bei uns drüben die Sümpfe nicht austrocknen können , ohne nicht oft in Brand zu gerathen . Die Flammen sieht man nicht , aber die Erde dampft und brennt immer fort von diesem unterirdisch glühenden Torf . Ihnen würde es drüben sein , als wenn Sie verurtheilt wären , Ihr Leben lang in einer Stube mit einem rauchenden Ofen zu leben . Uns aber ist dieser Rauch ein Arom wie Patschouli . Wir ziehen ihn schon mit der Geburt ein und wenn wir in der Ferne stürben , würden wir glauben Paradiesesluft zu athmen , wenn plötzlich neben uns ein Kohlenbecken hingestellt würde und man darauf etwa ein Stück alten Pappendeckels langsam und feierlich anzündete . Wenn unsere Landsmannschaft auf der Universität jährlich ihren großen Commers abhielt , bestand das Bouquet des Abends , nachdem der Landesvater gesungen , darin , daß wir die Fenster aufrissen und den Qualm eines draußen angezündeten Haufens Torf einathmeten . Dann fielen wir uns in die Arme und stießen zwischen Thränen und Schluchzen Ausrufungen und Freudengeschreie aus , als wenn die Römer sich dem Teutoburger Walde nahten und wir unsere Aexte und Streitkolben um die langen blonden Locken schwängen , weil es zum Kampfe ging für Freiheit , Vaterland und Buchweizengrütze ! Das ist nämlich unser Nationalessen , Fräulein ! Schon Thusnelde soll es gekocht haben , wenn sie wünschte , daß Arminius guter Laune war . Lucinde glaubte Klingsohrn zu hören ; selbst Jérôme stand vor ihr ... Dennoch war Benno von Asselyn ein völlig anderer . Auch die Erwähnung der blonden Locken paßte gar nicht auf ihn , da sein Haar schwarz war und sein ganzes Wesen eher südländisch als nordisch schien . Sie wollte dies auch aussprechen , aber der Rauch , der von dem verwüsteten Felde herüberdrang , erstickte ihr fast die Stimme . Auch setzten sich eben die Italiener sämmtlich in ihren Wagen und auch Lucindens Kutscher hielt , weil der Weg nun bergab ging , sein Roß an und öffnete den Schlag . Ihre Einladung an Benno und Hedemann , sich mit einzusetzen - soweit es neben ihr und auf dem Bocke Platz gab - wurde von diesen artig abgelehnt . So rollte sie von dannen . All ihr Denken schien jetzt tief innenwärts gewandt . Sie schlug den Schleier über ihren Hut , weniger um sich gegen den vom raschen Herabrollen des Wagens aufwirbelnden Staub zu schützen , als um ungestörter denken und träumen zu können . Ja , es war ihr doch , als begann sie jetzt zum zweiten mal zu leben , aufzuwachen im Grabe , eine Auferstehung von den Todten ! Drei Jahre einer nicht etwa erfahrungsarmen , aber doch sehr in sich selbst bedingten Zeit lagen hinter ihr . Sie hatte sie an den Streckbetten der Jugend zugebracht . Eine Dulderin war sie nicht ; sich beugen , sich gefangen geben hätte sie nur da gekonnt , wo ein stärkerer Arm sie faßte , wenn auch nur ein Serlo , der sie regiert hatte , obgleich er ein Sterbender gewesen ... Eine Zeit lang reichte aus den Wolken ein solcher Arm ; sie suchte ihn zu fassen , sich an ihm zu halten ; es war das erste leidenschaftlich bewegte Jahr ihres Wirkens im » Correctionshause der Natur « gewesen . Diese Hoffnung schlug fehl und die Getäuschte brauchte zwei Jahre , sich zu sammeln und ins Leben zurückzufinden . Man hatte sie unter den Kindern gewähren lassen , nachdem sie über die Krisis , um Paula ' s von Dorste-Camphausen willen entfernt zu werden , durch den plötzlichen Tod des Vaters derselben , des Grafen Joseph auf Westerhof , glücklich hinweggekommen war . Denn Paula , die die Menschen in zwei Klassen schied , in solche , die ihre Nerven gleichsam mit der Hand von oben nach unten strichen und sanft auf sie wirkten , und solche , die sie von unten nach oben strichen und sie aufregten und beunruhigten , Paula erkannte in Lucinden zuletzt ein Wesen , das sie , wenn sie länger vereint blieben , zum Steine hätte umwandeln , ja tödten müssen ... Sie sagte dies selbst niemals , nur die Beobachtenden fühlten dies , und vor allem entschied Bonaventura von Asselyn , der junge Priester , die Trennung , entschied sie in demselben Augenblicke , wo sie sich durch die Rückkehr Paula ' s zu den Ihrigen und unter die Vormundschaft des Kronsyndikus von Wittekind , ihres Oheims , von selbst vollzog ... Zwei Jahre brauchte Lucinde , um diese Kämpfe zu verwinden , und es war vielleicht ihre beste Zeit , die Zeit wenigstens , wo man ihr Wesen ertragen konnte ; sie war die eifrigste Kirchengängerin , wurde von den Geistlichen in Schutz genommen und hatte sogar Gönnerinnen , was ihr von Frauen bisher im Leben noch nicht geschehen war . Da schlug eines Tages der Name einer Frau von Gülpen an ihr Ohr . Fräulein ! rief sie berichtigend in ihrer Erstarrung auf . Aber : Frau von Gülpen ! hieß es . Sie war die langjährige Freundin eines Dechanten von Asselyn zu Kocher am Fall , einem Städtchen ältesten Ursprungs und zwanzig Meilen weit von dem Ort ihres gegenwärtigen Wirkens ... Asselyn ! war der zweite elektrische Schlag . Der Onkel jenes erstandenen Serlo ? ... Frau von Gülpen suchte für Kocher am Fall eine Gesellschafterin ... Die Gesellschafterin der Gesellschafterin eines Geistlichen ... Er hieß Asselyn ! Sie Gülpen ! ... So entschied sie sich und alle ihre Pulse schlugen und tausend wilde Stimmen riefen in ihr : Ja , rauschet noch einmal auf , ihr Pforten der Vergangenheit ! Jetzt will ich unter euch hintreten wie eine Königin ! Will Trotz bieten jedem Auge , das verwundert mich anstarrt ! Dies Kreuz hier auf der Brust entsühnt jede Schuld ! Das geweihte Wasser an jeder Kirchenthür reinigt meinen Ruf von jedem Flecken ! Wiedergeboren bin ich und gesetzt durch das Blut des Erlösers und der Martyrer ! Wer mich anschuldigt ,