. Konrad erwartete ihn schon an der bestimmten Stelle . » Der Bruder Martin ist dort in der Ecke eingeschlafen , « sagte er , » wir können ungestört zusammen reden . Er ist ein guter Alter , der mir manchen Trost zugesprochen und manche Freundlichkeit gewährt . Dafür such ' ich ihm wieder andere zu erweisen . Da er den Schlaf , ungern entbehrt , so habe ich schon ein paar Mal hier für ihn gewacht : aber da dies eigentlich kein Novizenamt ist , so muß er mit in der Kirche sein für den Nothfall ; doch erfreut er sich auch in einem Kirchenstuhl eines gesegneten Schlafes . Es paßte gerade , daß er heute die Wache hat - sollte er wirklich erwachen und Dich hier finden , so drückt er mir zu Liebe auch ein Auge zu ; wir haben also in keinem Fall etwas zu fürchten . - Es freut mich , ungestört mit Dir plaudern zu können - aber mir schien auch , Du habest etwas Wichtiges auf dem Herzen . So rede ! « » Gewiß ! « antwortete Ulrich , » und ich vertraue Dir - kein Baubruder wird den andern verrathen ! « » Meine Hand darauf ! « sagte Konrad ; » könntest Du in mein Herz sehen ! « und er reichte ihm die Hand mit dem Drucke der freien Steinmetzen . » Sage mir , was Du von Amadeus weißt ! « bat Ulrich ; » verhält sich Alles so , wie wir heute vernommen ? « » Alles , « antwortete Konrad . » Ist Amadeus wirklich wahnsinnig ? « Der Novize zuckte die Achseln : » Ich kann es mir selbst nicht anders denken - doch möcht ' ich auch keinen Eid darauf ablegen ; ich habe ihn außerdem sehr vernünftig sprechen hören , doch bin ich noch kein Jahr im Kloster , und die Andern sagen , daß er früher schon solche Anfälle gehabt . « » Und was wird nun sein Geschick sein ? « » Auf jeden Fall ein schreckliches ; in dem finstern Loch an der Kette bei Wasser und Brod wird man ihn verschmachten lassen - vielleicht auch einmauern - « » O Gott ! und ich habe ihm dies Loos bereitet ! « rief Ulrich außer sich ; » Du sagtest , daß Du schon auf die willkürliche Zertrümmerung aufmerksam gemacht und daß man Dir nicht glaubte ; man wollte vielleicht diese schreckliche Strafe vermeiden - und nur durch mich ist der Schuldige gefunden und zum Opfer geworden ! « » Du sagtest ja selbst , daß ein solcher Frevel Strafe verdiene ! « entgegnete Konrad verwundert . » Im Eifer für die Kunst vergaß ich den Menschen ! « seufzte Ulrich . » Kannst Du mir nicht helfen , diesen Amadeus zu sprechen . « » Wozu sollte das führen ? - es wird auch gar nicht möglich sein . « » Konrad - ich beschwöre Dich - verrathe mich nicht ! Hilf mir ! Ich muß ihn sprechen - ich glaube , er ist ein Verwandter von mir . - Hast Du nie etwas von seinem frühern Geschick - seiner Herkunft gehört ? « » Daß er einst ein stolzer Ritter gewesen und vor ungefähr dreizehn Jahren in das Kloster gekommen , hat er mir selbst erzählt . Er habe schwere Sünde auf sich geladen gehabt und sich in diesem Walde das Leben nehmen wollen - da er aber das Schwert gegen sich selbst erhoben , habe ihm ein Mönch dasselbe entreißen wollen , so daß er sich nur verwundet ; der Mönch , eben der Bruder Martin , der dort schläft , hatte den Bewußtlosen mit in das Kloster genommen und hier den an der Wunde und einem hitzigen Fieber schwer Darniederliegenden verpflegt . Als er wieder zu genesen begann , blieb er im Kloster , um wenigstens für die Welt draußen todt zu sein , und ward Mönch , um seine Sünden zu büßen . Das hat er mir selbst erzählt , da er mich fragte , warum ich so jung schon Zuflucht in diesen Mauern suchte . « » Du wolltest uns Deine Geschichte erzählen ! « sagte Ulrich . » Ich glaubte , Du habest mich darum hierher bestellt , « antwortete Konrad , » aber Du scheinst jetzt nicht aufgelegt , sie zu hören ? « » Doch « - versetzte Ulrich ; » vielleicht gleicht sie der meinen . « » Da sei Gott vor ! « rief Konrad im schmerzlich abwehrenden Tone . » Aber ich kann Dir Alles mit wenig Worten sagen . Meine Mutter war eine Wittib in Regensburg , und da mich meine Liebe frühe zur Kunst zog , so lernte ich dort in der Bauhütte und ward in die Zunft der freien Steinmetzen aufgenommen . In dem Hause , in dem wir wohnten , hatte die Tochter unserer Hausfrau ein Auge auf mich geworfen , aber ich wollte meinem Gelübde treu bleiben und folgte nicht ihren Lockungen , obwohl ich das Mädchen selbst lieb hatte und es mir manchen schweren Kampf kostete , in meinem Vorsatz fest zu bleiben . Das Mädchen war unglücklich und liebeskrank ; ihre Mutter machte mir Vorwürfe und fragte , ob ich ihr die Tochter ermorden wolle oder nicht ? Ich hatte keine andere Antwort , als meinen Schwur als Baubruder , der mich zum Cölibat verdammte - da sagte sie : dann wisse sie einen Rath . Ich blieb dennoch von ihr zurückgezogen . Nicht lange darauf erhielt meine Mutter eine gerichtliche Vorladung , deren Inhalt ich nicht erfuhr , und wieder nicht lange darauf ward mir in der Bauhütte angekündigt , daß man mich aus derselben stoßen müsse , denn meine Zeugnisse seien falsch gewesen : ich sei nicht von ehrlicher Geburt . Meine Mutter habe mich zwar für das Kind ihres Gatten ausgegeben - aber jetzt habe sie selbst auf Befragen gestanden , daß ich der Sohn des reichsten Nürnberger