu bewegen und die Zweige zu schütteln . Er fing an zu stöhnen und zu seufzen wie an jenem Tage , an dem Hans von der Universität zum Sterbebett der Mutter zog . Es rauschte in der Weite und ächzte in der Nähe , die Lichter und Laternen in der Ferne zwischen den Bäumen schienen hin und her geworfen zu werden wie das Gezweig . Der feurige Schein der großen Stadt am schwarzen Himmel war wie das Hauchen des schrecklichsten , letzten Abgrundes . Nun war freilich das Getümmel der Spaziergänger längst zerstoben ; die Reichen wie die Armen hatten sich verkrochen , den schattenhaften Gestalten , die noch in den Gängen des Parkes umherschlichen , war wenig zu trauen ; man tat gut , ihnen wo möglich auszuweichen . Aus einem fernen Vergnügungslokal trug der Wind die Töne einer Tanzmusik her , stückweise - in Fetzen . Dicht an der Seite des Kandidaten schritt Henriette Trublet , und er gab ihr seinen Arm , als sie erschöpft hinter seinem hastigen Schritt zurückblieb . Immer häufiger und heller blitzten die Gaslaternen durch die Bäume - da war die Straße , und dort das Haus des Geheimen Rates Götz . Die beiden Wanderer standen einen Augenblick still . Nur ein einziges Fenster war erhellt . » Das ist nicht ihr Licht ! Da wohnt sie nicht ! « sagte die Französin . Hans Unwirrsch schüttelte den Kopf ; er konnte den Namen Franziska in dieser Begleitung nicht aussprechen . O über dieses erhellte Fenster in der unruhvollen , wilden , finstern Nacht ! Friede und Ruhe ; - Gottes Segen über das Fränzchen ! Der Kandidat neigte sein Haupt gegen den dämmerigen Schein in der Höhe , und dann faßte er sanft die Hand des armen Geschöpfes , das beim Austritt aus dem Dunkel der Bäume sich wieder von seiner Seite zurückgezogen hatte . » Kommen Sie , pauvre enfant - wir gehen einen guten Weg ! « sagte er . Sie gingen durch den kleinen Garten , und Hans zog die Türglocke . Sie mußten eine geraume Zeit warten , ehe es Jean gefiel , zu öffnen . Endlich kam er und verwunderte sich sehr über die Begleiterin des Hauslehrers , aber noch mehr über den Nachdruck